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BÜCHER APRIL 06


Der lange Weg von Joseph Boyden1977 von David PeaceLeyla von Feridun ZaimogluPuls von Stephen KingTraveler von John Twelve HawkesResturlaub von Tommy JaudBrokeback Mountain von Annie ProulxPlötzlich tief im Wald von Amos OzDer Historiker von Elisabeth Kostova

als alleiniger streiter und ersteller einer privaten internetseite kommt man oftmals an den punkt, das ganze hinzuwerfen. warum und für wen tut man dies alles überhaupt? um ehrlich zu sein, fehlt mir im moment ein wenig die zeit und muse an dieser stelle ordentliche und ausführliche buchkritiken zu verfassen. trotzdem schaffe ich es einfach nicht „wortkunst“ vollkommen aufzugeben, dazu gibt es einfach zu viele bücher, die gelesen werden sollten ... auch in diesem monat.

begonnen habe ich mit einem ganz besonderem buch, und zwar mit „der lange weg“ von joseph boyden. ein sehr lesenswertes werk. zwar klingt die geschichte über zwei kanadische indianer, die freiwillig in den ersten weltkrieg ziehen auf den ersten blick nach nicht sonderlich viel neuem. ist es aber, denn boyden beschreibt die erlebnisse der beiden freunde mit so viel kraft und vor allem fern von allen klischees. hier wird die grausamkeit und der wahnsinn des krieges mit einer unvergesslichen deutlichkeit dargestellt und zeigt brillant, was ein solch sinnloses gemetzel aus uns menschen machen kann. natürlich gibt es schon viele romane die vom krieg erzählen, ganz klar. trotzdem sollte man boyden‘s buch unbedingt gelesen haben, denn letztendlich ist es anders, vielleicht auch aufgrund der außergewöhnlichen erzählweise.

von der vergangenheit sogleich ein harter schritt und zwar in die zukunft und zu „traveler“ von john twelve hawkes. ein äußerst harter schritt übrigens auch was die qualität des buches betrifft. zwar klingt hawkes vision von einer nahen zukunft in der jeder schritt den wir tun auf‘s genauste überwacht wird sehr vielversprechend, doch leider lässt das interesse auch ganz schnell wieder nach. denn letzendlich ist der gesamte plot dann doch recht an den haaren herbeigezogen und die paranoia des autors selbst ist unbestritten größer als die seiner helden. so hat man eher den eindruck, dass sich hier ein schriftsteller mit verfolgungswahn seine angst von der seele schreiben wollte. was bleibt ist nichts anderes als ein durchschnittlich spannender thriller. stellenweise macht es schon spaß seine ideen zu verfolgen, am ende bleibt allerdings nicht viel im gedächtnis hängen. außer, dass es wohl besser wäre die zukunft und die damit verbundene verbesserung der technik vollkommen zu boykottieren. dazu müssten wir uns allerdings genauso von der außenwelt abschotten wie der autor selbst und wie auch einige seiner protagonisten im buch. was mich letztendlich aber am meisten geärgert hat, „traveler“ ist als fortsetzungsgeschichte aufgebaut, denn das ende des romans lässt einfach viel zu viele fragen offen und schreit nahezu nach einem zweiten teil, oder drei, oder vier? man darf gespannt sein. ob ich diese bücher dann allerdings lesen werde sei dahingestellt.

einen verzicht auf moderne technik und vor allem auf mobiltelefone legt uns auch horror-bestseller-autor stephen king ans herz. in seinem neuen buch „puls“ werden nämlich alle gehirne von handy-besitzern regelrecht zu matsch und die personen zu einer art ferngesteuerter puppe. ohne großartige einleitung katapultiert und king in dieses horror-szenario. telefone klingeln, die menschen antworten und metzeln von nun an alles nieder was ihnen in den weg kommt. mittendrin der comic-zeichner clay der sich gleichermaßen wie der leser die frage stellt, was soll das ganze, was wird noch passieren? und somit dürfen wir ihn über fünfhundert seiten lang auf durch das futuristische schlachtfeld begleiten. clay ist nämlich gerade in einer fremden stadt und von nun an auf dem weg zu frau und sohn. auf dieser reise bekommt der held natürlich noch tatkräfige unterstützung und alle dürfen ordentlich blut vergießen. was soll ich sagen? die ersten hundert seiten waren mit der größte schwachsinn, den ich in letzter zeit lesen durfte. nichtssagend, trotz viel blut und zerfetzten körperteilen langweilig. und das ganze vor allem miserabel geschrieben. es ist lange her, dass ich den letzten king-roman in hand hatte und war einfach neugierig, wie sich dieser schriftsteller weiterentwickelt hat. naja. „puls“ ist letztendlich eine mischung aus „dawn of the dead“, „krieg der welten“ und „the day after tomorrow“. schlicht und einfach nichts besonderes. doch nach einiger zeit zieht einen die geschichte dann doch in seinen bann, man will einfach wissen, was noch passieren wird. und so habe ich das buch innerhalb eines wochenendes dann doch regelrecht verschlungen. wer auf „splatter“ steht wird sicherlich seine freude haben, alle freunde der anspruchsvollen unterhaltungsliteratur werden sowieso von vorne herein einen bogen um stephen king machen!

