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BÜCHER
DEZEMBER 06
EIN EINZIGER MENSCH FEHLT DIR, UND DIE GANZE
WELT IST LEER.
dieses zitat hat mich wohl am meisten berüht in diesem ganz und
gar außergewöhnlichen buch der amerikanischen journalistin
und autorin joan
didion. das
jahr magischen denkens hat sie ihr werk benannt und es ist eine
autobiografische auseinandersetzung über dem verlust ihres mannes
john dunne.
ein trauerbuch also. wahrscheinlich stellen sich an dieser stelle schon
viele die frage: "warum sollte ich das lesen?" vielleicht
gerade jüngere menschen werden denken, warum soll ich mich mit
einem thema beschäftigen, welches noch in weiter ferne liegt. vielleicht
sehen viele tod und trauer als eine art tabuthema an. man will schlichtweg
nicht damit konfrontiert werden. als ich einigen freunden dieses buch
empfohlen habe, konnte ich sofort erkennen, dass sie es nicht lesen
werden. ich werde weiter versuchen ihnen dieses meisterwerk nahezulegen,
denn hierbei handelt es sich unbestritten um eines der wichtigsten bücher
der letzten zeit.
"das leben ändert sich schnell. das leben ändert sich
in einem augenblick. man setzt sich zum abendessen, und das leben, das
man kennt, hört auf."
mit diesen zeilen beginnt didions buch. und man kann sie natürlich
auf so vieles im leben umsetzen. von einem augenblick auf den anderen
ist nichts mehr so wie es war. meist denken wir dabei nicht vorranging
an die glücklichen moment im leben, nein eher an etwas negatives.
gerade noch scheint die sonne und schon stehen wir im regen. aber auch
vollkommen alltägliche dinge ändern sich. der sommer ist vorbei,
mit einem schlag ist es draußen kalt. jeder von uns kann solche
momente nachvollziehen.
dabei kommt mir eine zeile aus einem lied von nelly furtado in den sinn:
"flames to dust / lovers to friends / why do all good things
come to an end". gerade war noch alles in ordnung, doch über
nacht verändert sich schlichtweg alles. und meist ist es leider
so, dass man sich die frage stellt, warum denn alle guten dinge irgendwann
zu ende gehen ...
einem schlag ins gesicht gleichzusetzen verlieren wir menschen, die
uns doch so viel bedeutet haben. und dabei müssen sie nicht einmal
sterben, nein es genügt beispielsweise schon das verlassenwerden
und schon ändert sich alles, man ist nicht mehr der mensch, der
man einmal war ... man stellt sich fragen nach dem warum, kurz gesagt
man leidet.
auch die autorin leidet. weil sie ihren mann verliert. von einer minute
auf die andere. zu der zeit, an dem das schreckliche geschieht, liegt
die tochter von joan und john im krankenhaus. sie ist schwer krank,
es ist zu diesem zeitpunkt nicht sicher, ob sie sich erholen wird. die
beiden kommen gerade von ihr, versuchen in der wohnung wieder dem alltag
nachzugehen. das leben muss weiter gehen, mag auch noch so schmerz und
angst in den gedanken verweilen. ein feuer wird angemacht (für
beide ein zeichen, zu hause zu sein, geborgen), joan didion bereitet
das essen zu, ihr mann liest, trinkt einen scotch, die beiden sprechen
miteinander und plötzlich, eine antwort bleibt aus, der mann stirbt.
von nun an beginnt für die autorin "das jahr magischen denkens".
ich musste an "naokos lächeln" von haruki murakami denken.
hier berichtet der ich-erzähler, er müsse ein buch schreiben.
vielleicht sei das schreiben für ihn der einzige weg um zu begreifen.
