|
home
archiv
leser
info
links
<< |
|
BÜCHER
MAI 06
eigentlich
wollte ich zu paulo
coelho's aktuellem buch "der
zahir" eine art lesebericht schreiben. ich hatte hierzu
auch schon ca. 5 seiten text fertig. doch ich habe mich dagegen entschieden,
denn es wäre ein gar fürchterlicher veriss geworden. weit
davon entfernt, sachlich über ein buch zu urteilen. vielleicht
gelingt es mir einfach nicht, diesen autor nüchtern zu betrachten.
zu schlecht fand ich "elf minuten". um nicht zu sagen, dies
ist wohl eines der schlechtesten bücher, die jemals geschrieben
wurden. empfohlen wurde mir der roman seinerzeit von einer guten freundin
und arbeitskollegin. sie war eigentlich sehr angetan davon. mittlerweile
konnte ich sie aber davon überzeugen, dass dies grottenschlechte
literatur ist. und nachdem sie selbst noch einen coelho gelesen hatte,
bei dem sie zwar nicht "an den ufern des rio piedra saß",
aber dennoch bitterlich über die schlechte qualität des buches
weinte, gehört dieser autor von nun an zu unser beiden "liebling".
und so habe ich es auch diesmal nur ihr zu verdanken, dass ich nun das
neue buch in den händen halten darf. wir haben beide sehr gelacht,
als sie mir "den zahir" als geschenk überreicht hat.
dennoch habe ich mich sehr darüber gefreut, und das buch doch tatsächlich
gelesen.
und jetzt könnte ich loslegen, das buch in seine einzelteile zerfetzen,
denn so gut wie auf jeder zweiten seite stehen dort dinge geschrieben,
die einem die haare zu berge stehen lassen. und somit ist es mir schier
unbegreiflich, wie dieser autor so erfolgreich sein kann. warum so viele
menschen diese bücher lesen und am ende auch noch gut finden. ich
habe mich durch zwei seiner bücher regelrecht durchgekämpft.
eigentlich nur, um mitreden zu können, um vielleicht zu verstehen,
was ist dran an der magie, die ahnungslose arme leser zu marionetten
des schlechten geschmacks werden lässt. "elf minuten"
ist einfach ein mieses buch. und wer dem nicht zustimmt, der hat scheinbar
noch kein gutes gelesen. das ist meine meinung und diese meinung gilt
auch für "der zahir".
denn dies sind schlichtweg 340 nichtssagende, langweilige und vor schleim
tropfende seiten, die man einfach nicht gelesen haben muss. natürlich
möchte ich mich hier nicht unbeliebt machen, vor allem auch nicht
intolerant denjenigen gegenüber sein, die coelho's bücher
toll finden. sollen sie doch. ich möchte nur mit erhobenem zeigefinger
darauf hinweisen: "es gibt noch andere literatur neben p. c."
vielleicht liegt es eben auch daran, dass coelho's bücher zu der
gattung "erhobener zeigefinger" gehören. und davon gibt
es mittlerweile einfach zu viele, es ist langweilig geworden. ich brauche
keine weltverbesserungsliteratur, schon gar keine die so schwülstig
geschrieben ist. und wenn dieser autor, dann auch noch versucht über
die liebe zu schreiben und das glück und scheitern einer ehe mit
dümmlichen vergleichen und gleichnissen zu erklären versucht,
dann muss ich leider sagen - ich gehöre zu diesem publikum nicht.
denn meiner meinung nach schafft es coelho leider auf keiner seite,
gefühle aufkommen zu lassen. um nicht zu sagen, es ist mir als
leser vollkommen egal, ob der unsymphatische ich-erzähler nun seine
frau, die ihn verlassen hat, am ende wieder bekommt oder nicht. das
ganze szenario mag noch so tragisch durchdacht sein, es funktioniert
einfach nicht. und da helfen auch all die kleinen eingeflochtenen gleichnisse
und erlebnisse, der durchwegs weltfremden protagonisten nicht weiter.
