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BÜCHER DEZEMBER 06




EIN EINZIGER MENSCH FEHLT DIR, UND DIE GANZE WELT IST LEER
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dieses zitat hat mich wohl am meisten berüht in diesem ganz und gar außergewöhnlichen buch der amerikanischen journalistin und autorin joan didion. das jahr magischen denkens hat sie ihr werk benannt und es ist eine autobiografische auseinandersetzung über dem verlust ihres mannes john dunne.

ein trauerbuch also. wahrscheinlich stellen sich an dieser stelle schon viele die frage: "warum sollte ich das lesen?" vielleicht gerade jüngere menschen werden denken, warum soll ich mich mit einem thema beschäftigen, welches noch in weiter ferne liegt. vielleicht sehen viele tod und trauer als eine art tabuthema an. man will schlichtweg nicht damit konfrontiert werden. als ich einigen freunden dieses buch empfohlen habe, konnte ich sofort erkennen, dass sie es nicht lesen werden. ich werde weiter versuchen ihnen dieses meisterwerk nahezulegen, denn hierbei handelt es sich unbestritten um eines der wichtigsten bücher der letzten zeit.

"das leben ändert sich schnell. das leben ändert sich in einem augenblick. man setzt sich zum abendessen, und das leben, das man kennt, hört auf."
mit diesen zeilen beginnt didions buch. und man kann sie natürlich auf so vieles im leben umsetzen. von einem augenblick auf den anderen ist nichts mehr so wie es war. meist denken wir dabei nicht vorranging an die glücklichen moment im leben, nein eher an etwas negatives. gerade noch scheint die sonne und schon stehen wir im regen. aber auch vollkommen alltägliche dinge ändern sich. der sommer ist vorbei, mit einem schlag ist es draußen kalt. jeder von uns kann solche momente nachvollziehen.
dabei kommt mir eine zeile aus einem lied von nelly furtado in den sinn: "flames to dust / lovers to friends / why do all good things come to an end". gerade war noch alles in ordnung, doch über nacht verändert sich schlichtweg alles. und meist ist es leider so, dass man sich die frage stellt, warum denn alle guten dinge irgendwann zu ende gehen ...
einem schlag ins gesicht gleichzusetzen verlieren wir menschen, die uns doch so viel bedeutet haben. und dabei müssen sie nicht einmal sterben, nein es genügt beispielsweise schon das verlassenwerden und schon ändert sich alles, man ist nicht mehr der mensch, der man einmal war ... man stellt sich fragen nach dem warum, kurz gesagt man leidet.

auch die autorin leidet. weil sie ihren mann verliert. von einer minute auf die andere. zu der zeit, an dem das schreckliche geschieht, liegt die tochter von joan und john im krankenhaus. sie ist schwer krank, es ist zu diesem zeitpunkt nicht sicher, ob sie sich erholen wird. die beiden kommen gerade von ihr, versuchen in der wohnung wieder dem alltag nachzugehen. das leben muss weiter gehen, mag auch noch so schmerz und angst in den gedanken verweilen. ein feuer wird angemacht (für beide ein zeichen, zu hause zu sein, geborgen), joan didion bereitet das essen zu, ihr mann liest, trinkt einen scotch, die beiden sprechen miteinander und plötzlich, eine antwort bleibt aus, der mann stirbt.

von nun an beginnt für die autorin "das jahr magischen denkens". ich musste an "naokos lächeln" von haruki murakami denken. hier berichtet der ich-erzähler, er müsse ein buch schreiben. vielleicht sei das schreiben für ihn der einzige weg um zu begreifen. kluge, nachvollziehbare worte. ich kann mir sehr gut vorstellen, dass didion zu beginn keine sekunde daran gedacht hat, über das schreckliche ereignis zu erzählen. doch irgendwann tut sie es und legt uns diesen unglaublichen bericht vor. was wir von nun an zu lesen bekommen ist schwer zu ertragen. und trotzdem erscheint und das ganze fast wie ein sog, dem wir uns nicht entziehen können. denn zu beginn scheint ihr text so unglaublich fern und kalt zu sein. als würde ein außenstehender die ereignisse erzählen. ohne jegliche gefühle mit der nötigen distanz. aber ich denke gerade diese konstruktion des buches macht es noch faszinierender. zwar hat man den eindruck, didion spult das ganze wie einen tatsachenbericht herunter, doch immer wieder sind da ganz kleine andeutungen, die uns ganz genau zeigen, was diese frau gerade durch macht, dass sie sich am rande des wahnsinns befindet und vielleicht am liebsten selbst diese welt verlassen möchte. doch das kann sie nicht, denn sie braucht die kraft (die sie ja eigentlich gar nicht mehr hat) in diesen momenten für ihre tochter. sie muss für sie da sein ...



