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RAUSCH
von JOHN GRIESEMER

Gebundene Ausgabe
700 Seiten
Mare Buchverlag
ISBN: 393638486X
EUR 24,90
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KURZBESCHREIBUNG

Das erste Transatlantikkabel soll gelegt werden, doch es reißt wieder und wieder. Das größte Schiff aller Zeiten soll zu Wasser gebracht werden, doch es weigert sich, vom Stapel zu laufen. Wir schreiben das Jahr 1857, und die Welt windet sich in den Geburtswehen der Moderne. Die Welt, das ist zunächst der amerikanische Ingenieur Chester Ludlow, der sich mit Haut und Haaren der Idee verschrieben hat, das erste Telegraphenkabel durch den Atlantik zu verlegen; Chester ist unglücklich verheiratet mit der ehemaligen Schauspielerin Franny, die der gemeinsamen Tochter Betty nachtrauert, die einem epileptischen Anfall zum Opfer gefallen ist. Ludlow begibt sich mit einer illustren Theatertruppe und einem verspielt-naiven Stück, das die Verlegung des Atlantikkabels zum Thema hat, auf Reisen, um Geld für das Projekt zu sammeln. Geleitet wird die Truppe von dem Deutschen Joachim Lindt und dessen wunderschöner Frau Katerina, zu der Ludlow alsbald in heißer Liebe entbrennt, derweil Franny daheim in Maine zusammen mit Ludlows Bruder Otis versucht, Bettys Geist im Jenseits zu beschwören. Ganz am Ende besucht Ludlow mit seinen Söhnen in den Docks von Liverpool den «Größten schwimmenden Vergnügungspark der Welt»: die inzwischen ausgemusterte Great Eastern, jenes Schiff, das zunächst nicht ins Wasser wollte, doch dann die Welt veränderte. (marebuch.de)

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MEINUNG

es ist schon etwas länger her, das "rausch" im kleinen mare buchverlag erschienen ist. trotzdem möchte ich das buch hier kurz besprechen, weil es sich wirklich lohnt, es zu lesen. auch ich lasse mich mitunter davon anstecken, dass ein buch, welches nicht gleich von den medien hochgelobt wird, sofort wieder vergessen wird. eigentlich absoluter schwachsinn. natürlich versuche auch ich, hier relativ neue bücher vorzustellen, doch letztendlich ist es doch viel wichtiger dass ein buch lesenswert ist. was nützt einem großartige werbung und aktualität, wenn der text selbst uninteressant ist...

nun aber zu "rausch". geschrieben wurde es von john griesemer, eigentlich ein schauspieler, den man vielleicht aus filmen wie "malcom x" oder "langoliers" kennt. ich muss zugeben, dass mir der name vorher weder in bezug auf film noch auf literatur bekannt war. somit kann ich leider nichts über seine schauspielerischen leistungen sagen, was auch vollkommen uninteressant wäre. hier geht es um den autor griesemer, und dessen talent kann sich wirklich sehen lassen.

was möchte er uns erzählen? eigentlich eine ganze menge. denn "rausch" ist ein 700 seiten starkes buch, gefüllt mit den unterschiedlichsten geschichten. im großen und ganzen geht es aber um die verlegung des ersten transatlantikkabels. eine telegraphenleitung soll also amerika mit england verbinden. und was in unserer zeit schon fast selbstverständlich ist, war im jahre 1857 eine ziemlich schwierige angelegenheit.
das buch beginnt mit einem fabelhaften prolog. erzählt wird über den stapellauf eines, in seiner größe bisher nicht gebauten schiffes, der "great eastern", welche nebenbei bemerkt, im weiteren verlauf der handlung noch eine große rolle spielen wird. und dieser stapellauf geht leider nicht so leicht vonstatten, wie man es sich wohl gewünscht hätte.
dies alles beschreibt griesemer schlicht und einfach überwältigend. man ist sofort mittendrin in der handlung und kann sich nur schwer dazu durchringen, das buch wieder zur seite zu legen...

