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KOMM
von IRINA DENEZKINA
Gebundene Ausgabe
256 Seiten
S.Fischer
ISBN: 3100431006
EUR 17,90
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bei amazon.de
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KURZBESCHREIBUNG
Erotischer Tatendrang treibt die jungen Petersburger von Party zu Party,
von Mund zu Mund. Ein herrlich zielloses und berückend ereignisloses Leben:
erste Küsse, die neueste Musik, Alkohol, Autofahrten und äußerst skurrile
Zeitgenossen. In diesem Vakuum scheinen die Erzählungen frei zu flottieren
und zeichnen doch mit scharfen Konturen das unbeirrbare Gefühl des Mir
gehört die Welt. (s-fischer.de)
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MEINUNG
"russland" war im jahr 2003 das thema der frankfurter buchmesse. aufgrund
dessen gab es wohl unzählige erwähnungen von russischen autoren. eine
davon ist mir besonders ins auge gestochen. zum einen, weil das buch wirklich
in vielen zeitschriften oder zeitungen zu finden war, zum anderen weil
die 22jährige autorin wirkich sehr gut aussieht ;o) ob dies eine entscheidende
grundlage dafür ist, ein buch zu kaufen? natürlich nicht! aber oftmals
machen einen die medien einfach auf dinge aufmerksam, die man womöglich
nie gekauft hätte. in manchen fällen ist dies fabelhaft, weil man auch
einmal bücher in die hände bekommt, die etwas wirklich besonderes sind.
im fall von irina denezkina bleibt es leider, für mich dabei, dass
die autorin lediglich gut aussieht...
denn ich muss gestehen, dass ich in keinster weise diese lektüre genossen
habe. in vielen kritiken konnte man lesen, die vorliegenden geschichten
mit dem titel "komm" wären von unterschiedlich guter qualität.
dem kann ich leider nicht zustimmen, denn die erzählungen sind eben nicht
von unterschiedlicher güte, sie sind meiner meinung nach alle sehr enttäuschend.
natürlich zählt in erster linie der eigene geschmack. harald schmidt hat
einmal gesagt: "mich interessieren keine bücher, die in der ukraine
spielen". vielleicht ging es mir ähnlich mit diesen geschichten. andererseits
kommt es eigentlich nicht darauf an, WO eine geschichte erzählt wird,
sondern was darin passiert. und da ist es grundsätzlich egal, ob diese
in amerika, afrika oder eben in russland spielt. manchmal kann dies sogar
ein großer pluspunkt sein, eben mal von schauplätzen verzaubert zu werden,
die man nicht persönlich kennt. leider muss ich sagen, dass mich weder
die schauplätze noch die personen in denezkina's geschichten sonderlich
interessiert haben. und ich denke, dass ist der erste knackpunkt des ganzen
buches.
ich bin kein literaturkritiker und verfüge auch nicht über die fähigkeit
zu beurteilen, ob die sprache der autorin nun gut oder schlecht ist. für
mich kann sie einfach nicht erzählen. sie schafft es nicht, dass ein bild
der jeweiligen situtation vor meinem auge entsteht. ich finde, ihre worte
sind kalt, zusammenhangslos und absolut ohne charme geschrieben. ihr stil
gleicht einem ziellosen aneinanderreihen von sinnlosen sätzen... das gilt
gleichermaßen für versuchte beschreibungen, wie auch für die belanglosen
dialoge! so bleiben für mich die orte leider absolut im dunkeln, genauso
wie die personen, die ich einfach nicht erkennen konnte. geschweige denn
konnte ich mit ihnen identifizieren.
damit möchte ich sagen, es ist völlig egal, was diese typen da gerade
machen. ob sie saufen, drogen nehmen, ob sie sich küssen oder sex haben.
es ist von vorne bis hinten einfach uninteressant. es kommt keine stimmung
auf, keine gefühle. und so etwas macht für mich ein buch zu etwas unleserlichen.