nach einigen gescheiterten wiederbelebungsversuchen erfährt joan didon von einem arzt und sozialarbeiter das unausprechliche: "schon okay", sagte der sozialarbeiter. "sie ist hart im nehmen". ... fragte ich mich, was man tun durfte, wenn man weniger hart im nehmen war. zusammenbrechen? beruhigungsmittel verlangen? schreien?
dies alles scheint unerträglich zu sein und ich denke mit diesen zitaten wird vielleicht der ein oder andere erst recht nicht zu diesem werk greifen. es ist richtig, stellenweise legt man das buch erschüttert zur seite, sucht nach einer pause, nach ablenkung. doch dann will man weiter lesen und noch tage später wirken didions worte noch lange im kopf des lesers nach.

vielleicht hat mich auch einfach die stärke fasziniert, die von dieser frau ausgeht. wie sie es schafft, ihr leid in worte zu fassen. warum haben aber auch so viele junge leute dieses werk gelesen? die antwort ist nicht schwer, weil es sich hierbei außerdem um einen wunderbaren text über die liebe und die ehe handelt. vierzig jahre waren die beiden verheiratet. vierzig jahre haben sie sich respektiert und waren immer füreinander da. vielleicht möchten einige menschen nachvollziehen, wie man solch eine lange zeit gemeinsam und glücklich verbringen kann. gerade in zeiten, in denen ehen schon nach wenigen jahren wieder getrennt werden.

vielleicht ist dies aber auch ein buch für menschen, die anderes leid zu ertragen haben. ein gutes beispiel ist doch sicherlich liebeskummer. man erlaube mir einige dinge in diesem zusammenhang zu vergleichen. denn auch das verlassenwerden, das ende einer beziehung ist eine art verlust. und auch ihr folgt eine phase von trauer und vor allem leid. auch hier mag sich von einem tag auf den anderen einfach alles ändern. man fühlt sich einsam, versucht sein leben ohne den anderen in den griff zu bekommen. doch man schafft es nicht. denkt an zu viele dinge, gemeinsamkeiten die verbunden haben. und plötzlich soll alles vorbei sein? eine seite wird immer von unverständnis gequält sein. warum wurde ich verlassen? es war doch so eine schöne zeit. wir hatten doch noch so vieles geplant.

leid kommt, wenn es eintrifft, in nichts dem gleich, was wir erwarten. was ich jedesmal spürte war traurigkeit, einsamkeit, ein bedauern über die verstrichene zeit, über dinge, die ungesagt blieben, ein bedauern meiner unfähigkeit, den schmerz und die hilflosigkeit.

leid ist anders. leid kennt keinen abstand. leid kommt in wellen, in anfällen, in plötzlichen befürchtungen, die die knie weich machen und den die augen blind und den alltag auslöschen.

ich dachte, wie kleine kinder denken, so, als könnten meine gedanken oder meine wünsche die macht haben, die handlung zurückzuspulen, den schluß zu verändern.

selbst an durchschnittlichen tagen fiel mir unzählige male etwas ein, was ich john dringend sagen musste. dieser impuls hörte nicht auf. was aufhörte, war die möglichkeit eine antwort zu bekommen ... jede seiner antworten konnte nur in meiner vorstellung existieren, von mir verfasst.


einige autoren haben sich in letzter zeit mit dem thema verlust beschäftigt. john banville mit seinem roman "die see" oder aber auch philip roth mit "jedermann". kein werk ist vergleichbar mit diesem, denn hier ist nichts erfunden, die geschichte von joan didion ist das wirkliche leben. und das wurde für diese frau sicherlich noch unerträglicher. denn kurz nach dem erscheinen des buches starb ihre tochter. mehr muss man nicht mehr sagen, dieser gedanke bricht einem fast das herz!

zugegeben, dies ist keine literatur, die erheiternd ist. trotzdem kann ich nur jedem dieses buch empfehlen. ein buch über das trauern über leid und schmerz, aber auch ein wunderbares dokument über die liebe. dieses werk ist mehr als nur empfehlenswert! ganz am ende noch ein auszug aus der rezension von andrea köhler, die, wie ich finde, das ganze sehr treffend zusammenfasst:

"Was geschieht, wenn der andere so sehr Teil des eigenen Lebens geworden ist, dass die meisten Gedanken an ihn adressiert sind? Was geschieht mit den Gewohnheiten, die plötzlich halbiert sind, was mit der intimen Sprache, die nun kein Gehör mehr findet? Was wird aus der Erinnerung, die man nicht mehr teilen kann, wenn der Mensch, der in den meisten Erinnerungen die Hauptperson ist, in den kommenden keine Rolle mehr spielen wird?"