ich spare mir an dieser stelle, die haarsträubenden vergleiche
von menschen mit kathedralen, der ehe mit eisenbahngleisen und all dem
anderen schwachsinn, denn am ende darüber nachzudenken ist wahrlich
noch schlechter als das ganze überhaupt zu lesen ...
eines ist sicher. man kann coelho's texte entweder lieben oder nicht.
ich kann mit seinen büchern absolut nichts anfangen. ich muss versuchen,
die leute zu verstehen, die ihn gut finden und alle anderen müssen
akzeptieren, dass ich seine bücher einfach nicht mag. dazu hätte
ich mir all diese zeilen sparen können um anzumerken: "der
zahir" ist ein schlechtes buch. ein satz hätte genügt.
oder bin ich womöglich einer der leser, die nichts begriffen haben,
denen coleho's zeigefinger nicht deutlich genugt gesagt hat: du musst
alles auf dieser welt lieben? nun gut, ich will es versuchen: "ich
liebe dieses buch, weil es mein weltbild verändert hat, ich liebe
paulo coelho, weil er mir wunderbare lesestunden bereitet hat, außerdem
liebe ich kirsten, die 20 euro für mich geopfert hat damit ich
diesen wunderbaren roman lesen durfte. danke! ich habe mich verändert,
ich bin ein besserer leser geworden, von nun an sehe ich die literatur
mit anderen augen ..."
und komme nun zu den büchern in diesem monat, die man wirklich
gelesen haben sollte, die man wirklich lieben kann und für die
es sich auch wirklich lohnt geld auszugeben! da ist beispielsweise "pferde
stehlen" von per petterson. zwar muss ich gestehen, dass
mich der titel nicht sonderlich anmacht, aber davon sollte man sich
in diesem fall nicht täuschen lassen. denn dieser roman ist schlichtweg
wunderbar. er ist in einer fabelhaft zarten sprache verfasst. die geschichte
einer vater/sohn-beziehung während eines sommers erzählt petterson
so ruhig und zärtlich, dass man fast die eigentlich teilweise harten
ereignisse überliest. auch sollte die atmosphäre erwähnt
werden. der autor schafft es perfekt, die großartige natur norwegens
in seine handlung mit einzubeziehen, dass man fast den eindruck hat,
hierbei handelt es sich um eine weitere person. selten habe ich naturbeschreibungen
so wunderschön lesen dürfen. an diesem buch gibt es nichts
zu bemängeln, außer vielleicht, dass es mit seinen 200 seiten
viel zu schnell zu ende ist ...
eigentlich waren außer coelho alle bücher sehr lesenswert.
nur eines musste ich leider nach der hälfte ins regal zurückstellen:
"consummatus"
von sibylle lewitscharoff. von vielen seiten hört man auschließlich
positives zu diesem buch, für mich war das leider nichts. entweder
ich gehöre zu einer falschen generation, bin zu jung oder schlichtweg
zu dumm um diesen text zu verstehen. ich hatte an keiner stelle eine
ahnung, was mir die autorin mit diesem quatsch eigentlich sagen wollte.
für mich ist dieses buch der versuch mit gewalt eine art kunstgeschreibsel
zu papier zu bringen, so hat mich das buch von der ersten seite an fürchterlich
genervt. tut mir leid. mögen all die anderen diesen roman vergöttern,
für mich war es leider nix!
weiter im text mit "sommerdiebe"
von truman capote. ich denke, allzu viel muss ich dazu nicht
sagen. capote ist in aller munde. vor allem auch wegen dem film, für
den philip seymour hoffman mit dem oscar ausgezeichnet wurde. leider
habe ich ihn noch nicht gesehen, werde dies aber sicherlich nachholen.
jetzt mag der ein oder andere denken, muss man die figur capote jetzt
so stark in den vordergrund rücken? ja, man muss. denn auch wenn
ich bisher lediglich "sommerdiebe" gelesen habe, so kann ich
unbestritten behaupten, dass capote ein genialer schriftsteller war.
