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BÜCHER
JUNI - AUGUST 06 lange habe ich wortkunst nicht mehr aktualisiert. wie immer fehlt mir hierfür leider ein gewisser anreiz. meine freizeit nutze ich lieber bücher zu lesen, als über sie zu schreiben. auch war es eine zeitlang so, dass ich mich nur um neuerscheinungen gekümmert habe, um diese website auf dem neuesten stand zu halten. eigentlich schwachsinn. es gibt so viele gute bücher, die nicht schlechter werden, nur weil sie nicht mehr in aller munde sind. auch habe ich in letzter zeit wirkliche „klassiker“ für mich entdeckt. und auch hier wurde ich teilweise ungemein positiv überrascht. ![]() los gehts aber mit „die russische patientin“ von bärbel reetz. sie erzählt uns in romanform die geschichte von sabina spielrein. wer also schon immer wissen wollte, was es mit der frau zwischen „jung und freud“ aufsich hatte, wird sicherlich in diesem buch einige interessante details finden. mir war das ganze eindeutig zu sperrig geschrieben. ich musste mich teilweise durch den text kämpfen. was allerdings ein kaufgrund für dieses buch sein sollte, das wunderbare cover. selten habe ich einen schöneren umschlag zu gesicht bekommen! allergrößtes lob an dieser stelle wieder an hermann michels und regina göllner! (Bewertung: *****) es sieht unschwer so aus, als wolle ich mich im moment vorrangig mit liebesgeschichten beschäftigen. warum auch nicht, kein thema bietet mehr ideen, die zu papier gebracht werden können. die liebe beschäftigt jeden, sei es im glück oder unglück. natürlich sind die meisten liebegeschichten traurige. vielleicht weil dies meistens der realität am nächsten kommt und weil - vor allem in der literatur - glückliche liebesgeschichten langweilig sind ...
und was passt zu dieser aussage am besten? die wohl berühmteste von allen: "anna karenina von leo tolstoi." ich muss kurz abschweifen. ich glaube, ich habe es schon einmal erwähnt, egal, denn man kann dies nicht oft genug sagen. wenn ich einen lieblingsverlag nennen müsste, so wäre es auf jeden fall MANESSE. ich liebe diese bücher. die ausstattung (leinen, lesebändchen, gute typografie, schönes papier) und auch das außergewöhnliche format. natürlich kommt es vorrangig auf den inhalt an, aber ein schönes buch steigert unterbewusst enorm die lesefreude. also - alle anderen verlage sollten sich manesse zum vorbild nehmen. hier sitzen leute, die bücher lieben und diese freude an ihre leser weitergeben. ein großes dankeschön hierfür. und so habe ich „anna karenina“ natürlich in der wunderbaren, in zwei bänden erschienenen, ausgabe aus dem manesse verlag gelesen. tolstois mammutwerk wird eigentlich von allen seiten nur empfohlen. viele wird es allerdings abschrecken, einen brocken von über 1700 seiten vor sich zu haben. und es ist auch nicht einfach. ich hatte leider nicht die ruhe, dieses buch an einem stück durchzulesen und habe somit mehrere wochen damit verbracht. stellenweise hatte ich dann schon das bedürfnis einfach aufzugeben. der roman ist keinesfalls schwer zu lesen oder gar schwer zu begreifen. auch meine ängste, die zahlreichen russischen namen nicht auseinanderhalten zu können, erwiesen sich als unbegründet. trotzdem ist dieses werk schlichtweg zu umfangreich. tolstoi nimmt sich an einigen stellen schon unheimlich viel zeit! begeisterung konnte der roman somit leider nicht in mir auslösen. aber - man sollte ihn gelesen haben. was konnte ich aber am ende von „anna karenina“ lernen? wie immer, das grundlegende thema, das leben und vor allem die liebe ist nicht leicht. und das tritt in diesem buch in zwei formen auf. aufgeteilt in zwei große handlungsstränge berichtet uns tolstoi natürlich von