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BÜCHER AUGUST 05




Ian McEwan - Saturday

das beste diesmal gleich am anfang. denn wenn man diesen sommer nur ein buch auswählen könnte, dann sollte man sich unbedingt für "saturday" entscheiden. seit langem habe ich kein werk von dieser qualität gelesen. dieser roman ist einfach ein meisterwerk. dies gilt gleichermaßen für die story als auch für die sprache. McEwan gelingt es wie keinem anderen autor bilder vor dem auge des lesers zu erschaffen. und dabei erscheint seine sprache auf den ersten blick so unspektakulär, so normal. doch schafft er es, den leser so dermaßen in die handlung hineinzuziehen, dass man es einfach nicht mehr schafft, das buch aus der hand zu legen. es ist von der ersten seite an umheimlich interessant, teilweise unerträglich spannend und wirkt so ungeheuerlich real. man durchlebt regelrecht die ereignisse zusammen mit dem helden. wenn der arzt operiert ist man mitten dabei, spielt er mit einem kollegen squash möchte man sich am liebsten ducken um den bällen auszuweichen. als er einer probe seines gitarre spielenden sohnes beiwohnt, vermag mal als leser nicht nur die musik zu hören, nein man fühlt sie nahezu. wenn henry das essen für seine familie zubereitet, riecht man schon fast die leckeren zutaten... damit meine ich, der detailreichtum dieses buches ist unfassbar. aber nicht in einer art und weise, wie beispielsweise franzen (siehe nächstes buch) die dinge beschreiben würde. in "schweres beben" sind die beschreibungen flach, ermüdend, ja schlichtweg langweilig. dies ist bei McEwan an keiner stelle der fall. egal, über was er schreibt, man ist entzückt, fasziniert und genießt jedes einzelne wort. und wo ich mir bei franzen fast einen belohnungs-drink für die beendung des buches gegönnt hätte, so hofft man bei "saturday" dieser roman würde nie enden. das ist so ziemlich das einzige, was ich kritisieren möchte: für mich hätte dieses werk doppelt oder gar dreimal so lang sein können.

BEWERTUNG: *****






Jonathan Franzen - Schweres Beben

"franzen" - was für ein name! in unzähligen kritiken oder auf buchcovern, immer wieder kommt man mit diesem autor in kontakt. jeder zweite familienroman wird mit den "korrekturen" verglichen. jonathan franzen, dieser name sollte jedem leser ein begriff sein. ich muss gestehen, sein "meisterwerk" habe ich immer noch nicht gelesen. ob ich es nach dem "schweren beben" noch tun soll, ist eine frage, die ich noch nicht unbedingt mit "ja" beantwortet habe. wobei - es kann nur besser werden. denn dieser roman ist meiner meinung nach einer der überflüssigsten, die ich in letzter zeit gelesen habe. und so scheint wieder mal nur der große name den verlag dazu veranlasst haben, seinen bereits 1992 geschriebenen roman auch in deutschland zu veröffentlichen. was kein vorwurf sein soll - wer will nicht geld verdienen!
trotzdem stellt sich mir an dieser stelle eine wichtige frage. wie kann es ein lektor zulassen, diesen text in dieser art und weise zu drucken? ist das erste was autoren geraten wird nicht immer, sich ihre texte nochmal genau durchzulesen um ggf. überflüssige passagen zu streichen? warum hat man franzen seinerzeit nicht diesen tipp gegeben? natürlich - und das weiß jeder aus eigener erfahrung - ist es einfacher zu quatschen und zu erzählen, als dass man das was man sagen möchte in nur wenigen sätzen zusammenfasst. ich sehe es ja schon hier bei dieser kritik ;o) aber ich bin ja auch kein "meisterautor", also sei mir verziehen.
so komme ich zu dem verdacht, dass "schweres beben" ein kritikerbuch ist. ich bin mir sicher, viele werden es lieben, weil es so viel gibt, was man entdecken und vor allem hinein interpretieren kann. diese regelrecht vollgestopfte lektüre behandelt so viele themen. es geht um familie, tod, geldgier, die umwelt, abtreibung und um die liebe. viel stoff, der erstmal ordentlich verarbeitet sein will. ich finde, franzen ist dies in keinster weise gelungen. dieser roman ist so unendlich redselig und stellenweise so unglaublich langatmig, dass mir nicht nur einfach das buch runtergefallen ist, weil ich nicht anders konnte als darüber einzuschlafen.
auch alle personen, vor allem die weiblichen, sind so wahnsinnig unsympathisch, dass man sich mit ihnen in keinster weise identifizieren kann. was diese typen über die laaaaaaaaaange strecke von fast 700 seiten alles erleben ist in etwa so interessant, wie ein telefonbuch zu lesen. nein, ich bin sehr enttäuscht. ich konnte einfach keinen zugang zu diesem buch finden. franzen mag ein könner sein und mir mag man vorhalten die angebliche "größe" dieses romans nicht verstanden zu haben. mir doch egal, mögen alle fans und kritiker glücklich mit diesem einschlafbuch werden. für mich war das schlichtweg für die tonne!

