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BÜCHER
APRIL 06
als alleiniger
streiter und ersteller einer privaten internetseite kommt man oftmals
an den punkt, das ganze hinzuwerfen. warum und für wen tut man
dies alles überhaupt? um ehrlich zu sein, fehlt mir im moment ein
wenig die zeit und muse an dieser stelle ordentliche und ausführliche
buchkritiken zu verfassen. trotzdem schaffe ich es einfach nicht „wortkunst“
vollkommen aufzugeben, dazu gibt es einfach zu viele bücher, die
gelesen werden sollten ... auch in diesem monat.
begonnen habe ich mit einem ganz besonderem buch, und zwar mit „der
lange weg“ von joseph boyden. ein sehr lesenswertes werk.
zwar klingt die geschichte über zwei kanadische indianer, die freiwillig
in den ersten weltkrieg ziehen auf den ersten blick nach nicht sonderlich
viel neuem. ist es aber, denn boyden beschreibt die erlebnisse der beiden
freunde mit so viel kraft und vor allem fern von allen klischees. hier
wird die grausamkeit und der wahnsinn des krieges mit einer unvergesslichen
deutlichkeit dargestellt und zeigt brillant, was ein solch sinnloses
gemetzel aus uns menschen machen kann. natürlich gibt es schon
viele romane die vom krieg erzählen, ganz klar. trotzdem sollte
man boyden‘s buch unbedingt gelesen haben, denn letztendlich ist
es anders, vielleicht auch aufgrund der außergewöhnlichen
erzählweise.
von der vergangenheit sogleich ein harter schritt und zwar in die zukunft
und zu „traveler“
von john twelve hawkes. ein äußerst harter schritt
übrigens auch was die qualität des buches betrifft. zwar klingt
hawkes vision von einer nahen zukunft in der jeder schritt den wir tun
auf‘s genauste überwacht wird sehr vielversprechend, doch
leider lässt das interesse auch ganz schnell wieder nach. denn
letzendlich ist der gesamte plot dann doch recht an den haaren herbeigezogen
und die paranoia des autors selbst ist unbestritten größer
als die seiner helden. so hat man eher den eindruck, dass sich hier
ein schriftsteller mit verfolgungswahn seine angst von der seele schreiben
wollte. was bleibt ist nichts anderes als ein durchschnittlich spannender
thriller. stellenweise macht es schon spaß seine ideen zu verfolgen,
am ende bleibt allerdings nicht viel im gedächtnis hängen.
außer, dass es wohl besser wäre die zukunft und die damit
verbundene verbesserung der technik vollkommen zu boykottieren. dazu
müssten wir uns allerdings genauso von der außenwelt abschotten
wie der autor selbst und wie auch einige seiner protagonisten im buch.
was mich letztendlich aber am meisten geärgert hat, „traveler“
ist als fortsetzungsgeschichte aufgebaut, denn das ende des romans lässt
einfach viel zu viele fragen offen und schreit nahezu nach einem zweiten
teil, oder drei, oder vier? man darf gespannt sein. ob ich diese bücher
dann allerdings lesen werde sei dahingestellt.
einen verzicht auf moderne technik und vor allem auf mobiltelefone legt
uns auch horror-bestseller-autor stephen
king ans herz. in seinem neuen buch „puls“
werden nämlich alle gehirne von handy-besitzern regelrecht zu matsch
und die personen zu einer art ferngesteuerter puppe. ohne großartige
einleitung katapultiert und king in dieses horror-szenario. telefone
klingeln, die menschen antworten und metzeln von nun an alles nieder
was ihnen in den weg kommt. mittendrin der comic-zeichner clay der sich
gleichermaßen wie der leser die frage stellt, was soll das ganze,
was wird noch passieren? und somit dürfen wir ihn über fünfhundert
seiten lang auf durch das futuristische schlachtfeld begleiten. clay
ist nämlich gerade in einer fremden stadt und von nun an auf dem
weg zu frau und sohn. auf dieser reise bekommt der held natürlich
noch tatkräfige unterstützung und alle dürfen ordentlich
blut vergießen. was soll ich sagen? die ersten hundert seiten
waren mit der größte schwachsinn, den ich in letzter zeit
lesen durfte. nichtssagend, trotz viel blut und zerfetzten körperteilen
langweilig. und das ganze vor allem miserabel geschrieben. es ist lange
her, dass ich den letzten king-roman in hand hatte und war einfach neugierig,
wie sich dieser schriftsteller weiterentwickelt hat. naja. „puls“
ist letztendlich eine mischung aus „dawn of the dead“, „krieg
der welten“ und „the day after tomorrow“. schlicht
und einfach nichts besonderes. doch nach einiger zeit zieht einen die
geschichte dann doch in seinen bann, man will einfach wissen, was noch
passieren wird. und so habe ich das buch innerhalb eines wochenendes
dann doch regelrecht verschlungen. wer auf „splatter“ steht
wird sicherlich seine freude haben, alle freunde der anspruchsvollen
unterhaltungsliteratur werden sowieso von vorne herein einen bogen um
stephen king machen!