auf den folgenden seiten stellt uns der autor die zahlreichen personen vor. da ist zum einen der held des buches, der ingenieur chester ludlow, welcher mit der verlegung des kabels beauftragt ist. nach dem scheitern des ersten versuches, braucht die firma natürlich sponsoren und somit geld. dieses versuchen sie zu bekommen, indem sie mit einer sensationellen aufführung durchs land ziehen. erfunden hat dieses damalige wunderwerk der technik, im gewissen sinne eine art vorreiter des films, ein deutscher namens joachim lindt. sein meisterwerk ist quasi eine art bewegliche bühne auf der, mit hilfe von viel "schall und rauch", die verlegung des kabels dargestellt wird. und um dem ganzen noch ein wenig dramatik zu verleihen, wird das spektakel von lindts frau katerina musikalisch begleitet. das ganze wird ein großer erfolg.

während chester also quasi als schauspieler unterwegs ist, bleibt seine frau zu hause. sie leidet immer noch am verlust der tochter, welche bei einem epileptischen anfall die klippen hinunter stürzte und ums leben kam. hier kommt eine weitere person ins spiel, nämlich chesters bruder otis. mit ihm versucht sie kontakt mit der tochter im jenseits aufzunehmen.
zwischen chester und katerina lindt bahnt sich indessen eine heiße affäre an...

es ist sehr schwierig, den inhalt des buches in einer kurzbeschreibung wiederzugeben. dazu gibt es einfach zu viele ereignisse und vor allem personen. ich denke auch, man sollte grundsätzlich im vorfeld nicht zu viel über einen roman erfahren. denn umso interessanter und spannender wird doch eine lektüre, wenn man sich von den geschehnissen überraschen lässt. ich finde, griesemer ist es gelungen, einen großartigen roman zu schreiben. dies vor allem wegen der zahlreichen, unterschiedlichen personen. doch auch die stimmung jener zeit und vor allem die technischen probleme und erfolge werden fabelhaft geschildert. so schafft er es, innerhalb der 700 seiten eine unheimlich dichte welt zu erschaffen.

bevor ich über ein buch schreibe, lese ich mir sehr gerne die kritiken von anderen lesern durch. und oftmals bin ich überrascht, wenn diese ganz und gar nicht mit meiner empfindung überein stimmen. und gerade in diesem fall gehen die meinungen scheinbar extrem auseinander. viele sind begeistert und sehen das buch als meisterwerk, fallen beim lesen wirklich in eine art "rausch". andere wiederum können mit griesemers roman rein gar nichts anfangen und finden ihn tödlich langweilig und sinnlos. ich sehe dies keineswegs so. natürlich muss man sich ein wenig für die damalige zeit und die technik um die jahrhundertwende interessieren. doch finde ich aussagen über die angeblich seitenlangen langweiligen technischen beschreibungen schlicht und einfach falsch. denn das schöne daran ist doch eher, dass einem das ganze in einer wunderbaren sprache vermittelt wird. ein sachbuch zu dem thema würde auch ich niemals lesen. doch hier bekommt man das ganze nahezu spielerisch mit auf den weg.
auch über den umfang des romans kann man natürlich geteilter meinung sein. auch ich habe mir manchmal gedacht, jetzt könnte er dann doch langsam zum ende kommen. doch langweilig wurde mir das buch auf keiner seite, auch wenn mich die geschichten über franny und otis bei ihren kontaktaufnahmen zum jenseits dann doch ein wenig genervt haben. aber das wird einem immer so gehen, bei einem werk mit solch zahlreichen personal. manche personen können einfach nicht richtig überzeugen und es ist einem fast egal, was im weiteren verlauf der handlung mit ihnen geschieht.

für mich ist "rausch" jedenfalls ein fabelhafter schmöker. es hat mir viel freude gemacht, das buch zu lesen. es ist gleichermaßen interessant und unterhaltsam. man erfährt viel über die damalige zeit. ich kann es also durchaus empfehlen!

[bs | märz 2004]

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BEWERTUNG: *****