kluge, nachvollziehbare worte. ich kann mir sehr gut vorstellen, dass
didion zu beginn keine sekunde daran gedacht hat, über das schreckliche
ereignis zu erzählen. doch irgendwann tut sie es und legt uns diesen
unglaublichen bericht vor. was wir von nun an zu lesen bekommen ist
schwer zu ertragen. und trotzdem erscheint und das ganze fast wie ein
sog, dem wir uns nicht entziehen können. denn zu beginn scheint
ihr text so unglaublich fern und kalt zu sein. als würde ein außenstehender
die ereignisse erzählen. ohne jegliche gefühle mit der nötigen
distanz. aber ich denke gerade diese konstruktion des buches macht es
noch faszinierender. zwar hat man den eindruck, didion spult das ganze
wie einen tatsachenbericht herunter, doch immer wieder sind da ganz
kleine andeutungen, die uns ganz genau zeigen, was diese frau gerade
durch macht, dass sie sich am rande des wahnsinns befindet und vielleicht
am liebsten selbst diese welt verlassen möchte. doch das kann sie
nicht, denn sie braucht die kraft (die sie ja eigentlich gar nicht mehr
hat) in diesen momenten für ihre tochter. sie muss für sie
da sein ...

nach einigen gescheiterten wiederbelebungsversuchen erfährt joan
didon von einem arzt und sozialarbeiter das unausprechliche: "schon
okay", sagte der sozialarbeiter. "sie ist hart im nehmen".
... fragte ich mich, was man tun durfte, wenn man weniger hart im nehmen
war. zusammenbrechen? beruhigungsmittel verlangen? schreien?
dies alles scheint unerträglich zu sein und ich denke mit diesen
zitaten wird vielleicht der ein oder andere erst recht nicht zu diesem
werk greifen. es ist richtig, stellenweise legt man das buch erschüttert
zur seite, sucht nach einer pause, nach ablenkung. doch dann will man
weiter lesen und noch tage später wirken didions worte noch lange
im kopf des lesers nach.
vielleicht hat mich auch einfach die stärke fasziniert, die von
dieser frau ausgeht. wie sie es schafft, ihr leid in worte zu fassen.
warum haben aber auch so viele junge leute dieses werk gelesen? die
antwort ist nicht schwer, weil es sich hierbei außerdem um einen
wunderbaren text über die liebe und die ehe handelt. vierzig jahre
waren die beiden verheiratet. vierzig jahre haben sie sich respektiert
und waren immer füreinander da. vielleicht möchten einige
menschen nachvollziehen, wie man solch eine lange zeit gemeinsam und
glücklich verbringen kann. gerade in zeiten, in denen ehen schon
nach wenigen jahren wieder getrennt werden.
vielleicht ist dies aber auch ein buch für menschen, die anderes
leid zu ertragen haben. ein gutes beispiel ist doch sicherlich liebeskummer.
man erlaube mir einige dinge in diesem zusammenhang zu vergleichen.
denn auch das verlassenwerden, das ende einer beziehung ist eine art
verlust. und auch ihr folgt eine phase von trauer und vor allem leid.
auch hier mag sich von einem tag auf den anderen einfach alles ändern.
man fühlt sich einsam, versucht sein leben ohne den anderen in
den griff zu bekommen. doch man schafft es nicht. denkt an zu viele
dinge, gemeinsamkeiten die verbunden haben. und plötzlich soll
alles vorbei sein? eine seite wird immer von unverständnis gequält
sein. warum wurde ich verlassen? es war doch so eine schöne zeit.
wir hatten doch noch so vieles geplant.
leid kommt, wenn es eintrifft, in nichts dem gleich,
was wir erwarten. was ich jedesmal spürte war traurigkeit, einsamkeit,
ein bedauern über die verstrichene zeit, über dinge, die ungesagt
blieben, ein bedauern meiner unfähigkeit, den schmerz und die hilflosigkeit.
leid ist anders. leid kennt keinen abstand. leid kommt in wellen, in
anfällen, in plötzlichen befürchtungen, die die knie
weich machen und den die augen blind und den alltag auslöschen.
ich dachte, wie kleine kinder denken, so, als könnten meine gedanken
oder meine wünsche die macht haben, die handlung zurückzuspulen,
den schluß zu verändern.
