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MONSIEUR IBRAHIM UND DIE BLUMEN DES KORAN
von ERIC-EMMANUEL SCHMITT

Gebundene Ausgabe
100 Seiten
Ammann
ISBN: 3250600555
EUR 12
bestellen bei amazon.de

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KURZBESCHREIBUNG

Gar nicht schlecht, einen erwachsenen Freund zu haben, der einem mit Rat und Tat zur Seite steht, wenn die Dinge im Leben mal nicht so laufen, wie man sich das vorstellt. Und noch dazu, wenn er Araber ist und wie Monsieur Ibrahim, der Kolonialwarenhändler in der Rue Bleue, in jeder Lebenslage etwas Passendes in seinem Koran zu finden weiß. Der zwölfjährige Moses lernt schnell, dass 'Araber' zu sein keineswegs allein mit der Herkunft zu tun hat, es bedeutet in der Branche nichts weiter als: nachts und auch am Sonntag geöffnet. Und er weiß, auf Monsieur Ibrahim, der Tag für Tag unverrückbar in seinem Laden sitzt, ist Verlaß, den er kennt die Geheimnisse des Glücks und des Lächelns. Das hilft selbst in den aussichtslosesten Situationen: im Männerhaushalt mit dem schwermütigen Vater wie bei den Mädchen in der Rue de Paradis, beim Konservenklau wie beim Fahren ohne Führerschein. Aber nie sind die Dinge bloß so, wie sie scheinen: Monsieur Ibrahim, der Krämer, ist kein Araber, genausowenig wie die Rue Bleue blau ist. (ammann.ch)

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MEINUNG

vielleicht hat der ein oder andere schon elke heidenreich's buchsendung "lesen!" gesehen. (wenn nicht, man kann sich die folgen auf der internetseite des zdf ansehen...) das konzept der "show" ist eigentlich recht gelungen. denn heidenreich stellt bücher vor, die ihr am herzen liegen - und das wichtigste daran, sie sucht bücher aus, über deren stapel wir nicht gleich fallen, wenn wir eine buchhandlung betreten. an dieser stelle denke ich beispielsweise an den neuen "harry potter". über so ein buch braucht man nichts berichten, es findet seine leser von ganz alleine. deshalb finde ich es gut, wenn man auch einmal auf literatur aufmerksam gemacht wird, die jenseits vom unwichtigen mainstream (meine meinung!) wie john grisham & co. angesiedelt ist... und ein solches ist "monsieur ibrahim und die blumen des koran" des französischen autors eric-emmanuel schmitt.

schmitt ist in frankreich bestimmt kein unbekannter. er wurde 1960 geboren und ist laut klappentext einer der meistgespielten zeitgenössischen theaterautoren auf den internationalen bühnen geworden. erschienen ist schmitt's prosa im kleinen "ammann" verlag, der es sich mit der buchreihe "meridiane" zur aufgabe gemacht hat, zeitgenössische erzähler aus aller welt vorzustellen.
"monsieur ibrahim ..." ist das erste buch von schmitt, welches in deutschland erschienen ist. letztendlich ist es wohl elke heidenreich zu verdanken, dass dieses buch so bekannt geworden ist - und das ist gut so, denn es ist wahrlich ein kleines meisterwerk.
"monsieur ibrahim..." erzählt aus der sicht des elfjährigen ich-erzählers moses, ist eine ganz kleine, auf den ersten blick kurzweilige geschichte. dieses erste empfinden ist womöglich dem äußerst schlanken umfang des textes zu verdanken. die erzählung ist kaum 100 seiten lang, gesetzt mit viel rand und in einer schriftgröße von 12 punkt. so mag man sich schon vor dem lesen denken, ach herrje, das hab ich ja in einer stunde gelesen. stimmt, viel länger wird man dafür wohl nicht benötigen. doch das geniale daran ist, dass man nach diesen hundert seiten denkt, man hätte einen roman mit 500 seiten gelesen.
oftmals hat es mich gerade deshalb ein wenig an alessandro baricco's "seide" erinnert. auch dies ist, ganz nebenbei bemerkt, ein buch, welches einen ganz anderen eindruck über den umfang NACH dem lesen vermittelt.

