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DAS
BUCH DES VATERS
von URS WIDMER
Gebundene Ausgabe
209 Seiten
Diogenes
ISBN: 3257063873
EUR 19,90
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bei amazon.de
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KURZBESCHREIBUNG
Er liebt alles, was lebt: Freunde, Frauen, Feste. Am meisten aber die
Bücher. "Das Buch des Vaters" ist die Aufzeichnung eines leidenschaftlichen
Lebens, von der Liebe zur Literatur bestimmt. Von den großen Utopien,
Hoffnungen und Enttäuschungen des 20. Jahrhunderts. Und von der Liebe
zu Clara Molinari, einer geheimnisvollen Frau.
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MEINUNG
als ich vor einiger
zeit "das buch des vaters" im buchladen sah, fand ich den klappentext
recht interessant und ich wollte den roman schon fast kaufen. warum auch
immer entschied ich mich dagegen. ich hätte meinem gefühl vertrauen sollen!
doch an dieser stelle kommt schon wieder elke heidenreich ins spiel. so
mancher wird sich fragen, muss er wirklich alles lesen, was diese frau
empfiehlt? ja, denn bisher wurde ich nicht enttäuscht. und auch im fall
urs widmer war heidenreich recht angetan von der lektüre. gleichermaßen
wie ihr gast mario adorf. beide fanden dieses buch einfach wunderbar.
und damit stehen sie diesmal leider alleine da, denn ich war enttäuscht.
allerdings möchte ich das buch nicht schlecht machen. vielmehr ist es
literatur, die nicht für mich geschrieben wurde.
vielleicht habe ich einen fehler gemacht. ich habe widmers, im jahre 2002
erschienenes buch, "der
geliebte der mutter" nicht gelesen. und letztendlich ist es gut möglich,
dass mir einige "grundkenntnisse" für das verständnis des nachfolgers
fehlen.
was hat es nun aber mit dem "buch des vaters" auf sich? in einem kleinen
bergdorf in der schweiz ist es eine art ritual geworden, jedem kind an
seinem 12. geburtstag ein leeres buch zu schenken. in dieses soll es von
nun an sein leben niederschreiben. und das tut der auch der "vater". doch
als sein sohn nach seinem tod die aufzeichnungen lesen möchte, muss er
enttäuscht feststellen, dass seine mutter das buch in den müll geworfen
hat. der sohn entscheidet sich also dazu, das leben des vaters nocheinmal
aufzuschreiben. und der inhalt seines lebens ist somit auch der inhalt
des vorliegenden romans.
mir hat sich von der ersten seite an die frage gestellt, was war so toll
an karl, dem vater des erzählers, dass mich das ganze jetzt fesseln soll?
und von einer seite zur nächsten dachte ich mir, jetzt muss es doch langsam
mal losgehen, jetzt müssen doch dinge geschehen, die es wert sind erzählt
zu werden. doch auch am ende des buches konnte ich so etwas nicht finden.
die figur blieb die ganze zeit über so etwas von uninteressant, dass sich
mir die frage gestellt hat, musstest du das jetzt wirklich zu ende lesen?
die antwort für mich ist eindeutig "nein". ich hätte wahrlich nichts verpasst,
hätte ich den roman nach 50 seiten ins regal gestellt.
noch dazu kam, dass mir karl von anfang an unheimlich unsympathisch war.
was hat widmer also dazu gebracht, die geschichte seine vaters aufzuschreiben?
es mag einiges erfunden sein, im wirklichen leben hieß er walter und nicht
karl, doch ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es die meisten ereignisse
in diesem buch der wahrheit entsprechen. was soll also so interessant
sein an diesem widerlichen typ mensch, der bücher mehr liebte als seine
familie? das wird an einer stelle besonders deutlich. als der vater aus
dem krieg zurück kommt, geht er sofort zu seinem arbeitsplatz und schreibt
seine gedanken nieder. erst dann hält er es für notwendig seine frau und
vor allem sein wartendes kind zu begrüßen. lohnt es sich über solch
einen menschen ein buch zu schreiben? auch alle anderen ereignisse im
leben des vaters waren für mich mehr als öde, ja schon fast langweilig.
bis auf einige wenige, sehr schön geschilderte erlebnisse, war es mir
vollkommen egal was der vater gemacht hat. gut, er hat sein leben den
büchern gewidmet, war kritiker und vor allem übersetzer von französischer
literatur. ja und? ist dies so etwas besonderes? für mich nicht. genauso
gut könnte ich über meinen vater schreiben. denn auch er hat schlechte
zeiten miterleben müssen, ist kurz vor kriegsausbruch geboren und hat
einen großteil seiner kindheit in luftschutzkellern verbracht. dies würde
letztendlich vielleicht sogar mehr hergeben als das leben von karl.
vielleicht stört mich an dem roman auch das fehlende "gefühl". widmer
erzählt für mich unglaublich nüchtern. ja man kann schon fast sagen, er
"berichtet" was sein vater erlebt hat. wäre es nicht viel sinnvoller gewesen
zu zeigen, was sein vater "gefühlt" hat? wie hat er den krieg überstanden?
was hat er gedacht, als seine frau plötzlich durchdreht und ins irrenhaus
eingeliefert wird? wir erfahren nur, was gerade passiert. was die personen
fühlen, das spart widmer leider aus. uns somit bleibt das ganze relativ
kühl und wird aus einer gewissen distanz erzählt.
vielleicht habe ich aber auch nicht alles richtig verstanden. vielleicht
kann ich mit widmers schreibstil nichts anfangen. vielleicht habe ich
womöglich offensichtliche andeutungen nicht gesehen. vielleicht bin ich
zu jung für diesen roman. vielleicht bin ich zu dumm, das ganze werk als
etwas großartiges zu sehen. all dies könnte zutreffen. doch letztendlich
führt mich das ganze wieder zum anfang: "dieser roman wurde einfach nicht
für mich geschrieben".
womöglich werden viele leser ihre freude an urs widmer haben. vielleicht
werden sie das leben seines vaters als etwas ganz besonderes ansehen.
vielleicht werden sie den hochgelobten humor in diesem buch sehen. es
gibt bestimmt vieles, was dieses werk lesenswert macht. ich konnte davon
leider nichts finden. doch - um es nochmal deutlich zu sagen - dies ist
wahrlich keine schlechte lektüre. mich hat sie leider nicht berührt und
schon gar nicht fesseln können.
und auch diesmal hat elke heidenreich etwas wahres gesagt. und zwar mit
ihrer bemerkung darüber, dass man sich nicht zwingen muss, bücher bis
zum schluß zu lesen. ich muss aber zugeben, dass es mir zuwider
ist, einen roman nach ein paar seiten wieder ins regal zu stellen. ich
denke dann immer ich würde etwas verpassen. im fall urs widmer wäre das
allerdings nicht passiert...
[bs | april 2004]
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BEWERTUNG: *****
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