selbst an durchschnittlichen tagen fiel mir unzählige male etwas
ein, was ich john dringend sagen musste. dieser impuls hörte nicht
auf. was aufhörte, war die möglichkeit eine antwort zu bekommen
... jede seiner antworten konnte nur in meiner vorstellung existieren,
von mir verfasst.
einige autoren haben sich in letzter zeit mit dem thema verlust beschäftigt.
john banville mit seinem roman "die see" oder aber auch philip
roth mit "jedermann". kein werk ist vergleichbar mit diesem,
denn hier ist nichts erfunden, die geschichte von joan didion ist das
wirkliche leben. und das wurde für diese frau sicherlich noch unerträglicher.
denn kurz nach dem erscheinen des buches starb ihre tochter. mehr muss
man nicht mehr sagen, dieser gedanke bricht einem fast das herz!
zugegeben, dies ist keine literatur, die erheiternd ist. trotzdem kann
ich nur jedem dieses buch empfehlen. ein buch über das trauern
über leid und schmerz, aber auch ein wunderbares dokument über
die liebe. dieses werk ist mehr als nur empfehlenswert! ganz am ende
noch ein auszug aus der rezension von andrea köhler, die, wie ich
finde, das ganze sehr treffend zusammenfasst:
"Was geschieht, wenn der andere so sehr
Teil des eigenen Lebens geworden ist, dass die meisten Gedanken an ihn
adressiert sind? Was geschieht mit den Gewohnheiten, die plötzlich halbiert
sind, was mit der intimen Sprache, die nun kein Gehör mehr findet? Was
wird aus der Erinnerung, die man nicht mehr teilen kann, wenn der Mensch,
der in den meisten Erinnerungen die Hauptperson ist, in den kommenden
keine Rolle mehr spielen wird?"
(Bewertung: *****)

nun aber zurück zur "normalen" literatur. leider kann
muss ich noch ein wenig beim thema "leid" bleiben, oder vielleicht
treffender beim thema "ärger". es geht um
unentschlossen von benjamin kunkel. sehr oft konnte ich über
diesen roman ungemein positive meinungen lesen. und ich freute mich
ungemein, als ich das buch zum geburtstag geschenkt bekam. an dieser
stelle nochmal ein großes dankeschön an meine liebe freundin
kirsten. hatte sie sich zuletzt den scherz erlaubt mir einen "coelho"
zu schenken, wollte sie das ganze sicherlich mit diesem werk wieder
gut machen. doch vielleicht hätte ich von paulo coelhos neuestem
buch sogar mehr gehabt. ich bin mir sicher, kirsten hat sich, wie hoffentlich
nicht viele weitere leser, von den lobeshymnen der medien beim kauf
beinflussen lassen. vielleicht auch von dem durchaus ansprechenden cover.
leider bleibt die optik in diesem fall der einzige positive kaufgrund.
denn dieses buch ist einfach schlecht. viel mehr braucht man darüber
nicht zu sagen. es ist zwar lobenswert, dass jungautoren einen gewissen
schub bekommen, um bekannt zu werden. leider stellt sich mir in diesem
fall die frage, ob es sinnvoll ist. was kunkel hier zu papier bringt
ist stellenweise wirklich amüsant, doch letzendlich ist "unentschlossen"
ein überaus sinnloses und langweiliges buch. womöglich ist
der stil einfach nicht mein fall, womöglich war auch nicht in der
stimmung für diese art von schlampig dahingerotzter literatur.