(Bewertung: *****)






nun aber zurück zur "normalen" literatur. leider kann muss ich noch ein wenig beim thema "leid" bleiben, oder vielleicht treffender beim thema "ärger". es geht um unentschlossen von benjamin kunkel. sehr oft konnte ich über diesen roman ungemein positive meinungen lesen. und ich freute mich ungemein, als ich das buch zum geburtstag geschenkt bekam. an dieser stelle nochmal ein großes dankeschön an meine liebe freundin kirsten. hatte sie sich zuletzt den scherz erlaubt mir einen "coelho" zu schenken, wollte sie das ganze sicherlich mit diesem werk wieder gut machen. doch vielleicht hätte ich von paulo coelhos neuestem buch sogar mehr gehabt. ich bin mir sicher, kirsten hat sich, wie hoffentlich nicht viele weitere leser, von den lobeshymnen der medien beim kauf beinflussen lassen. vielleicht auch von dem durchaus ansprechenden cover. leider bleibt die optik in diesem fall der einzige positive kaufgrund. denn dieses buch ist einfach schlecht. viel mehr braucht man darüber nicht zu sagen. es ist zwar lobenswert, dass jungautoren einen gewissen schub bekommen, um bekannt zu werden. leider stellt sich mir in diesem fall die frage, ob es sinnvoll ist. was kunkel hier zu papier bringt ist stellenweise wirklich amüsant, doch letzendlich ist "unentschlossen" ein überaus sinnloses und langweiliges buch. womöglich ist der stil einfach nicht mein fall, womöglich war auch nicht in der stimmung für diese art von schlampig dahingerotzter literatur. mögen alle kritiker diesen quatsch weiter hochpushen, wenn sie nichts anderes zu tun haben, meinetwegen. leider ist es sehr traurig, dass bücher, die wirklich lesenswert und wichtig sind (siehe joan didions werk) von vielen nicht einmal bemerkt werden, während solch schundliteratur mit übertriebenem lob auf die unschuldigen leser losgelassen wird ... (Bewertung: *****)

von ganz anderer qualität ist das glücklicherweise der neue roman von wolf haas: das wetter vor 15 jahren. vollkommen zurecht für den deutschen buchpreis nominiert, besticht dieser text vor allem durch seinen außergewöhnlichen aufbau. denn eigentlich haben wir es hier mit einer ungemein kitschigen und klischeehaften liebesgeschichte zu tun. fast könnte man dabei ein wenig an einen alten heimatfilm denken. doch haas konstruiert das ganze in einer art und weise, die das ganze zu etwas ganz besonderem macht. es handelt sich hierbei nämlich um ein fiktives interview. der autor, in diesem fall wolf haas, wir von einer journalistin über sein neues buch befragt. wir bekommen somit den "eigentlichen" roman nicht zu lesen, wir erfahren nur aus dem interview, was darin geschieht. zu anfangs hatte ich ein wenig angst, das ganze könne doch gar nicht funktionieren. doch es kann. und es geht sogar so weit, dass man stellenweise vergisst, dass es sich hierbei um ein erfundenes gespräch handelt. fast möchte man die lektüre unterbrechen, in die buchhandlung eilen und den "richtigen" roman kaufen, über den hier gerade gesprochen wird.
klingen meine worte ein wenig unverständlich? macht nichts. dieses buch kann man nicht erklären, man muss es einfach lesen. und ich hatte großes vergnügen damit. weil eben dieser trick des autors, die liebesgeschichte zu etwas ungemein besonderem macht, weil haas es sich erlauben kann, all seine klischees wunderbar in das ganze einzubauen ohne dass ihn jemand dafür dumm anmachen kann. nimmt er sich während des interviews doch allzu oft selbst auf den arm. außerdem erfährt man nebenbei bemerkt auch sehr viel über die entstehung und die arbeitsweise an einem roman. jetzt aber schluss, bevor meine sicherlich leicht unverständlichen versuche, diesen text zu erklären dazu führen, dass ihn niemand mehr lesen möchte, denn das wäre mehr als schade! (Bewertung: *****)