bleiben wir noch ein wenig bei spannungsliteratur, wenden uns aber lieber
dem kriminalroman zu. und zwar zu
„1977“ von david peace. allen krimi-liebhabern
sollte der name mittlerweile ein begriff sein, denn peace ist auf dem
besten wege ein kultautor in diesem genre zu werden. hier hat man es
nicht mit autoren im stil von mankell, nesser, grimes, walters oder
james zu tun! und das ist gut so, denn die bücher von peace sind
anders, sie sind originell! sie sind schnell, hart und brutal. und somit
unterscheiden sie sich letztendlich deutlich vom herkömmlichen
krimi-allerlei. „1974“ wurde zurecht mit zahlreichen preisen
überhäuft. und „1977“ ist ein würdiger nachfolger,
denn peace lebt seinen stil regelrecht und wird hoffentlich auch weiterhin
die besten krimis schreiben, die man derzeit lesen darf.
nochmal kurz zur spannungsliteratur, wenn es sich hierbei allerings
eher um eine art historischen roman handelt. gemeint ist „der
historiker“ von elisabeth kostova. ein über 800 seiten
dicker gruselschmöker, eine art schnitzeljagd und die suche nach
dem grab des wohl bekanntesten vampirs überhaupt, nämlich
dracula. wer hier allerdings auch splatterelemente wie bei stephen king
erwartet, wird wohl enttäuscht werden. denn kostova geht ihre geschichte
gemächlicher an. was nicht heißen soll „langweilig“!
nun gut, um ganz ehrlich zu sein, teilweise wünscht man sich ein
bisschen weniger details in den beschreibungen, doch langweilig war
dieses buch keine seite lang! weil kostova es über die gesamte
distanz schafft, den leser mit einer mischung aus historischen fakten
und spannungselementen bei laune zu halten. so kommt dieses buch geradezu
ein wenig altbacken daher. quasi ein gruselthriller der alten schule,
so blöde das auch klingen mag. liest man meinungen zum „historiker“
sind diese von recht unterschiedlicher art. und die schlechten kritiken
lassen darauf schließen, dass sich viele leser sicherlich mehr
„action“ gewünscht haben. ich allerdings bin der meinung,
dass dieses buch auch ganz gut ohne großartige „blutfontänen“
auskommt. so habe ich es durchwegs sehr gerne gelesen, auch wenn es
stellenweise doch ein wenig in richtung „dan brown“ abdriftet,
ist der gesamtaufbau im sinne einer art „schnitzeljagd“
doch recht ähnlich. trotzdem würde ich kostova‘s schreibtalent
doch um einiges über dem von brown ansiedeln. das mag auch daran
liegen, dass ich die worte „illuminati“ und „sakrileg“
einfach nicht mehr hören kann. der hype um diese art von literatur
ist mir einfach zu aufdringlich geworden. wer also gut gemachte spannungslitatur
neben dem „da vinci code“ lesen möchte, dem sei „der
historiker“ wärmstens empfohlen!
nun aber zu etwas anspruchsvollerem, oder besser gesagt, weg von krimi
und blutvergießen. nach so vielen seiten „spannung“
wollte ich zwischendurch etwas ruhigeres lesen. so kam mir „plötzlich
tief im wald“, das „märchen“ von amos oz,
mit seinen gerade mal 120 seiten ganz recht. natürlich steht hier,
wie sollte es bei einem märchen auch anders sein, die moral der
kleinen geschichte im vordergrund. und hier geht es schlichtweg um „toleranz“.
nicht jeder mensch ist gleich in seinen taten, also sollte man dies
auch respektieren. eigentlich mag ich keine solchen versuche, in denen
ein autor mit erhobenem zeigefinger die welt verbessern möchte.
ich denke, die verkaufsregale sind voll von schmalztriefenen moralaposteln
wie coelho, schmitt oder lelord. was dieses buch aber deutlich vom all
dem anderen müll abhebt ist die schönheit der geschichte drumherum
und vor allem auch die sprache. somit ist dieses schmale buch ein wirklich
lesenswertes, kurzweiliges vergnügen für zwischendurch.
ein wenig mehr zeit sollte man sich dann aber für „leyla“
von feridun zaimoglu nehmen. ich weiß nicht so recht,
was ich von dem roman halten soll. denn zum einen erschafft der autor
hier eine wunderbare geschichte einer türkischen familie, zum anderen
kam aber die ganzen 500 seiten über kein sonderlich großes
lesevergnügen auf. dabei erzählt zaimoglu achso brillant,
ohne jeglichen kitsch, ohne klischees und in einer außergewöhnlichen
sprache. schlägt man eine beliebige seite des romans auf, man ist
regelrecht begeistert vom schreibstil. doch auf die dauer wirkt das
ganze dann doch etwas angestrengt und vor allem ermüdend. das mag
daran liegen, dass zaimoglu‘s sprache irgendwie altbacken daher
kommt. das merkt man vor allem bei den dialogen. so redet heutzutage
einfach niemand mehr! außerdem hat mir persönlich ein wenig
die wucht gefehlt, die uns stärker in die handlung hineinzieht.