mögen alle kritiker diesen quatsch weiter hochpushen, wenn sie
nichts anderes zu tun haben, meinetwegen. leider ist es sehr traurig,
dass bücher, die wirklich lesenswert und wichtig sind (siehe joan
didions werk) von vielen nicht einmal bemerkt werden, während solch
schundliteratur mit übertriebenem lob auf die unschuldigen leser
losgelassen wird ... (Bewertung: *****)
von ganz anderer qualität ist das glücklicherweise der neue
roman von wolf
haas: das wetter vor 15 jahren. vollkommen zurecht für
den deutschen buchpreis nominiert, besticht dieser text vor allem durch
seinen außergewöhnlichen aufbau. denn eigentlich haben wir
es hier mit einer ungemein kitschigen und klischeehaften liebesgeschichte
zu tun. fast könnte man dabei ein wenig an einen alten heimatfilm
denken. doch haas konstruiert das ganze in einer art und weise, die
das ganze zu etwas ganz besonderem macht. es handelt sich hierbei nämlich
um ein fiktives interview. der autor, in diesem fall wolf haas, wir
von einer journalistin über sein neues buch befragt. wir bekommen
somit den "eigentlichen" roman nicht zu lesen, wir erfahren
nur aus dem interview, was darin geschieht. zu anfangs hatte ich ein
wenig angst, das ganze könne doch gar nicht funktionieren. doch
es kann. und es geht sogar so weit, dass man stellenweise vergisst,
dass es sich hierbei um ein erfundenes gespräch handelt. fast möchte
man die lektüre unterbrechen, in die buchhandlung eilen und den
"richtigen" roman kaufen, über den hier gerade gesprochen
wird.
klingen meine worte ein wenig unverständlich? macht nichts. dieses
buch kann man nicht erklären, man muss es einfach lesen. und ich
hatte großes vergnügen damit. weil eben dieser trick des
autors, die liebesgeschichte zu etwas ungemein besonderem macht, weil
haas es sich erlauben kann, all seine klischees wunderbar in das ganze
einzubauen ohne dass ihn jemand dafür dumm anmachen kann. nimmt
er sich während des interviews doch allzu oft selbst auf den arm.
außerdem erfährt man nebenbei bemerkt auch sehr viel über
die entstehung und die arbeitsweise an einem roman. jetzt aber schluss,
bevor meine sicherlich leicht unverständlichen versuche, diesen
text zu erklären dazu führen, dass ihn niemand mehr lesen
möchte, denn das wäre mehr als schade! (Bewertung: *****)
der
neue bond-film casino
royale läuft gerade im kino. wann wäre ein besserer
augenblick mal wieder einen roman von
ian fleming zu lesen. um ehrlich zu sein, ich sah den film und
wollte einfach wissen, was die filmemacher von der ursprünglichen
geschichte übernommen haben. natürlich sind einige szenen
hinzugefügt, vor allem natürlich high-tech-sequenzen, die
heute in keinem aktuellen blockbuster mehr fehlen dürfen. trotzdem,
die grundstory, wenngleich auch diese natürlich ein wenig der neuzeit
angepasst wurde, ist im großen und ganzen sehr gut umgesetzt.
aber dies soll keine filmkritik werden. es geht hier ja schließlich
um die romanvorlage. wusste fleming im jahr 1956, dass er eine über
jahre dauernde, jedem kind bekannte figur erschaffen hatte? und das
der erfolg der geschichten um james bond über jahre hinweg erfolg
haben würde? casino royale ist jedenfalls mehr als lesenswert,
die geschichte ist durchwegs gut ausgearbeitet und das kartenspiel,
welches einen großteil der handlung einnimmt, an spannung kaum
zu überbieten.
ich fand vor allem auch die stimmung des romans sehr interessant. man
fühlt sich einfach in eine vollkommen andere zeit zurückversetzt.
und wir erleben einen bond, fernab von all dem überflüssigen
high-tech spielzeug. man denke nur an die letzte verfilmung. hätte
ian fleming seinem helden wirklich ein auto zugedacht, welches unsichtbar
werden kann? ich denke, mit gimmicks wie diesem, haben die filmemacher
mehr als übertrieben. der film war wohl einer der schlechtesten
der reihe. wie gut, dass man sich von nun an wieder an den wurzeln zu
orientieren versucht. aber das waren schon wieder gedanken zum film.
wie gesagt, ich kann jedem, der gerne spannende unterhaltungsliteratur
liest, diesen fabelhaften roman an herz legen. und mich sehe ich morgen
schon den dachboden durchstöbern, auf der suche nach meinen bond
büchern. ich kann mich noch gut erinnern, als jugendlicher ein
paar dieser romane gelesen zu haben. wo hab ich die bücher nur
versteckt?
