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WASSERMUSIK
von T. C. BOYLE

Broschiert
560 Seiten
Rowohlt Taschenbuch
ISBN: 3499125803
EUR 9,90
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KURZBESCHREIBUNG

T.C. Boyle erzählt in diesem Buch von den zwei Westafrika-Expeditionen des schottischen Entdeckers Mungo Park, der sich um das Jahr 1800 auf die Suche nach dem Niger machte, beide Male in Begleitung eines ehemaligen Sklaven und Butlers. Verwoben in diese Geschichte ist das Schicksal eines Londoner Trunkenbolds und Trickbetrügers namens Ned Rise. Eine weitere Parallelhandlung spielt in Schottland, wo Parks Geliebte und spätere Frau Ailie Anderson auf die Rückkehr des Weltenbummlers wartet. Boyle stützt sich auf Mungo Parks Reiseberichte, etwa "Travels in the Interior of Africa" (1803), die sich unterhaltsam lesen und für damalige Zeiten eine enorme Menge von ethnologischen Material auf unvoreingenommene Weise präsentieren. In einer knappen Vorbemerkung ("Apologie") stellt Boyle jedoch fest: "Ich habe den historischen Hintergrund aus der Freude und Faszination genutzt, die er mir bereitete, keinesfalls aber in dem Wunsch, die darin festgehaltenen Ereignisse genauestens zu rekonstruieren oder für einen Roman zu bearbeiten."

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MEINUNG

"Romane sind wie Rockkonzerte", meint der Autor, "entweder du bringst die Leute zum Tanzen, oder sie feuern dir Bierdosen an den Kopf!"

Bei diesem Roman kann man schlecht tanzen, weil man mit dem lesen nicht mehr aufhören will, und die Bierdose wirft man nicht, sondern macht sie sich lieber auf. Denn zwischen den Buchdeckeln lauert nicht etwa eine spröde Entdeckergeschichte, sondern eine sprachwitzige, chaotische Reise nach Afrika und ins derbe Schottland des 18. Jahrhunderts. Besonders die Protagonisten des Romans wachsen einem allesamt ans Herz - allen voran der schusselige Hauptdarsteller Mungo Park.

Der sympathische Entdecker erträgt auf seiner abenteuerlichen Reise Hitze, rasende Mauren, geht im Sandsturm durch ein Perlhuhn K.O. und begrüsst seinen vielgesuchten Fluss mit einer Arschbombe. Ein zutiefst menschlicher Held mit Macken also, dem man gerne und mit strapaziertem Zwerchfell und der Dose Bier durch das turbulente Afrika folgt. Auch dem Taugenichts Ned Rise steht man im Dschungel Londons gerne beim täglichen Kampf ums Geld und regelmässiger Flucht vor geprellten "Geschäftspartnern" bei.

Das scheint vor allem auch das Geheimnis des Romans zu sein: unter dem Deckmäntelchen witziger und grotesker Erlebnisse der drei Hauptdarsteller (Mungo, Ned und Ailie) verbirgt sich eine zutiefst realistische Darstellung des menschlichen Überlebenskampfes sowohl im Moloch der dreckigen Großstadt als auch im wilden Afrika. Das gelingt vor allem deshalb so plastisch und unterhaltsam, weil Boyle den Spagat zwischen historischem Stoff und derb-witziger, flotter Sprache perfekt vereint, ohne dabei in Klamauk abzurutschen. Denn bei allem Humor ist "Wassermusik" letztlich ein tragischer Roman.

"Wassermusik" besteht aus kurzen Kapiteln, in denen die Hauptfiguren in ihren unterschiedlichen Existenzen und im Rahmen der historischen Ereignisse ihrer Zeit dargestellt werden. Und weil sich insgesamt drei Handlungsstränge immer wieder abwechseln, bleibt man als Leser nie zu lange in Afrika oder in Schottland, sondern wechselt in angenehmen Abständen von einem Kontinent wieder auf den anderen. Weniger angenehm (für die Nachtruhe) ist die Tatsache, das Boyle meistens das Kontinent-Hopping immer an der spannendsten Stelle betreibt. Verlässt man also atemlos Schottland, landet man ungeduldig in Afrika und muss aber am entscheidenden Punkt wieder zurück nach Europa. Es ist also fast unmöglich, nach einem Kapitel zufrieden das Buch zuzuklappen.

Im letzten Viertel - in denen die Handlungsstränge bzw. Mungo und Ned auf wundersame Weise zusammengeführt werden, weicht der zuversichtliche Erzählstil und die Unbekümmertheit des Entdeckers aber der blanken Realität. Krankheit, Erniedrigung, Folter, Gefangenschaft und Tod lauern bei der zweiten Niger-Expedition, und in Schottland bangt mitleiderregend Frau Park um ihren Entdecker...

Man selbst bangt um die Getränkevorräte und hofft, das Buch möge nie zu Ende gehen. Mungo aus tausendundeiner Nacht hinterlässt den Wunsch nach Mehr und ein fantastisches Rezept: Gebackenes Kamel (mit Füllung) für 400 Personen.

[gastkritik von kirsten krümmel | märz 2004]

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BEWERTUNG: Wasser marsch! Alle fünfe! *****