der neue bond-film casino royale läuft gerade im kino. wann wäre ein besserer augenblick mal wieder einen roman von ian fleming zu lesen. um ehrlich zu sein, ich sah den film und wollte einfach wissen, was die filmemacher von der ursprünglichen geschichte übernommen haben. natürlich sind einige szenen hinzugefügt, vor allem natürlich high-tech-sequenzen, die heute in keinem aktuellen blockbuster mehr fehlen dürfen. trotzdem, die grundstory, wenngleich auch diese natürlich ein wenig der neuzeit angepasst wurde, ist im großen und ganzen sehr gut umgesetzt. aber dies soll keine filmkritik werden. es geht hier ja schließlich um die romanvorlage. wusste fleming im jahr 1956, dass er eine über jahre dauernde, jedem kind bekannte figur erschaffen hatte? und das der erfolg der geschichten um james bond über jahre hinweg erfolg haben würde? casino royale ist jedenfalls mehr als lesenswert, die geschichte ist durchwegs gut ausgearbeitet und das kartenspiel, welches einen großteil der handlung einnimmt, an spannung kaum zu überbieten.
ich fand vor allem auch die stimmung des romans sehr interessant. man fühlt sich einfach in eine vollkommen andere zeit zurückversetzt. und wir erleben einen bond, fernab von all dem überflüssigen high-tech spielzeug. man denke nur an die letzte verfilmung. hätte ian fleming seinem helden wirklich ein auto zugedacht, welches unsichtbar werden kann? ich denke, mit gimmicks wie diesem, haben die filmemacher mehr als übertrieben. der film war wohl einer der schlechtesten der reihe. wie gut, dass man sich von nun an wieder an den wurzeln zu orientieren versucht. aber das waren schon wieder gedanken zum film.
wie gesagt, ich kann jedem, der gerne spannende unterhaltungsliteratur liest, diesen fabelhaften roman an herz legen. und mich sehe ich morgen schon den dachboden durchstöbern, auf der suche nach meinen bond büchern. ich kann mich noch gut erinnern, als jugendlicher ein paar dieser romane gelesen zu haben. wo hab ich die bücher nur versteckt?
(Bewertung: *****)






mit einem ganz und gar außergewöhnlichen buch haben wir es mit albert sanchez pinol's "im rausch der stille" zu tun. ich muss gestehen, ich bin mir nicht sicher, was ich von diesem werk halten soll. letztendlich gibt es verschiede arten dieses buch zu lesen. vorrangig ist dies natürlich eine art abenteuerroman. ein junger, namenloser ire, kommt auf eine insel. er soll hier als wetterbeobachter arbeiten. die insel ist mehr als überschaubar. einzig und allein seine hütte wie auch ein leuchtturm ist vorhanden. der ich-erzähler versucht mit seinem einzigen mitbewohner, dem leuchtturmwärter kontakt aufzunehmen, doch dieser verhält sich mehr als abweisend. die anfängliche idylle nimmt ein jähes ende, als schon in der ersten nacht kreaturen aus dem meer die insel angreifen. mit viel glück gelingt es ihm aber den angriff abzuwehren und zu überleben. schon kurz darauf entdeckt der held, dass sein mitbewohner scheinbar eine dieser kreaturen bei sich versteckt hat ...

der rest des buches beschäftigt sich vorrangig mit dem überlebenskampf der beiden inselbewohner. jede nacht werden sie von den "monstern" angegriffen, von tag zu tag scheint das scheitern ein klein wenig näher zu rücken.
wie schon erwähnt kann man in diesem roman so einiges mehr herauslesen als nur die oberflächliche abenteuer-, bzw. horrorgeschichte. zum einen versucht der autor sicherlich zu kritisieren, dass wir menschen kein recht haben, land, welches uns nicht gehört, für uns zu beanspruchen. dann geht es natürlich um den gedanken, fremden wesen gegenüber voreingenommen zu sein, sie ersteinmal zu bekämpfen ohne ihre beweggründe zu ergründen.

letztendlich ist dies aber auch eine liebesgeschichte. denn der protagonist lernt im laufe der zeit dieses fremde, für ihn zu anfangs unscheinbare wesen zu akzeptieren und gar zu lieben. auch dies ist wunderbar nachvollziehbar. manche menschen erscheinen uns auf den ersten blick vollkommen unsichtbar, erst nach einiger zeit erkennen wir, wie hübsch und begehrenswert sie doch eigentlich sind. hinterher ist es uns schier unbegreiflich, dass uns diese person nicht schon viel früher auffallen konnte.