(Bewertung:
*****)

mit
einem ganz und gar außergewöhnlichen buch haben wir es mit albert
sanchez pinol's "im rausch der stille" zu tun. ich muss gestehen,
ich bin mir nicht sicher, was ich von diesem werk halten soll. letztendlich
gibt es verschiede arten dieses buch zu lesen. vorrangig ist dies natürlich
eine art abenteuerroman. ein junger, namenloser ire, kommt auf eine
insel. er soll hier als wetterbeobachter arbeiten. die insel ist mehr
als überschaubar. einzig und allein seine hütte wie auch ein leuchtturm
ist vorhanden. der ich-erzähler versucht mit seinem einzigen mitbewohner,
dem leuchtturmwärter kontakt aufzunehmen, doch dieser verhält sich mehr
als abweisend. die anfängliche idylle nimmt ein jähes ende, als schon
in der ersten nacht kreaturen aus dem meer die insel angreifen. mit
viel glück gelingt es ihm aber den angriff abzuwehren und zu überleben.
schon kurz darauf entdeckt der held, dass sein mitbewohner scheinbar
eine dieser kreaturen bei sich versteckt hat ...
der rest des buches beschäftigt sich vorrangig mit dem überlebenskampf
der beiden inselbewohner. jede nacht werden sie von den "monstern" angegriffen,
von tag zu tag scheint das scheitern ein klein wenig näher zu rücken.
wie schon erwähnt kann man in diesem roman so einiges mehr herauslesen
als nur die oberflächliche abenteuer-, bzw. horrorgeschichte. zum einen
versucht der autor sicherlich zu kritisieren, dass wir menschen kein
recht haben, land, welches uns nicht gehört, für uns zu beanspruchen.
dann geht es natürlich um den gedanken, fremden wesen gegenüber voreingenommen
zu sein, sie ersteinmal zu bekämpfen ohne ihre beweggründe zu ergründen.
letztendlich ist dies aber auch eine liebesgeschichte. denn der protagonist
lernt im laufe der zeit dieses fremde, für ihn zu anfangs unscheinbare
wesen zu akzeptieren und gar zu lieben. auch dies ist wunderbar nachvollziehbar.
manche menschen erscheinen uns auf den ersten blick vollkommen unsichtbar,
erst nach einiger zeit erkennen wir, wie hübsch und begehrenswert sie
doch eigentlich sind. hinterher ist es uns schier unbegreiflich, dass
uns diese person nicht schon viel früher auffallen konnte.
nicht zu vergessen ist außerdem die fantastische sprache von pinol.
scheint das ganz zwar auf den ersten blick mit einer ungemeinen ruhe
erzählt zu werden, zieht uns der autor mit einer art sog durch die geschichte,
so dass man das buch erst nach der letzten seite weglegen kann. natürlich
muss man sich auf die art und weise einlassen, in der uns der autor
seine beweggründe schildern möchte. nicht jeder kann sich damit abfinden,
dass hier fremde, froschähnliche wesen eine große hauptrolle spielen.
eines würde mich letztendlich doch noch interessieren, wie der verlag
auf den absolut unsinnigen deutschen titel "im rausch der stille" gekommen
ist. warum konnte man das buch nicht einfach mit dem durchaus schlüssigem
"die kalte haut" übersetzen? schade eigentlich. trotzdem, dies ist ein
sehr kurzweiliger roman, über den man auch nach dem lesen noch
viel nachdenken kann. (Bewertung:
*****)
die geschichte von zadie
smith's drittem roman von
der schönheit ist nicht leicht zu erzählen. ich will es trotzdem
versuchen. letztendlich handelt er von zwei unterschiedlichen familien.