anna und ihrer liebe zu wronski. nicht zu vergessen ist aber der teil, der sich mit kitty und lewin beschäftigt. oftmals hat man sogar den eindruck, diese beiden wären die wahren hauptdarsteller des romans. vor allem lewin‘s geschichte vermag den leser ungemein zu berühren. seine unerfüllte liebe zu kitty ist schon wirklich brillant beschrieben. lewin hat vorrangig mit problemen zu kämpfen, weil er seine geliebte nicht haben kann. der klassiche liebeskummer! bei anna ist es anders. ihr wird der wunsch, den mann den sie liebt, zu bekommen sofort erfüllt. ja wird ihre liebe sogar erwiedert. eigentlich die besten voraussetzungen für das von allen gewünschte glück. aber was wäre das leben, wenn es nicht auch hier zu problemen kommen würde? und was wäre ein großer liebesroman, wenn nicht am ende alles tragisch endet? (Bewertung: *****) bleiben wir bei den klassikern. wer es nicht ganz so umfangreich haben möchte, dem sei „jane eyre“ von charlotte brontë ans herz gelegt. denn die autobiografisch angehauchte geschichte bietet alles, was ein guter schmöker braucht. beginnend mit der ungerechten kindheit begleitet man die heldin über lange zeit über, bei all ihren versuchen, ein glückliches leben zu führen. auch dieses buch ist natürlich eine liebesgeschichte, vielleicht mag der ein oder andere denken, dies sei wohl eher eine story für frauen. keinesfalls, denn brontë reichert ihr buch mit dem ein oder anderen schauerelement an, was es letztendlich auch zu einer art „gruselroman“ macht, so kitschig das auch klingen mag. wichtig ist vor allem, dies ist wunderbar leicht zu lesende literatur. man muss nicht viel überlegen, hat an keiner stelle den eindruck überfordert zu werden. und somit ist dies wohl ein gutes beispiel für die perfekte unterhaltungslektüre. (Bewertung: *****) wenn ich diesen sommer nur ein buch empfehlen dürfte, dann wäre dies wohl „zeiten des aufruhrs“ von richard yates. denn dieser roman ist ein meisterwerk, welches leider lange zeit vollkommen zu unrecht unbeachtet blieb. das hat sich jetzt gott sei dank geändert. ich konnte nach wenigen seiten das buch nicht mehr zu seite legen. yates erzählt uns von einer familie. alles scheint auf den ersten blick perfekt. frank hat einen scheinbar guten job, april ist eine erfolgreiche schauspielerin, beide sind glücklich mit ihren kindern. doch der scheint trügt! das ganze ist nur eine fassade, nur ein traum, den beide aufrecht erhalten wollen. denn im inneren ist schon viel zu vieles zerstört. april ist eben doch nur eine gewöhnliche schauspielerin, die zwar zu anfangs durch ihre schönheit besticht, dann aber bei der kleinsten abweichung vom plan ihr nichtkönnen preisgeben muss. dabei war es immer ihr traum eine ganz große zu werden. doch die kinder kamen dazwischen. ihre vision wurde also jäh zerstört. frank bringt zwar ordentlich geld nach hause, zufrieden ist er mit seiner arbeit aber an keinem tag. um sich von all seinem unglück, sei es beruflich aber auch privat, abzulenken, beginnt er eine affäre mit einer sekretärin. doch auch dies ist von anfang an zum scheitern verurteilt. wie eigentlich alles, was in diesem roman passiert. so hat das buch einen ungemein schalen geschmack. wir werden zeuge von unzähligen streiterein, missverständnissen, gefühlsausbrüchen. wir beobachten die menschen in ihrem unglück, welches von tag zu tag schlimmer zu werden scheint. dies alles zu lesen ist keinesfalls heitere unterhaltung. aber - und das macht dieses buch so unglaublich realistisch - yates beschreibt das wahre leben. er beschönt es nicht, er erzählt davon, was passieren kann, wenn man versucht sich zu verstellen. wenn man nicht das tut, was man eigentlich möchte. wenn man sich durch äußerliche zwänge zu dingen drängen lässt, die einem zuwider sind. sei es nur um nach außen hin gut dazustehen oder das eigene gewissen zu beruhigen. für mich gehört „zeiten des aufruhrs“ zu einem der besten bücher, die ich jemals gelesen habe. am liebsten würde ich jeden ZWINGEN dieses meisterwerk zu lesen, denn es gibt im moment nicht viel vergleichbar geniales zu erwerben! (Bewertung: *****)