BEWERTUNG: *
****






Isabel Allende - Zorro

gibt es nicht schon genug material über zorro? unzählige bücher und filme. jetzt hat sich auch frau allende dem thema angenommen. herausgekommen ist ein gutes buch, welches ich aber mit gemischten gefühlen gelesen habe. teilweise war ich sehr davon angetan, oftmals aber auch ein wenig gelangweilt. im großen und ganzen hab ich es aber dann doch recht gern gelesen. trotzdem ist dies ein roman den man schnell liest, aber ebenso schnell wieder vergisst!

BEWERTUNG: ***
**






Paul Auster - Nacht des Orakels

"die geschmäcker sind verschieden" ist zwar nicht unbedingt eine aussage auf der man ein buchkritik aufbauen sollte. trotzdem kann ich mir vorstellen, dass dieses buch sicherlich nicht jedermanns geschmack treffen wird. mir hat es jedenfalls fabelhaft gefallen. ich war von austers ideenreichtum mehr als begeistert und habe selten einen roman so sehr genossen! ein geniales buch!

BEWERTUNG: *****






Antje Ravic Strubel - Tupolew 134

wenn man sich einmal an die etwas ungewöhnliche konstruktion des buches gewöhnt hat, wird man mit einer überaus lesenswerten lektüre belohnt! und somit bietet dieser roman nicht nur die beste umschlagsgestaltung der letzten monate sondern auch einen fantastischen inhalt. uneingeschränkt lesenswerte gegenwartsliteratur einer ernstzunehmenden jungen autorin!

BEWERTUNG: ****
*






Jilliane Hoffman - Cupido

zwischendurch darf es ruhig mal ein krimi sein. und "cupido" hat mich interessiert, weil die meinungen darüber doch recht auseinander gehen. von den eher negativen kritiken beeinflusst wollte ich den roman schon nach wenigen kapiteln wieder ins regal zurückstellen. war mir der stil und die sprache doch sehr durchschnittlich gestaltet. doch irgendwann hat es mich dann doch gepackt. ich habe alle anspruchsvollen erwartungen ausgeschaltet und wurde mit einem durchwegs spannenden buch belohnt. vor allem strotzt dieser roman nur so vor ungemein brutalen ausführungen und ideen. und das zeigt wieder einmal, in welch einer verrückten welt wir doch eigentlich leben. fazit: "cupido" ist ein durchwegs spannender krimi für - wie schon gesagt - zwischendurch ...

BEWERTUNG: ***
**






Janos Szekely - Verlockung

wieder einmal eine wunderbare entdeckung, die sich der schirmer-graf verlag zuschreiben kann. und nach sandor marai und all den anderen handelt es sich wieder mal um einen schriftsteller aus ungarn. diese entwicklung ist sehr zu befürworten, denn hier haben wir es wirklich mit einem meisterwerk zu tun. was erwartet man von guter literatur? dass man sich nach wenigen seiten regelrecht "im" buch befindet und die umwelt nicht mehr wahr nimmt. genauso ging es mir mit "verlockung". einmal angefangen konnte ich mich den erlebnissen der hauptperson nicht mehr entziehen. alles ist ungemein interessant und in einer so wunderbar einfachen sprache geschrieben, dass es schwer fällt, den roman zur seite zu legen ohne vorher die letzte seite gelesen zu haben. dass man aufgrund der 800 seiten nicht allzu schnell dort ankommt stört in keinster weise. denn oftmals hat man den wunsch, der roman würde nie enden.
selten habe ich ein schöneres buch gelesen. dabei ist das, was hier erzählt wird, keinesfalls angenehm. es geht hauptsächlich um armut. und diese wird so schonungslos klar und deutlich beschrieben, dass man sich nach der lektüre regelrecht gut fühlt. ein leben wie bela möchte man sicherlich nicht führen...

BEWERTUNG: *****






Colin Harrison - Havana Room

viel muss man zu diesem buch nicht sagen. nur, dass es unglaublich spannend und lesenswert ist. eine kriminalgeschichte der besonderen art. unbedingt lesen!

BEWERTUNG: *****






Tim Parks - Schicksal

nach "doppelleben" gehört tim parks für mich unbestritten zu den besten autoren unserer zeit. zwar ist gerade genannter roman immer noch mein favorit, doch auch der vorgänger "schicksal" ist sehr empfehlenswert. kein schönes buch, geht es doch hauptsächlich um tod und trauer. auch kein leichtes buch, denn parks schreibweise fordert in diesem fall den leser. doch wer sich darauf einlässt wird mit einer wunderbar anspruchsvollen literatur belohnt.

BEWERTUNG: ****
*






Tim Parks - Weisses Wasser

im vergleich zu "schicksal" und "doppelleben" ist parks neuestes buch um einiges zugänglicher geschrieben. trotzdem vermisst man auch hier nicht seinen unverwechselbaren stil. einer art zu schreiben, die ich fabelhaft finde, der ich stundenlang und mit allergrößtem genuß folgen kann. und somit ist auch "weisses wasser" ein uneingeschränkter lesetipp! tim parks ist einer der besten. punkt - aus - fertig.

BEWERTUNG: ****
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