eine lebt in london, die andere in amerika. die beiden familienväter
haben den selben beruf, sie sind professoren für kunstgeschichte und
beschäftigen sich vorrangig mit rembrandt. monty kipps, der engländer
hat bereits ein buch veröffentlicht, was howard belsey schon seit jahren
nicht auf die reihe bekommt. seitdem sieht er in kipps seinen stärksten
konkurenten, ja man könnte fast sagen einen feind.
die geschichte beginnt nun damit, dass belseys sohn jerome einen aushilfsjob,
gerade bei diesen kipps bekommt und sich dummerweise auch noch in die
tochter des hauses verliebt. man spricht von heirat, für jerome ist
es die große liebe, doch wie es eben so ist, er wird schwer enttäuscht,
victoria hat nur mit ihm gespielt. dies weiss howard allerdings noch
nicht, als er überstürzt nach england reist um seinen sohn vor einem
fehler zu bewahren. dass er sich mit dieser aktion unglaublich lächerlich
macht, braucht man wohl kaum zu erwähnen.
die situation hat aber noch lange nicht ihren höhepunkt erreicht, denn
einige monate später bekommt monty kipps auch noch eine stelle, wie
sollte es anders sein, an howards amerikanischer universität.
um ehrlich zu sein, klingt das ganze schon reichlich an den haaren herbeigezogen.
mag sein, aber zadie smith schafft es glücklicherweise, diese geschichte
eben nicht in klischees abdriften zu lassen. das ganze ist überaus klug
insziniert und gerade aufgrund der stellenweise fabelhaften dialoge
ungemein unterhaltsam zu lesen. das gerade von mir erzählte ist nur
ein kleiner teil der handlung, es kommen noch so viele dinge hinzu,
die man allerdings selber entdecken sollte. was mich außerdem an der
autorin schwer beeindruckt hat ist ihre fähigkeit sich in perfekt in
die unterschiedlichen personen hineinzuversetzen. so ist das denken
und handlen des jungen sohnes genauso nachvollziehbar wie das der mutter
oder des vaters. so etwas zu schaffen ist sicherlich eine große kunst
und ich freue mich sehr auf den nächsten roman dieser wunderbaren autorin.
(Bewertung:
*****)

ähnlich wie joan didion versucht auch die schrifstellerin friederike
mayröcker durch das schreiben über den tod ihres lebensgefährten
hinwegzukommen. sie hat unzählige gedanken auf notizzettel geschrieben,
diese dann durcheinandergeworfen und so ist das buch und
ich schüttelte einen liebling entstanden. zugegeben, dies ist
keine leicht lesbare kost. trotzdem zieht einen die autorin mit ihren
gedanken immer wieder in ihren bann und man schafft es letztendlich
doch nicht, das buch ungelesen ins regal zu stellen. zugegeben, man
sollte in der stimmung sein, sollte sich auf diese ungewöhnliche schreibweise,
grammatik und interpunktion einlassen. auch ich konnte das buch nicht
am stück lesen. doch ab und zu überraschte ich mich dabei, es wieder
zur hand zu nehmen um ein paar weitere seiten zu lesen. sagen wir es
so, es ist sehr interessant, welch außergewöhnliche mittel sich mayröcker
zur hilfe nimmt. dies ist kein flüssig heruntergeschriebener roman,
trotzdem ein lesenswertes buch. (Bewertung:
*****)
mayröcker hat im laufe ihres lebens außerdem unzählige gedichte verfasst.
der suhrkamp verlag hat diese im zuletzt in einem band veröffentlicht.
bisher konnte ich mich allerdings nicht dazu durchringen, mir dieses
nicht gerade billige buch zu kaufen. eine alternative bietet allerdings
der kleine sammelband liebesgedichte,
der mit nur 5 euro sicherlich eine preisgünstige alternative ist, sich
dem werk von friederike mayröcker zu nähern. auch in ihren gedichten
widmet sie sich vorrangig ihres geliebten ernst jandel. ich bin kein
sonderlich großer fan von lyrik, trotzdem, liest man einen text wie
...