bleiben wir noch ein wenig bei spannungsliteratur, wenden uns aber lieber dem kriminalroman zu. und zwar zu „1977“ von david peace. allen krimi-liebhabern sollte der name mittlerweile ein begriff sein, denn peace ist auf dem besten wege ein kultautor in diesem genre zu werden. hier hat man es nicht mit autoren im stil von mankell, nesser, grimes, walters oder james zu tun! und das ist gut so, denn die bücher von peace sind anders, sie sind originell! sie sind schnell, hart und brutal. und somit unterscheiden sie sich letztendlich deutlich vom herkömmlichen krimi-allerlei. „1974“ wurde zurecht mit zahlreichen preisen überhäuft. und „1977“ ist ein würdiger nachfolger, denn peace lebt seinen stil regelrecht und wird hoffentlich auch weiterhin die besten krimis schreiben, die man derzeit lesen darf.

nochmal kurz zur spannungsliteratur, wenn es sich hierbei allerings eher um eine art historischen roman handelt. gemeint ist „der historiker“ von elisabeth kostova. ein über 800 seiten dicker gruselschmöker, eine art schnitzeljagd und die suche nach dem grab des wohl bekanntesten vampirs überhaupt, nämlich dracula. wer hier allerdings auch splatterelemente wie bei stephen king erwartet, wird wohl enttäuscht werden. denn kostova geht ihre geschichte gemächlicher an. was nicht heißen soll „langweilig“! nun gut, um ganz ehrlich zu sein, teilweise wünscht man sich ein bisschen weniger details in den beschreibungen, doch langweilig war dieses buch keine seite lang! weil kostova es über die gesamte distanz schafft, den leser mit einer mischung aus historischen fakten und spannungselementen bei laune zu halten. so kommt dieses buch geradezu ein wenig altbacken daher. quasi ein gruselthriller der alten schule, so blöde das auch klingen mag. liest man meinungen zum „historiker“ sind diese von recht unterschiedlicher art. und die schlechten kritiken lassen darauf schließen, dass sich viele leser sicherlich mehr „action“ gewünscht haben. ich allerdings bin der meinung, dass dieses buch auch ganz gut ohne großartige „blutfontänen“ auskommt. so habe ich es durchwegs sehr gerne gelesen, auch wenn es stellenweise doch ein wenig in richtung „dan brown“ abdriftet, ist der gesamtaufbau im sinne einer art „schnitzeljagd“ doch recht ähnlich. trotzdem würde ich kostova‘s schreibtalent doch um einiges über dem von brown ansiedeln. das mag auch daran liegen, dass ich die worte „illuminati“ und „sakrileg“ einfach nicht mehr hören kann. der hype um diese art von literatur ist mir einfach zu aufdringlich geworden. wer also gut gemachte spannungslitatur neben dem „da vinci code“ lesen möchte, dem sei „der historiker“ wärmstens empfohlen!

nun aber zu etwas anspruchsvollerem, oder besser gesagt, weg von krimi und blutvergießen. nach so vielen seiten „spannung“ wollte ich zwischendurch etwas ruhigeres lesen. so kam mir „plötzlich tief im wald“, das „märchen“ von amos oz, mit seinen gerade mal 120 seiten ganz recht. natürlich steht hier, wie sollte es bei einem märchen auch anders sein, die moral der kleinen geschichte im vordergrund. und hier geht es schlichtweg um „toleranz“. nicht jeder mensch ist gleich in seinen taten, also sollte man dies auch respektieren. eigentlich mag ich keine solchen versuche, in denen ein autor mit erhobenem zeigefinger die welt verbessern möchte. ich denke, die verkaufsregale sind voll von schmalztriefenen moralaposteln wie coelho, schmitt oder lelord. was dieses buch aber deutlich vom all dem anderen müll abhebt ist die schönheit der geschichte drumherum und vor allem auch die sprache. somit ist dieses schmale buch ein wirklich lesenswertes, kurzweiliges vergnügen für zwischendurch.