ein ähnliches highlight, allerdings im letzten jahr war für mich „verlockung“ von janos szekely. ein fabelhaftes buch von unbeschreiblicher kraft. jetzt gibt es von diesem brillanten autor ein weiteres buch zu entdecken: „der arme swoboda“. doch - damit mache ich dem verlag keinesfalls einen vorwurf - letztendlich bleibt am ende nur der versuch, an den verkaufserfolg von „verlockung“ anzuknüpfen. denn ist die geschichte zwar stellenweise recht originell und liebenswert, an die wucht von szekely‘s meisterwerk kommt sie ganz und gar nicht heran. so war dieser kurze text nichts weiter als ein ganz netter zeitvertreib. schade eigentlich! (Bewertung: *****) dies nur nebenbei, bleiben wir bei den liebesgeschichten. und bleiben wir noch ein wenig bei den klassikern. und ein äußerst bekanntes buch dieser gattung ist sicherlich „lehrjahre des herzens“ von gustave flaubert. oft konnte ich lesen, dies wäre einer der schönsten liebesromane, die jemals geschrieben wurden. auch die gesamtaussage des romans rührt einen nahezu zu tränen. zwei freunde unterhalten sich und erinnern sich an das schönste, was sie NIE erlebt haben. denn flaubert war der meinung, dies wäre eine unglaubliche freude. denn oftmals können einen dinge, die man wirklich erlebt hat, unweigerlich enttäuschen. erlebnisse, aber, die man nie hatte, werden nie vergehen. man hat sie für immer im herzen, mit einer art süßer traurigkeit. durch diese worte wurde ich auf den roman aufmerksam. leider weiß ich nicht mehr, wo genau ich das ganze gehört hatte. egal. ich wollte das buch lesen. doch leider scheint es ein langer weg zu diesem genialen schluss zu sein. nach hundertfünfzig seiten musste ich den roman leider zur seite legen. denn bis dahin, war nichts zu finden vom kummer, von der sehnsucht. gut, der held des romans ist unglücklich verliebt. die teile, in denen über sein „leiden“ berichtet wird, sind schon lesenswert. was aber zwischendurch passiert könnte langweiliger nicht sein. wobei „langweilig“ bei solch einem werk natürlich eine zu harte aussage ist. ich will es anders formulieren, es hat mich einfach nicht interessiert. vielleicht habe ich in der zukunft mal wieder lust auf flaubert und werde dann womöglich das buch auch zu ende lesen. im moment war es mir leider nicht möglich ... lassen wir die klassiker aber mal klassiker sein. denn ein paar neuerscheinungen müssen trotzdem erwähnt werden. allerdings habe ich mir auch hier scheinbar nur bücher zum thema liebe ausgesucht. und es gibt auch junge autoren, die sich damit beschäftigen. benjamin lebert zum beispiel. bekannt durch seinen bestseller „crazy“ ist nun sein drittes buch „kannst du“ erschienen. lebert beschreibt die beziehung eines jungen autors zu einer zufallsbekannschaft: tanja. sie fragt ihn, ob er sie auf eine schwedenreise begleiten möchte. da er sich momentan in einer kleinen schaffenspause befindet, beschliesst er sich auf das „abenteuer“ einzulassen. am anfang scheint noch alles perfekt. er, ein junger, smarter typ, unterwegs mit einem hübschen mädchen. doch das insgeheim von ihm erhoffte sexabenteuer nimmt sogleich ein schnelles ende. denn tanja scheint nicht, das zu sein, was er gedacht hat. sie leidet unter schweren psychischen problemen, die stellenweise wirklich krass beschrieben