trinken kann ich dich nicht
und möchte ich dich doch austrinken mit meinem mund
weil mich so dürstet nach dir
suchen kann ich dich nicht
und möchte doch fliegen über die ganze erde
dasz ich bei dir bin
betten kann ich dich nicht
und möchte doch schlafen in schnee und wind
dasz mein lager frei sei für dich
träumen kann ich dich nicht
und möchte doch träumen am hellen tag
dasz ich dich wieder sehe.
... so kann man schon in den wenigen zeilen das talent dieser schriftstellerin
erahnen. und ist am ende mehr als enttäuscht und neidisch, dass man
selbst nicht in dieser form seine gefühle zum ausdruck bringen kann.
(Bewertung:
*****)

ein gänzlich andere art von kunst ist das skizzenbuch
unterwegs. es handelt sich hierbei um eine sammlung von skizzen
und zeichnungen, die bekannte musiker der rock- und indie-szene während
ihrer reisen angefertig haben. quasi eine art tourtagebuch der anderen
art.
um nur einige mitwirkende zu nennen, hier berichten mitglieder von solch
genialen bands wie coldplay, keane, oasis, kaiser chiefs, the hives,
snow patrol, franz ferdinand, feeder, muse, adam green. natürlich gibt
einem dieses buch noch mehr, wenn man auch mit der musik dieser künstler
etwas anfangen kann. ich war stellenweise mehr als überrascht, wie kreativ
so mancher von ihnen sein kann. gut, einiges könnte man schlichtweg
als kindische kritzelei betrachten, doch andere zeichnungen sind wirklich
sehr sehr gut. vervollständigt wird diese sammlung durch interessante
geschichten zu den bildern und einer beschreibung der einzelnen bands.
somit ist dies nicht nur ein wunderbares werk für alle musikliebhaber,
auch kunstfreunde werden sicher etwas damit anfangen können. mehr davon!
(Bewertung:
*****)
james
joyce's ulysses zählt wohl zu den bekanntesten büchern unserer
zeit. jeder kennt es, wenige haben es gelesen. ich gehöre auch dazu.
ich weiß auch nicht, ob ich mich jemals die muse finde, diese tausend
seiten zu überwinden. denn schon nach ein paar seiten wird einem bewusst,
dies ist literatur, die nicht in die kategorie "schnell mal vor dem
einschlafen ein paar seiten" eingeordet werden kann. trotzdem sollte
man meiner meinung nach diesen roman im regal haben. und optisch brillante
neuauflage des suhrkamp verlages bietet jetzt wieder einmal die gelegenheit
zuzuschlagen. sollte ich es wirklich irgendwann einmal geschafft haben,
"ulysses" gelesen zu haben, ich werde sicherlich sofort hier berichten.
es ist bald weihnachten, vielleicht sind einige noch auf der suche nach
einem passenden geschenk. wie wäre es mit einem buch. nun gut, nicht
zu einfach, jemanden der viel liest noch eine außergewöhliche freude
zu machen. somit an dieser stelle ein vorschlag. der von mir mehr als
geliebte manesse-verlag
hat eine wundervolle neuausgabe von jonathan
swifts klassiker gullivers
reisen herausgebracht. im format 19 x 29 cm, perfektes papier,
fadenheftung, leinen, das ganze im schuber und mit grafiken von anton
christian verschönert, machen dieses buch zu etwas ganz besonderem im
bücherregal. zugegeben, das ganze in diesem format entspannt auf dem
sofa zu lesen, wird ein wenig schwer sein. dann sollte man lieber auf
die taschenbuchausgabe zurückgreifen. leider käme man dann nicht in
den genuß der neuübersetzung von christa schuenke. aber ganz egal, ob
man das buch lesen wird, es ist eines von denen, die man einfach besitzen
muss!
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