und dass man seine bücher gelesen haben sollte. das sollte in naher
zukunft kein problem sein. denn der kein & aber verlag bringt in
den nächsten monaten eine werksausgabe auf den markt. und das in
einer sehr lobenswerten ausstattung. ansprechendes cover, leinen, schöne
schrifttype. hier merkt man, dass den leuten des verlages ihr job auch
wirklich am herzen liegt. doch es ist nicht nur schön "sommerdiebe"
anzuschauen, natürlich lohnt es sich auch, das buch zu lesen. viel
sollte nicht verraten werden, denn diese fantastisch konstruierte und
geschriebene liebesgeschichte sollte jeder selbst entdecken, vor allem,
weil es sich hierbei nur um einen umfang von mageren 120 seiten handelt.
unbedingt lesen!
unbedingt lesen sollte man auch "die
habenichtse" von katharina hacker. denn dies ist unbestritten
deutsche gegenwartsliteratur auf höchstem niveau. hacker hat nicht
nur einen interessanten text zu papier gebracht, sie erzählt ihre
geschichte auch noch in einer außergewöhnlichen sprache.
viel muss zu diesem buch nicht gesagt werden, auf den ersten blick scheint
es zwar nicht sonderlich lesenswert, aber das täuscht. denn die
autorin behandelt in diesem roman solch klassische themen wie die liebe,
lässt ihre protagonisten aber in der zeit um den 11. september
agieren, was das buch auch politisch durchaus nicht uninteressant macht.
was mir gut gefallen hat, war auch die gegenüberstellung verschiedener
themen. so freut man sich beispielsweise, dass die beiden hauptpersonen
zueinander finden, leidet aber gleichzeitig mit andras, dem diese verbindung
großen liebeskummer beschert. so sind in diesem roman einige menschen
äußerst glücklich, anderen geht es nicht sonderlich
gut. die einen sind reich, besitzen eigentlich alles, was sie sich wünschen,
die anderen sind arm und müssen um ihre existenz kämpfen.
doch auch alle, auf den ersten blick wunderbaren zustände, sind
bei hacker keineswegs sicher und so wartet man immer auf den augenblick
in dem alles eine andere richtung einschlagen wird ... wie gesagt, "die
habenichtse" ist ein schlichtweg fantastisches buch und sollte
unbedingt gelesen werden!
wer es nicht ganz so modern mag und denkt, dass alle themen um den 11.
september langsam ausgeluscht sind, dem sei "vindings
spiel" von ketil bjørnstad ans herz gelegt. denn dies ist
wunderbare literatur. was dieses buch von vorne herein zum meisterwerk
macht ist die einfache art und weise in der es geschrieben ist. man
hat zu keinem zeitpunkt das gefühl beim lesen überfordert
zu sein. man kann sich ganz entspannt dem text widmen ohne den eindruck
zu haben der autor will auschließlich aufgrund einer kunstprache
auf sich aufmerksam machen. und so liest man dann auch noch eine herrliche
geschichte, die sich mit ganz großen themen wie liebe, liebeskummer,
tod und trauer beschäftigt. vorranging ist dies aber ein buch über
das erwachsenwerden und natürlich über die musik. mehr möchte
ich wirklich nicht verraten, auch wenn ich diese aussage allzu oft verwende:
man sollte sich von den ereignissen überraschen lassen. und man
sollte mir glauben, dies ist ganz große literatur. und wenn ich
diesen autor noch mit paulo coelho vergleichen darf, sind diese beiden
bücher wie tag und nacht. ärgerlich ist eigentlich nur, dass
coelho's bücher die bestsellerlisten stürmen, während
wirklich gute literatur oftmals nicht einmal beachtet wird!