sind. der held möchte tanja helfen, doch sie lässt ihn nicht an sich heran. er kann sie nicht einschätzen, weiss nicht, wie er sich ihr gegenüber verhalten soll. sie gibt ihm keine chance, ist von einer minute auf die andere wie umgewandelt. schaltet von unglaublich lieb und verständnisvoll auf total verrückt um. tim ist machtlos. und alles kommt noch viel, viel schlimmer. am anfang hat mich das buch ein wenig genervt. die personen waren mir unsympathisch, zu durchgeknallt. vielleicht bin ich auch einfach ein wenig zu alt für diese art von literatur. vielleicht konnte ich auch stellenweise mit leberts schreibstil nicht viel anfangen. doch dann gibt es wieder passagen, die sind einfach fabelhaft. toll beobachtet, wunderbar beschrieben. und am ende fand ich diesen roman dann doch recht gelungen. (Bewertung: *****) auch eine junge autorin, aber wie ich finde mit lebert keine seite über zu vergleichen ist meg mullins. ihr debut heisst „der teppichhändler“ und ist - ganz klar - wieder eine liebesgeschichte. und wieder ein traurige. allerdings wird sie von mullins mit einer unglaublichen einfühlsamkeit und zärtlichkeit beschrieben. es geht um uschmann. seit drei jahren lebt er in new york um hier teppiche zu verkaufen. seine frau farak ist im iran geblieben. woche für woche wartet er auf sie, malt sich aus, wie es sein wird, sie vom flughafen abzuholen. doch farak kommt nicht. im gegenteil. sie hat mittlerweile einen anderen mann, will die scheidung. mit ihm bekommt sie das lang erwartete kind. mit uschmann hat es nie funktioniert. so lebt er vor sich hin, verkauft teppiche, kann gut davon leben. aber er ist traurig, enttäuscht und vor allem unglaublich einsam. eines tages vertreibt er sich die langeweile am flughafen. dort lernt er stella kennen. sie ist ungefähr 20 jahre jünger als er. zwischen den beiden entwickelt sich zuerst eine freundschaft, danach eine liebesbeziehung. doch es ist kein geheimnis, dass auch diese liebe wieder zum scheitern verurteilt ist. mir hat „der teppichhändler“ ausgesprochen gut gefallen. denn mullins art die geschichte zu erzählen, ist weit entfernt von klischees. eine wirklich anrührende, zarte und äußerst lesenswerte liebesgeschichte. man erlaube mir, einen kleinen absatz zu zitieren: uschmann beobachtet, wie sie weggeht und hinter dem schwarzen tor verschwindet. er könnte die ganze nacht hier sitzen - in der hoffnung, sie würde vielleicht umkehren und sich zu ihm ins fenster lehnen, noch etwas sagen. ihm noch einen kuss geben. andererseits kann er es kaum erwarten, in seine wohnung zurückzukehren und ihren duft dort zu riechen. den teller zu spülen, den sie benutzt hat, und sich an den druck ihres kopfes an seiner schulter zu erinnern. er hat das geschirr abgewaschen und ist schon zweimal durch die gesamte wohnung gelaufen, um sich in jedem winkel, in dem sie sich aufgehalten hat, an sie zu erinnern. nun liegt wieder eine ganz normale schlaflose nacht vor ihm. welches talent steckt in einer schriftstellerin, die es schafft, solch wunderbare szenen zu beschreiben? unbedingt lesen! (Bewertung: *****) damit es nicht gar so langweilig wird mit der liebe und ihren tücken, sei an dieser stelle kurz der neue roman von martin suter erwähnt: „der teufel von mailand“. hätte ich jetzt über „lila, lila“ geschrieben, wären wir nochmal beim thema, aber nein, diesmal ist suters buch wieder eine art krimi. ich bin ein großer fan dieses schweizer autors. ich finde, er schreibt einfach wunderbar süffig. eine gute freundin von mir hätte es nicht besser ausdrücken können: „suter lesen ist wie fernsehen ...