worum geht es aber in schmitt's erzählung? hierfür zitiere ich einfach die kurzbeschreibung von amazon.de: "eine religionsübergreifende parabel über weisheit, toleranz, fatalismus und güte und über eine ungewöhnliche freundschaft ...", denn hier ist mit wenigen worten relativ treffend erklärt was den leser erwartet. ich denke, es wäre gut möglich gewesen, aus diesem buch einen umfangreichen roman zu machen. denn es geschieht unheimlich viel. jede dieser kleinen geschichten hätte man auf unzählige seiten ausweiten können. wenn es gut gemacht ist, warum nicht. doch schmitt geht einen anderen weg. er lässt alles überflüssige weg, zeigt uns nur das wesentliche, das drumherum entsteht im kopf des lesers. und so einfach, blumig und intensiv schmitts sprache auch ist, man sollte sich zeit lassen beim lesen dieses buches, denn erst dann ergeben all die kurzen geschehnisse, zusammen mit den klugen lebensweisheiten des monsieur ibrahim auch wirklich ein schlüssiges ganzes.

ich beschäftige mich manchmal gerne mit "anspruchsvoller" literatur, oder sagen wir mit büchern, die eben nicht jeder gleich kennt oder nur kauft, weil sie auf der beststellerliste auf platz eins sind (wobei man an dieser stelle natürlich anmerken muss, dass dieses buch mittlerweile auch auf der liste zu finden ist). das mag manchmal schwer sein, denn oftmals hat man den eindruck, zu blöde für den ein oder anderen schriftsteller zu sein. oder sich bei manchen büchern, die ihre längen haben denkt, muss ich das jetzt wirklich weiter lesen, es langweilt mich, ich mag nicht mehr. solche gedanken hat man bei schmitt nicht. die geschichte ist von vorne bis hinten interessant und - man gestatte mir diese altmodische bezeichnung - im gewissen sinne "zauberhaft".
ich mag solch eine art von literatur, bücher die einen gewissen charme ausstrahlen. bücher, die leicht zu lesen sind und letztendlich doch einen hohen literarischen anspruch haben. nun gut, auch wenn man natürlich zugeben muss, dass man sich fühlt, wie ein erwachsener, der gerade ein kinderbuch liest (was andererseits ja nicht unbedingt was schlimmes sein muss)...

ist schmitts erzählung aber nun wirklich so gut, wir wir in allen rezensionen lesen können? ich denke, dass die meinungen bei diesem werk auseinander gehen. einige werden von vorne herein sagen: "was interessiert mich ein kolonialwarenhändler in der rue bleue in paris, der einem elfjährigen balg lebensweisheiten erzählt?" natürlich muss man solche meinungen akzeptieren. ganz klar. nicht jedes buch ist für jeden geschmack geschrieben. aber ich denke, schmitts geschichte ist nah dran. und das liegt wohl auch wieder an der kürze des textes. dieses buch kann jeder mal schnell zwischendurch lesen, es dauert nicht lange...
ich denke, jeder sollte dieser prosa einmal eine chance geben um dann selbst zu entscheiden, ob man sie gut oder schlecht findet. ich für meinen teil wünsche diesem kleinen, schmalen büchlein jedenfalls noch viele leser.
ach ja, mittlerweile ist die geschichte übrigens auch verfilmt worden, und zwar mit omar sharif als monsieur ibrahim...

zum ende allerdings noch etwas negatives, über das sich zurecht viele leser beschweren. es geht um den preis des buches. 12 euro für solch ein kurzweiliges lesevergnügen ausgeben zu müssen, ist wirklich ein wenig übertrieben. ich bin auch der meinung, dass man es ruhig etwas günstiger hätte verkaufen können. trotzdem - ich bereue den kauf nicht.

im sinne des buches - ihr bekommt es bei dem "araber an der ecke. araber - was in unserer branche bedeutet, nachts und auch am sonntag geöffnet." vielleicht ein gar nicht so schlechter werbespruch für amazon, haha.

ich habe mich elke heidenreich begonnen, also werde ich auch mit ihr abschließen: "es ist eine geschichte vom kummer, vom verlust, vom tod, von der liebe, vom erwachsenwerden und von der toleranz in dieser durchgeknallten zeit, in der wir leben. ein lehrstück in sachen güte. das ist ein unendlich zartes, schönes, liebevolles buch!"

[bs | januar 2004]

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BEWERTUNG: *****