was hier beschrieben wird ist teilweise furchtbar, schon fast erschreckend
grausam. deutlich wird dies vor allem an den zahlreichen szenen in denen
die junge ich-erzählerin leyla beschreibt, wie der vater auf eindeutigste
weise sein recht als familienoberhaupt behauptet. hier wird erniedrigt
und geprügelt. doch so furchtbar dies alles sein mag, es liest
sich wie ein heruntergespulter bericht. wir sind lediglich zeugen der
ganzen brutalität und ungerechtigkeit. was im innern der protagonistin
vorgeht, verrät uns der autor leider nicht. „leyla“
ist also wieder so eine art von buch, die ich mit widerwillen zu ende
gelesen habe und letztendlich froh darüber bin, durchgehalten zu
haben. denn lesenswert ist dieser roman auf jeden fall und ich kann
nur jedem empfehlen, sich dieses werk einmal genauer anzusehen.
wer eigentlich nicht viel zeit zum lesen hat, oder besser gesagt, sich
die zeit nicht nehmen möchte, dem empfehle ich „brokeback
mountain“ von annie proulx. zwar sind in diesem erzählband
auch andere geschichten enthalten, wer mitreden möchte, liest aber
nur diejenige die als vorlage für ang lee‘s preisgekrönten
film diente. und was soll man sagen - es lohnt sich! dass proulx fabelhaft
schreiben kann, ist sicherlich kein geheimnis und auch die 40 seiten
„brokeback mountain“ sind sehr lesenswert, weil die autorin
mit einfachsten mitteln eine wunderbare liebesgeschichte zu papier gebracht
hat, die noch lange im kopf des lesers in erinnerung bleiben wird!
last but not least ein absolutes highlight des „bücherfrühlings“,
jedenfalls wenn man mal wieder ordentlich lachen möchte. nach dem
brillanten „vollidiot“ erscheint nun das „zweitbuch“
von tommy
jaud: „resturlaub“. ein überaus würdiger
nachfolger, der von der ersten bis zur letzten seite mit unglaublich
trockenem witz überzeugen kann. selten konnte ich bei literatur
mehr schmunzeln, ja sogar teilweise lauthals lachen. dabei bezweifle
ich, dass gerade männliche leser nach diesem buch greifen werden.
das scheußliche cover ist doch eher mit denen schlechter frauenliteratur
vergleichbar. vielleicht ist das aber auch gewollt, denn jaud‘s
bücher könnte man wohl auch als „frauenliteratur für
männer“ bezeichnen. hört man von weiblicher seite doch
ständig, wie toll und witzig ildikó von kürthy doch
schreiben kann, jedem vernünftigen leser würde es wohl kaum
in den sinn kommen, so etwas zu lesen! aber jetzt ist schluss damit.
jetzt haben wir unseren lieblingsautor gefunden: tommy jaud! was letztendlich
nicht heißen soll, dass seine bücher nicht auch für
frauen interessant sind. „resturlaub“ spielt in franken,
genauer gesagt im schönen „bamberch“, gerade mal sechzig
kilometer von meiner heimatstadt nürnberg entfernt. und so ist
dieses buch für mich auch als eine art „heimatroman“
anzusehen. und was soll man sagen, so wie jaud land und leute beschreibt,
genau so ist es auch! kein wunder, ist der autor (auch wenn er jetzt
in köln lebt) ein waschechter franke und kennt sich mit der mentalität
natürlich perfekt aus. so kann man nur hoffen, dass auch nichtfranken
von den abenteuern des brauereimanagers peter „bitschi“
greulich begeistert sein werden. ich war es jedenfalls und „resturlaub“
wird sicherlich einen ehrenplatz unter den lieblingsbüchern in
meinem regal bekommen! unbedingt lesen!
so, wollte ich nicht diesmal weniger berichten, scheinbar geht es dann
doch nicht kürzer. aber egal, für dieses monat gibt es also
wieder viele gute bücher und ich hoffe, dass
wenigstens ein paar leser meinen empfehlungen vertrauen werden. viel
spaß beim lesen!
BEWERTUNG:
der
lange weg von joseph boyden:
*****
traveler
von john twelve hawkes:
*****
puls
von stephen king:
*****
1977
von david peace:
*****
der
historiker von elisabeth kostova:
*****
plötzlich
tief im wald - ein märchen von amos oz:
*****
leyla
von feridun zaimoglu:
*****
brokeback
mountain von annie proulx:
*****
resturlaub
von tommy jaud:
*****
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