“. stimmt, wunderbar leichte, aber dennoch unglaubliche spannende unterhaltungsliteratur bekommt man hier vorgesetzt. man muss nicht viel denken, liest sich einfach von seite zu seite und ist am ende enttäuscht, dass schon wieder alles vorbei ist. „der teufel von mailand“ ist sicherlich nicht suters bestes buch, dafür ist es diesmal - zugegeben - wirklich etwas seicht, auch fehlt dem ganzen am ende doch ein wenig der kick. trotzdem, ich genieße es jedesmal wieder einen suter in den händen zu halten und werde diesem sympathischen schriftsteller auch weiterhin treu bleiben, seine bücher empfehlen oder verschenken. ja, doch! ich bin ein fan! (Bewertung: *****) ![]() ein fan und zwar ein ganz großer bin ich auch von peter stamm! für mich einer der besten deutschsprachigen autoren, die es derzeit gibt. seit „blitzeis“ war ich gleichermaßen fasziniert von seinem schreibstil, wie auch von den geschichten, die er erzählt. auch sie handeln sehr oft von der liebe. und davon, dass diese sehr selten ein happy end hat. die männer bekommen bei stamm selten die frauen, die sie sich wünschen und wenn es doch einmal klappt, dann machen sie alles falsch. vielleicht finde ich stamms texte deswegen so wunderbar, weil sie mich an mein bisheriges leben erinnern. wie oft war ich unglücklich verliebt und wie oft habe ich versucht, aus meinen fehlern zu lernen. doch leider klappt es sehr selten. beim nächsten mal ist wieder alles gleich. dann kommt ein peter stamm und sagt: „das leben besteht ja gerade darin, dass man das falsche macht. meistens aber macht man gar nichts!“ wie recht er damit auch wieder hat. in seinem neuen buch „an einem tag wie diesem“ will ein mann seinem bisherigen leben entfliehen. er ist unglücklich und einsam, auch wenn er es nicht zugeben möchte. er hat zwei affären mit unterschiedlichen frauen, aber diese füllen ihn nicht aus. nur sex scheint ein leben nicht glücklich zu machen. seit jahren lebt er in paris, denkt aber oft an seine heimat, ein kleines dorf in der schweiz. dort gab es ein mädchen, in das er verliebt war. doch sie hat seine liebe nie erwiedert. einmal wollte er sie küssen, doch sie hat sich von ihm entfernt. am ende heiratet sie seinen freund. all diese erinnerungen lassen andreas nicht mehr los. er beschließt sein derzeitiges leben hinter sich zu lassen, kündigt seinen job, verkauft seine wohnung und macht sich auf die reise. wird er am ende glücklicher sein? oder ist andreas suche letztendlich doch nur ein versuch von ein wenig glück im allgemeinen unglück? wenn man ehrlich ist, dann müsste man stamms buch aufgrund der doch zahlreichen klischees vernichtend bewerten. aber wie oft ist doch das leben ein klischee? wie oft geschehen dinge, die man im nachhinein mit einem gewissen kopfschütteln betrachtet, sich dafür schämt so und nicht anders, womöglich vernünftiger gehandelt zu haben. aber so ist das leben nun mal. und so ist eben auch das leben von andreas. für mich war „an einem tag wie diesem“ ein wunderbares buch. ich liebe einfach stamms texte. gerade weil sie so einfach gestrickt und somit so ungemein nachvollziehbar sind. ich kann dieses buch nur jedem wärmstens empfehlen. und nicht nur dieses, sondern ALLE bücher von ihm! an dieser stelle möchte ich noch auf das interview mit peter stamm hinweisen. denn neben all seinem können ist dieser autor außerdem ein überaus symphatischer und wahnsinnig netter mensch. jemand dem lob und erfolg niemals in den kopf steigen würde. ein autor, den man sich also getrost als lieblingsautor aussuchen kann! also, auch wenn ich mich wiederhole: bitte, bitte unbedingt stamm lesen! (Bewertung: *****)