bleiben wir noch kurz bei der liebe und zwar bei "beute
machen" von bodo morshäuser. sicherlich auch ein buch,
das von der großen masse nicht bemerkt werden wird. leider muss
ich in diesem fall sagen, dass dies nicht weiter schlimm ist. denn ich
muss gestehen, dass ich mit diesem kurzen roman nicht sonderlich viel
anfangen konnte. zwar hat diese moderne liebesgeschichte durchaus seine
lesenswerten stellen, doch insgesamt kommt leider keine große
lesefreude auf. der autor schafft es einfach nicht, dass einem seine
personen ans herz wachsen. mit anderen worten, es ist dem leser völlig
egal, ob sich die beiden protagonisten ineinander verlieben. und es
ist erst recht egal, ob sie sich wieder trennen. vielleicht stelle ich
mir unter einer liebesgeschichte einfach etwas anderes vor. somit kann
ich nur vermuten, morshäuser hat leider nicht meinen geschmack
getroffen. mir was das ganze zu seicht, ohne charme und gefühl
und stellenweise sogar etwas überzogen und langweilig. diesen roman
kann man lesen, man kann ihn aber auch getrost im regal stehen lassen.
nun zu einem ganz besonderem buch: "der
weltensammler" von ilija trojanow. dieser roman wurde mit
dem diesjährigen preis der leipziger buchmesse ausgezeichnet, sicherlich
eine nicht unverdiente auszeichnung. denn dies ist schon lesenswerte
und große literatur. für mich war es allerdings ein wenig
anstrengend zu lesen. trojanow erzählt die geschichte von richard
francis burton. nicht zu verwechseln mit dem berühmten schauspieler
handelt es sich hierbei um einen britischen abenteurer. das buch wird
in drei teile gegliedert, die von drei reisen berichten. von indien,
der beginn des romans, reist burton nach arabien und landet schließlich
in afrika. vom indien-teil war ich schlichtweg überwältigt,
ich war begeistert, nicht nur wegen der außergewöhlichen
erzählweise. das ganze war unglaublich interessant und spannend
zu lesen. doch dann wurde mir das buch von seite zu seite fremder. stellenweise
fand ich den text sogar unerträglich langweilig und zäh. für
mich konnte der autor die qualität des anfangs leider nicht bis
zum ende durchhalten. geschafft habe ich es trotzdem und möchte
den "weltensammler" auch durchaus empfehlen. denn vielleicht
lag es auch nur an meinen persönlichen lesegewohnheiten, dass es
für mich eher arbeit als entspannung war, dieses buch zu lesen.
an arbeit denke ich auch, wenn ein buch in die kategorie "sachbuch"
fällt. wie beispielsweise frank
schätzings neues werk "nachrichten
aus einem unbekannten universum". denn als sachbuch sollte
man es auch durchaus betrachten. auch wenn schätzing es schafft,
das ganze mit witzigen vergleichen einfach und lesenswert zu gestalten,
darf man nicht vergessen, dass dieses buch eben keine fortsetzung seines
genialen bestsellers "der schwarm"
ist. trotzdem habe ich es mir gekauft und werde es auch zu ende lesen.
allerdings schaffe ich es leider nicht am stück, sondern lese nach
und nach ein stückchen davon. und in dieser kleinen menge macht
es auch wirklich spaß und ist unglaublich interessant. vor allem
für diejenigen, denen die wissenschaftlichen teile im "schwarm"
zu wenig waren, werden hier voll auf ihre kosten kommen. eines zeigt
mir dieses buch außerdem, nämlich dass schätzing ein
ganz großer schriftsteller ist. der auch wirklich etwas in der
birne hat und eben keinen seichten thriller geschrieben hat, wie man
es vom "schwarm" oftmals zu hören bekam!
BEWERTUNG:
der
zahir von paulo coelho:
*****
pferde
stehlen von per petterson:
*****
consummatus
von sibylle lewitscharoff:
*****
sommerdiebe
von truman capote:
*****
die
habenichtse von katharina hacker:
*****
vindings
spiel von ketil bjornstad:
*****
beute
machen von bodo morshäuser:
*****
der
weltensammler von ilija trojanow:
*****
nachrichten
aus einem unbekannten universum von frank schätzing:
*****
|