ein wenig mehr zeit sollte man sich dann aber für „leyla“ von feridun zaimoglu nehmen. ich weiß nicht so recht, was ich von dem roman halten soll. denn zum einen erschafft der autor hier eine wunderbare geschichte einer türkischen familie, zum anderen kam aber die ganzen 500 seiten über kein sonderlich großes lesevergnügen auf. dabei erzählt zaimoglu achso brillant, ohne jeglichen kitsch, ohne klischees und in einer außergewöhnlichen sprache. schlägt man eine beliebige seite des romans auf, man ist regelrecht begeistert vom schreibstil. doch auf die dauer wirkt das ganze dann doch etwas angestrengt und vor allem ermüdend. das mag daran liegen, dass zaimoglu‘s sprache irgendwie altbacken daher kommt. das merkt man vor allem bei den dialogen. so redet heutzutage einfach niemand mehr! außerdem hat mir persönlich ein wenig die wucht gefehlt, die uns stärker in die handlung hineinzieht. was hier beschrieben wird ist teilweise furchtbar, schon fast erschreckend grausam. deutlich wird dies vor allem an den zahlreichen szenen in denen die junge ich-erzählerin leyla beschreibt, wie der vater auf eindeutigste weise sein recht als familienoberhaupt behauptet. hier wird erniedrigt und geprügelt. doch so furchtbar dies alles sein mag, es liest sich wie ein heruntergespulter bericht. wir sind lediglich zeugen der ganzen brutalität und ungerechtigkeit. was im innern der protagonistin vorgeht, verrät uns der autor leider nicht. „leyla“ ist also wieder so eine art von buch, die ich mit widerwillen zu ende gelesen habe und letztendlich froh darüber bin, durchgehalten zu haben. denn lesenswert ist dieser roman auf jeden fall und ich kann nur jedem empfehlen, sich dieses werk einmal genauer anzusehen.

wer eigentlich nicht viel zeit zum lesen hat, oder besser gesagt, sich die zeit nicht nehmen möchte, dem empfehle ich „brokeback mountain“ von annie proulx. zwar sind in diesem erzählband auch andere geschichten enthalten, wer mitreden möchte, liest aber nur diejenige die als vorlage für ang lee‘s preisgekrönten film diente. und was soll man sagen - es lohnt sich! dass proulx fabelhaft schreiben kann, ist sicherlich kein geheimnis und auch die 40 seiten „brokeback mountain“ sind sehr lesenswert, weil die autorin mit einfachsten mitteln eine wunderbare liebesgeschichte zu papier gebracht hat, die noch lange im kopf des lesers in erinnerung bleiben wird!

last but not least ein absolutes highlight des „bücherfrühlings“, jedenfalls wenn man mal wieder ordentlich lachen möchte. nach dem brillanten „vollidiot“ erscheint nun das „zweitbuch“ von tommy jaud: „resturlaub“. ein überaus würdiger nachfolger, der von der ersten bis zur letzten seite mit unglaublich trockenem witz überzeugen kann. selten konnte ich bei literatur mehr schmunzeln, ja sogar teilweise lauthals lachen. dabei bezweifle ich, dass gerade männliche leser nach diesem buch greifen werden. das scheußliche cover ist doch eher mit denen schlechter frauenliteratur vergleichbar. vielleicht ist das aber auch gewollt, denn jaud‘s bücher könnte man wohl auch als „frauenliteratur für männer“ bezeichnen. hört man von weiblicher seite doch ständig, wie toll und witzig ildikó von kürthy doch schreiben kann, jedem vernünftigen leser würde es wohl kaum in den sinn kommen, so etwas zu lesen! aber jetzt ist schluss damit. jetzt haben wir unseren lieblingsautor gefunden: tommy jaud! was letztendlich nicht heißen soll, dass seine bücher nicht auch für frauen interessant sind. „resturlaub“ spielt in franken, genauer gesagt im schönen „bamberch“, gerade mal sechzig kilometer von meiner heimatstadt nürnberg entfernt. und so ist dieses buch für mich auch als eine art „heimatroman“ anzusehen. und was soll man sagen, so wie jaud land und leute beschreibt, genau so ist es auch! kein wunder, ist der autor (auch wenn er jetzt in köln lebt) ein waschechter franke und kennt sich mit der mentalität natürlich perfekt aus. so kann man nur hoffen, dass auch nichtfranken von den abenteuern des brauereimanagers peter „bitschi“ greulich begeistert sein werden. ich war es jedenfalls und „resturlaub“ wird sicherlich einen ehrenplatz unter den lieblingsbüchern in meinem regal bekommen! unbedingt lesen!

so, wollte ich nicht diesmal weniger berichten, scheinbar geht es dann doch nicht kürzer. aber egal, für dieses monat gibt es also wieder viele gute bücher und ich hoffe, dass
wenigstens ein paar leser meinen empfehlungen vertrauen werden. viel spaß beim lesen!




BEWERTUNG:

der lange weg von joseph boyden: *****

traveler von john twelve hawkes:
*****

puls von stephen king:
*****

1977 von david peace:
*****

der historiker von elisabeth kostova:
*****

plötzlich tief im wald - ein märchen von amos oz:
*****

leyla von feridun zaimoglu:
*****

brokeback mountain von annie proulx:
*****

resturlaub von tommy jaud:
*****

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