bei all dem lob darf eine enttäuschung hier nicht verschwiegen werden. und zwar die kleine, von allen seiten mehr als hochgelobte erzählung „helena oder das meer des sommers“ von julian ayesta. vielleicht habe ich hier etwas falsch verstanden, vielleicht war ich auf etwas anderes eingestellt, vielleicht ist diese geschichte aber auch wirklich nur unwichtig. ich fand das ganze einfach mehr als langweilig. klar, zugegeben, die sprache ist sehr schön, aber was erzählt wird, war mir schlichtweg zu gewöhnlich. kann man lesen, muss man aber wirklich nicht. es gibt bessere bücher, für dies sich lohnt geld auszugeben und die sich auch wirklich lohnen, gelesen zu werden! (Bewertung: *****) haruki murakami beispielsweise! dieser roman ist schon seit einiger zeit erhältlich, was niemanden davon abhalten sollte, ihn zu lesen! „naokos lächeln“ trägt den untertitel “nur eine liebesgeschichte”. ich weiss nicht, was ich davon halten soll. ja, es ist eine liebesgeschichte, aber es geht auch ums erwachsenwerden und dass man sein leben nicht in den griff bekommt. jedenfalls geht es den helden so. allerdings muss man hinzufügen, dass ihnen das leben nicht gerade sonderlich leicht gemacht wird. das ganze beginnt mit einer art dreiecksbeziehung zwischen toru, seinem besten freund und dessen freundin naoko. in die der ich-erzähler die ganze zeit über verliebt ist. aber er hat keine chance sie zu bekommen. eigentlich lässt ihn das sein ganzes leben lang nicht mehr los. tragisch wird die geschichte, als sich sein freund umbringt. naoko kann das ganze nicht verkraften und landet in einer art nervenklinik. der erzähler versucht von nun an mit beiden problemen fertig zu werden. den tod seines besten freundes und der überaus unglücklichen liebe zu naoko. es taucht noch eine weitere person auf, die das totale gegenteil von naoko ist. flippig, witzig, lieb und nett, aber auch relativ durchgeknallt. doch toru kann sich nicht entscheiden. er liebt midori, kann aber naoko nicht vergessen. man möchte ihm die ganze zeit über zuschreien, nimm midori, sie passt viel besser zu dir! vergiss die andere, es hat doch keinen sinn. doch wie auch im richtigen leben, hat man oftmals seine gefühle nicht im griff und toru ist nahe dran, selbst den verstand zu verlieren. er versucht sich die gedanken zu vertreiben, in dem er mit einem freund aus dem studentenwohnheim um die häuser zieht und reihenweise mädchen abschleppt. aber auch das scheint ihn ganz und gar nicht zu befriedigen, im gegenteil. dies ist ein recht düsteres buch. aber ein buch, dass zum nachdenken anregt. über die liebe, über krankheit, vor allem über den tod und wie schwer es ist, verluste von geliebten menschen zu verkraften ... ein lesenswerter roman, auch wenn man dazu in der stimmung sein sollte. mir hat das ganze teilweise richtig weh getan! doch dann - eine kleiner einwand muss erlaubt sein - übertreibt es der autor ein wenig mit schmerz, leid und letztendlich sterben am ende ein bisschen zu viel personen. das macht den roman dann doch ein wenig konstruiert und dadurch unglaubwürdig. (Bewertung: *****) ![]() zu guter letzt noch eine unbedingte empfehlung. diese möchte ich mit einem zitat von elke heidenreich beginnen: »bei scott fitzgerald geht es immer darum, dass nicht die frauen an der liebe zerbrechen sondern die männer.