nicht zu vergessen ist außerdem die fantastische sprache von pinol. scheint das ganz zwar auf den ersten blick mit einer ungemeinen ruhe erzählt zu werden, zieht uns der autor mit einer art sog durch die geschichte, so dass man das buch erst nach der letzten seite weglegen kann. natürlich muss man sich auf die art und weise einlassen, in der uns der autor seine beweggründe schildern möchte. nicht jeder kann sich damit abfinden, dass hier fremde, froschähnliche wesen eine große hauptrolle spielen. eines würde mich letztendlich doch noch interessieren, wie der verlag auf den absolut unsinnigen deutschen titel "im rausch der stille" gekommen ist. warum konnte man das buch nicht einfach mit dem durchaus schlüssigem "die kalte haut" übersetzen? schade eigentlich. trotzdem, dies ist ein sehr kurzweiliger roman, über den man auch nach dem lesen noch viel nachdenken kann.
(Bewertung: *****)


die geschichte von zadie smith's drittem roman von der schönheit ist nicht leicht zu erzählen. ich will es trotzdem versuchen. letztendlich handelt er von zwei unterschiedlichen familien. eine lebt in london, die andere in amerika. die beiden familienväter haben den selben beruf, sie sind professoren für kunstgeschichte und beschäftigen sich vorrangig mit rembrandt. monty kipps, der engländer hat bereits ein buch veröffentlicht, was howard belsey schon seit jahren nicht auf die reihe bekommt. seitdem sieht er in kipps seinen stärksten konkurenten, ja man könnte fast sagen einen feind.
die geschichte beginnt nun damit, dass belseys sohn jerome einen aushilfsjob, gerade bei diesen kipps bekommt und sich dummerweise auch noch in die tochter des hauses verliebt. man spricht von heirat, für jerome ist es die große liebe, doch wie es eben so ist, er wird schwer enttäuscht, victoria hat nur mit ihm gespielt. dies weiss howard allerdings noch nicht, als er überstürzt nach england reist um seinen sohn vor einem fehler zu bewahren. dass er sich mit dieser aktion unglaublich lächerlich macht, braucht man wohl kaum zu erwähnen.
die situation hat aber noch lange nicht ihren höhepunkt erreicht, denn einige monate später bekommt monty kipps auch noch eine stelle, wie sollte es anders sein, an howards amerikanischer universität.

um ehrlich zu sein, klingt das ganze schon reichlich an den haaren herbeigezogen. mag sein, aber zadie smith schafft es glücklicherweise, diese geschichte eben nicht in klischees abdriften zu lassen. das ganze ist überaus klug insziniert und gerade aufgrund der stellenweise fabelhaften dialoge ungemein unterhaltsam zu lesen. das gerade von mir erzählte ist nur ein kleiner teil der handlung, es kommen noch so viele dinge hinzu, die man allerdings selber entdecken sollte. was mich außerdem an der autorin schwer beeindruckt hat ist ihre fähigkeit sich in perfekt in die unterschiedlichen personen hineinzuversetzen. so ist das denken und handlen des jungen sohnes genauso nachvollziehbar wie das der mutter oder des vaters. so etwas zu schaffen ist sicherlich eine große kunst und ich freue mich sehr auf den nächsten roman dieser wunderbaren autorin.
(Bewertung: *****)







ähnlich wie joan didion versucht auch die schrifstellerin friederike mayröcker durch das schreiben über den tod ihres lebensgefährten hinwegzukommen. sie hat unzählige gedanken auf notizzettel geschrieben, diese dann durcheinandergeworfen und so ist das buch und ich schüttelte einen liebling entstanden. zugegeben, dies ist keine leicht lesbare kost. trotzdem zieht einen die autorin mit ihren gedanken immer wieder in ihren bann und man schafft es letztendlich doch nicht, das buch ungelesen ins regal zu stellen. zugegeben, man sollte in der stimmung sein, sollte sich auf diese ungewöhnliche schreibweise, grammatik und interpunktion einlassen. auch ich konnte das buch nicht am stück lesen. doch ab und zu überraschte ich mich dabei, es wieder zur hand zu nehmen um ein paar weitere seiten zu lesen. sagen wir es so, es ist sehr interessant, welch außergewöhnliche mittel sich mayröcker zur hilfe nimmt. dies ist kein flüssig heruntergeschriebener roman, trotzdem ein lesenswertes buch.
(Bewertung: *****)