ich habe mich bei diesen geschichten tödlich gelangweilt. was soll daran
so toll sein? es tut mir leid, ich konnte es leider nicht erkennen.
vielleicht mögen manche leser mit irina's stil etwas anfangen können.
vielleicht findet der ein oder andere diese ach so kalt und wirr geschriebenen
texte als etwas besonderes. vielleicht konnten sich diese leser leichter
durch das zahlreiche personal finden, als ich es konnte. wenn auf einer
halben seite unzählige russische namen erwähnt werden, von denen ich nicht
weiß, wer diese personen sind, ob es sich um mann oder frau handelt und
was sie außer sich zu betrinken gerade an diesem ort machen, ist dies
für mich einfach unsinnige literatur.
dies ist mir besonders in der geschichte "song for lovers" aufgefallen.
literatur hat auch den anspruch, den leser zu unterhalten, nicht etwa
zu quälen! hier ein paar zeilen zum besseren verständnis (bzw. unverständnis):
saschka, steklow, galja romanowa und noch etwa sieben andere saßen
am feuer, sie aßen schaschlik und tranken bier und wodka dazu. man
hätte es allerdings auch umgekehrt sagen können, sie tranken
bier und wodka und aßen schaschlik dazu. holzscheite und gurkenscheiben
knackten, ljocha petrow bekleckerte sein t-shirt mit dem aufdruck "how
much is the fish" mit tomate. mascha saß so, dass sie steklow
nicht sah; er scherzte und witzelte, was bei galja romanowa und julka
muchina erstickungsähnliche lachanfälle auslöste. nastja
kulakowa lachte nicht, sie betrachtete steklow mit einer art aufmerksamer
gleichgültigkeit, gelegentlich stolperte er über ihren blick.
oleg und saschka berdyschw sangen leise: "doch solang du in der tasche
noch 'ne schachtel kippen hast, gibt es keinen grund zur panik - wird
schon irgendwie gehn ..." swetka rjabowa sang mit, worüber marina
trawkina die nase rümpfte.
leider bin ich wirklich sehr enttäuscht, denn dieses buch klang wirklich
sehr vielversprechend. für mich wurden die erwartungen leider in keinster
weise erfüllt. irina hat ihre erlebnisse, nebenbei bemerkt, früher auf
einer russischen website vorgestellt. dadurch wurde sie wohl auch entdeckt.
in einem bericht über die schriftstellerin konnte ich lesen, man habe
ihr unterstellt mit dem verleger geschlafen zu haben, damit ihre erzählungen
veröffentlicht werden. vorher habe ich darüber gelacht, jetzt nach der
lektüre würde ich mich fast trauen zu sagen, da ist was wahres dran! tut
mir leid, einen anderen grund für eine veröffentlichung kann ich leider
nicht finden.
eine erzählung, und zwar "postskriptum" fand ich dann aber doch
ganz gut. vielleicht weil sie vollkommen anders ist. in dieser geschichte
lässt sich dann doch noch etwas talent vermuten. allerdings nicht in diesem
genre. denn diese, sehr sehr kurze erzählung ist wohl eher im "horror-bereich"
anzusiedeln. im entfernten sinne könnte man sie mit "american psycho"
vergleichen. hart, äußerst brutal und wirklich pfiffig geschrieben. außerdem
hat sie ein ende über das man sich gedanken macht. so soll es sein! sehr
gut! warum ist der rest nur so nichtssagend, liebe irina?
ich finde es es grundsätzlich schön, dass junge talente gefördert werden.
irina ist 22 jahre alt. es ist schon eine enorme leistung, in diesem alter
schon weltweit berühmt zu sein und gefeiert zu werden. ich muss gestehen,
ich freue mich sogar für die autorin. doch ich persönlich hätte mir einfach
etwas anderes vorgestellt. vielleicht ist dies aber wieder mal einstellungssache
oder besser gesagt geschmacksache. ich wünsche irina noch viele leser,
das meine ich wirklich ernst. leider werde ich keiner von ihnen sein!
[bs | januar 2004]
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BEWERTUNG: *****
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