« und wie recht sie doch damit hat! und bei all den tragischen büchern, die ich in letzter zeit gelesen habe, ist dieser autor doch wahrlich ein würdiger abschluss. kürzlich ist im diogenes verlag eine wunderbare ausgabe all seiner romane erschienen. wirklich ansprechend gestaltet, hochwertig in leinen und im schuber. bisher habe ich allerdings nur fitzgeralds berühmtesten roman gelesen: “der große gatsby”. zwar war ich anfangs davon ein wenig enttäuscht. das leben der neurreichen im new york der 20er jahre fand ich teilweise stark überzeichnet dargestellt. alles personen waren mir ausnahmslos fremd und unsympathisch. richtig nervig waren die ersten seiten über partys. es war mir vollkommen egal, was diese idioten zu sagen hatten. doch dann entwickelt sich die geschichte und wird - ganz klar - zu einer liebesgeschichte. sie erzählt vom kampf und scheitern des jack gatsby. früher verliebt in daisy, er arm, sie reich, trennten sich ihre wege. doch er kann sie nicht vergessen. ganze fünf jahre lang verzehrt er sich nach ihr. kommt durch gaunereien zu geld, kauft sich ein riesiges anwesen, feiert unzählige parties, nur um eines zu gewinnen, die liebe seiner angebeteten. doch wie schon zu anfangs erwähnt, eine liebesgeschichte wäre nicht gut, würde sie nicht tragisch enden. und so bleibt auch am ende von "der große gatsby" nichts als verzweiflung und enttäuschung. geld allein macht also auch nicht glücklich. im gegenteil. brillant sind vor allem die szenen im mittelteil. als gatsby seine daisy wieder zu gesicht bekommt. sonst ein strahlender lebemann, dem niemand etwas anhaben kann, benimmt er sich ihr gegenüber wie ein schüchternes kleines kind. am besten fand ich die stelle, als er ihr gesteht, bei gutem wetter könne man von seinem haus das ihre sehen. das kleine grüne licht am bootssteg. wie verzweifelt muss dieser mann gewesen sein, wie süchtig nach anerkennung und erfüllung seiner liebe. so steht zwar das grüne licht als ein zeichen der hoffnung, das glück wird ihm letztendlich verwährt ... (Bewertung: *****) die anderen romane habe ich bis jetzt leider noch nicht gelesen. trotzdem wollte ich schon an dieser stelle auf die gesamtausgabe aufmerksam machen. weitere besprechungen werden hoffentlich bald folgen. bis dahin, und vielleicht die beste möglichkeit fitzgerald kennenzulernen sind die ebenfalls soeben erschienenen erzählungen "drei stunden zwischen zwei flügen". meisterwerke in meinen augen. und für mich waren es geschichten, die eher genreuntypisch daherkommen. denn selbst wenn sie natürlich kurze szenen aus einem menschlichen leben beleuchten, so hat man bei fitzgerald den eindruck, man würde bei jeder story einen kleinen roman lesen. wie schon von elke heidenreich erwähnt, alle enden traurig und immer sind die männer die verlierer. sie hat recht, wenn sie sagt: "hier ist endlich mal jemand der die männer versteht". dabei fühlt man in den worten des autors regelrecht, wie er die frauen verehrt, bewundert. wie seine helden diese wesen regelrecht vergöttern, um am ende dann doch wieder aufs schlimmste enttäuscht zu werden. dies klingt nach literatur für männer, nein, liebstes weibliche geschlecht: lest diesen genialen schriftsteller und vielleicht behaltet ihr demnächst das ein oder andere kränkende wort für euch. denn wir wollen im grunde zwar stark sein, letztendlich sind wir aber nichts anderes als zerstörbare und verletzbare lebewesen! und darüber berichtet dieser wunderbare autor, den man unbedingt lesen sollte. ich hatte regelrecht das bedürfnis, auf jeder zweiten seite einen absatz anzustreichen, um diese fabelhaften worte immer und immer wieder genießen zu können! zum ende noch ein beispiel: er liebte sie eben und würde sie lieben, bis er zu alt zum lieben war - aber er konnte sie nicht besitzen. so kostete er denn die tiefe qual, die nur den starken vorbehalten ist, wie er einst für kurze zeit das tiefste glück genossen hatte. auch wenn das ganze hier, ohne zusammenhang, ein wenig kitschig klingen mag, die bewertung verdient die höchstpunktzahl: ***** genug! hinweg mit den grausamen qualen der liebe. demnächst werde ich ausschließlich kriminalromane lesen, haha ;-) |
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