mayröcker hat im laufe ihres lebens außerdem unzählige gedichte verfasst. der suhrkamp verlag hat diese im zuletzt in einem band veröffentlicht. bisher konnte ich mich allerdings nicht dazu durchringen, mir dieses nicht gerade billige buch zu kaufen. eine alternative bietet allerdings der kleine sammelband liebesgedichte, der mit nur 5 euro sicherlich eine preisgünstige alternative ist, sich dem werk von friederike mayröcker zu nähern. auch in ihren gedichten widmet sie sich vorrangig ihres geliebten ernst jandel. ich bin kein sonderlich großer fan von lyrik, trotzdem, liest man einen text wie ...

trinken kann ich dich nicht
und möchte ich dich doch austrinken mit meinem mund
weil mich so dürstet nach dir

suchen kann ich dich nicht
und möchte doch fliegen über die ganze erde
dasz ich bei dir bin

betten kann ich dich nicht
und möchte doch schlafen in schnee und wind
dasz mein lager frei sei für dich

träumen kann ich dich nicht
und möchte doch träumen am hellen tag
dasz ich dich wieder sehe.


... so kann man schon in den wenigen zeilen das talent dieser schriftstellerin erahnen. und ist am ende mehr als enttäuscht und neidisch, dass man selbst nicht in dieser form seine gefühle zum ausdruck bringen kann.
(Bewertung: *****)





ein gänzlich andere art von kunst ist das skizzenbuch unterwegs. es handelt sich hierbei um eine sammlung von skizzen und zeichnungen, die bekannte musiker der rock- und indie-szene während ihrer reisen angefertig haben. quasi eine art tourtagebuch der anderen art.
um nur einige mitwirkende zu nennen, hier berichten mitglieder von solch genialen bands wie coldplay, keane, oasis, kaiser chiefs, the hives, snow patrol, franz ferdinand, feeder, muse, adam green. natürlich gibt einem dieses buch noch mehr, wenn man auch mit der musik dieser künstler etwas anfangen kann. ich war stellenweise mehr als überrascht, wie kreativ so mancher von ihnen sein kann. gut, einiges könnte man schlichtweg als kindische kritzelei betrachten, doch andere zeichnungen sind wirklich sehr sehr gut. vervollständigt wird diese sammlung durch interessante geschichten zu den bildern und einer beschreibung der einzelnen bands. somit ist dies nicht nur ein wunderbares werk für alle musikliebhaber, auch kunstfreunde werden sicher etwas damit anfangen können. mehr davon!
(Bewertung: *****)


james joyce's ulysses zählt wohl zu den bekanntesten büchern unserer zeit. jeder kennt es, wenige haben es gelesen. ich gehöre auch dazu. ich weiß auch nicht, ob ich mich jemals die muse finde, diese tausend seiten zu überwinden. denn schon nach ein paar seiten wird einem bewusst, dies ist literatur, die nicht in die kategorie "schnell mal vor dem einschlafen ein paar seiten" eingeordet werden kann. trotzdem sollte man meiner meinung nach diesen roman im regal haben. und optisch brillante neuauflage des suhrkamp verlages bietet jetzt wieder einmal die gelegenheit zuzuschlagen. sollte ich es wirklich irgendwann einmal geschafft haben, "ulysses" gelesen zu haben, ich werde sicherlich sofort hier berichten.


es ist bald weihnachten, vielleicht sind einige noch auf der suche nach einem passenden geschenk. wie wäre es mit einem buch. nun gut, nicht zu einfach, jemanden der viel liest noch eine außergewöhliche freude zu machen. somit an dieser stelle ein vorschlag. der von mir mehr als geliebte manesse-verlag hat eine wundervolle neuausgabe von jonathan swifts klassiker gullivers reisen herausgebracht. im format 19 x 29 cm, perfektes papier, fadenheftung, leinen, das ganze im schuber und mit grafiken von anton christian verschönert, machen dieses buch zu etwas ganz besonderem im bücherregal. zugegeben, das ganze in diesem format entspannt auf dem sofa zu lesen, wird ein wenig schwer sein. dann sollte man lieber auf die taschenbuchausgabe zurückgreifen. leider käme man dann nicht in den genuß der neuübersetzung von christa schuenke. aber ganz egal, ob man das buch lesen wird, es ist eines von denen, die man einfach besitzen muss!



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