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FORTSCHREITENDE
HERZSCHMERZEN BEI MILDEN 18 GRAD
von KATJA KULLMANN
Gebundene Ausgabe
128 Seiten
KIEPENHEUER &
WITSCH
ISBN: 3462034049
EUR 14,90
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bei amazon.de
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KURZBESCHREIBUNG
Sie
hat uns überzeugend erklärt, warum es so kompliziert ist,
eine Frau zu sein. Nun legt Katja Kullmann ihre erste Erzählung
vor: die faszinierende Geschichte einer jungen Frau, die ein ganz anderes
Leben will. Ein großartiger Neuanfang soll es sein: Simone kommt
aus dem Dorf in die Stadt, mit kleinem Gepäck, großen Hoffnungen
und ein paar Erinnerungen, die sie dringend loswerden will. Bloß
keine Schinkenbrote mehr essen und nicht mehr »Fräulein«
genannt werden. Die bunte Illustriertenwelt ist die Vorlage für
ihren Traum. Sie hat sich ihren Dialekt abtrainiert, kennt sich aus
mit Glitzerkleidern und weiß genau, was Schönheit kostet.
Aber Simone landet in den Katakomben der Stadt, im Studio de la Beauté.
Der Arbeitskittel kratzt, die Kolleginnen bleiben ihr fremd, alles riecht
nach künstlicher Vanille. Und nach einer großen Enttäuschung.
Dann erscheint ein neuer Kunde. Jung, gebildet und gewandt, umschmeichelt
er sie mit verführerischen Wortspielen, und je länger sie
ihm zuhört, desto mehr wird er ihr zum Rätsel. Mit gewohntem
Fleiß setzt sie alles daran, dieses Rätsel zu lösen
doch er ist nur 45 Minuten pro Woche bei ihr. Mit eingängiger
Sprache und raffinierter Dialogführung erzählt Katja Kullmann
ein Drama des Alltags, das hoffnungsvoll beginnt und tragisch zu enden
droht. Die Geschichte von Simone zeigt auf komische und anrührende
Weise, wozu es führt, wenn jemand alles richtig machen will und
trotzdem nicht überall mitspielen darf.
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MEINUNG
einige
kennen katja kullmann möglicherweise von ihrem buch „generation
ally“. mir war sie bisher kein begriff. zu ihrer erzählung
kam ich durch zufall. dazu aber gleich mehr ...
allzu oft habe ich mich in letzter zeit über schlecht gestaltete
buchcover ausgelassen. in diesem fall möchte ich allerdings einmal
ein lob aussprechen, denn dieser schutzumschlag ist wunderbar. viel
weißer raum, der das verschwommene hintergrundbild, welches wie
eine röntgenaufnahme aussieht und wattestäbchen zeigt, sehr
geschickt zur wirkung bringt. darüber der titel in ansprechender
schrift und einem schlichten dreizeilenfall. sehr schön!
die autorin, 34 jahre alt, macht auf dem foto des klappentextes einen
ungemein sympathischen eindruck. dies alles, ein gelungenes, ansprechendes
cover, eine bezaubernde autorin, machten diese kleine erzählung
für mich interessant.
eigentlich hatte ich mich auf eine schnelle, moderne sprache eingestellt.
doch hat man die ersten seiten gelesen, so wirkt das ganze eher gegenteilig,
eher konventionell und altbacken. doch das soll keinesfalls negativ
klingen, ja würde ich fast sagen, dieser kontrast von modernem
„märchen“ und altertümlich wirkender sprache macht
das ganze umso interessanter. somit hat es mir dieses kleine buch sehr
angetan.
eigentlich gibt es nicht sehr viel darüber zu berichten. die erzählung
handelt von simone, die vom land in die großstadt zieht. es scheint
ihr großer traum zu sein, endlich raus aus der provinz, rein in
die laute, schnelle, große metropole. doch ist mona, wie sie sich
ab sofort nennt, nun endlich glücklich? eigentlich eher nicht,
denn sie ist unglücklich verliebt!
mona arbeitet als kosmetikerin in einem beauty-salon (was widerum die
watterstäbchen auf dem umschlag erklärt ...). jeden donnerstag
kommt ein kunde, der sich für über 40 euro pro behandlung
von ihr pflegen lässt. und mona verliebt sich. doch sie schafft
es leider nicht, diesem mann ihre gefühle mitzuteilen. stattdessen
versucht sie mehr über ihn zu erfahren. sie fährt beispielsweise
in die straße, in der er wohnt, traut sich aber nicht näher
an sein haus heranzugehen.
als sie mitbekommt, dass er für eine zeitung schreibt, kauft sie
diese täglich, "verschlingt" und sammelt sogar seine
kolumnen. und nachdem sie einsehen muss, dass sie so gut wie keine allgemeinbildung
hat, und oftmals nicht so genau weiß, was ihr ihr kunde wöchentlich
so aus dem weltgeschen erzählt, versucht sie zu lernen. letztendlich
um ihn beindrucken zu können. und so wird aus dem anfänglich
etwas dummen, oder besser gesagt weltfremden landmädchen sehr bald
eine kluge „stadtfrau“.
ob ihr das am ende, in bezug auf ihre verliebtheit, allerdings weiter
hilft, sei dahingestellt ...
„fortschreitende herzschmerzen ...“ wurde von einigen kritikern
schwer verrissen. ich allerdings muss katja kullmann verteidigen. mir
hat diese kleine lektüre sehr gut gefallen. und ich konnte sehen,
dass wohl nicht nur männer probleme mit der liebe haben. daß
auch frauen unglücklich ihrem traum hinterher rennen und sich am
ende lächerlich machen, nur um ihren liebsten beeindrucken zu können.
diese erzählung ist von anfang bis zum ende tieftraurig. und gerade
deshalb fand ich sie so lesenswert und realistisch. hier gibt es mal
eine geschichte, in der nicht am ende alles gut wird. in der die hauptperson
die ganze zeit über leidet und durch ihr unglücklichsein die
dummsten dinge macht.
und somit sehe ich dieses büchlein als etwas ganz besonderes. weil
auch ich schon in ähnlichen situationen war. weil auch ich geträumt
habe und kaum wußte, wie ich die zeit überbrücken sollte
bis zum nächsten wiedersehen mit meiner traumfrau. nur um am ende
wieder umso enttäuschter zu sein, weil alle hoffnungen mit nur
einem wort oder blick zunichte gemacht wurden. trotzdem gab es tief
im inneren wieder diese grausame hoffnung darüber ob die angebetete
nicht vielleicht doch etwas für einen übrig hat. und am ende
landet man in einem grausamen teufelskreis, sprich liebeskummer, dem
man oftmals nicht so schnell entfliehen kann. und jedesmal siegt das
herz über den verstand. und genauso ist es bei mona. immer wieder
sieht sie in ihrem geliebten zeitungsredakteur einen neuen hoffnungsfunken
um dann am ende doch wieder enttäuscht und alleine dazustehen.
und was sagt uns das ganze? daß man nicht die geringste chance
hat das leben und die liebe zu beinflussen! wenn man von dem anderen
nicht geliebt wird, kann man machen was man will. man kann versuchen
sich seinem traum zu nähern indem man so sein will wie er. doch
leider lernt man am ende sehr schnell, daß dies alles keinen sinn
macht und man doch besser so bleiben sollte, wie man ist. und daß
man so oft lernen sollte seinem verstand zu gehorchen und nicht immer
nur dem herzen, denn so ergeht es einem sehr schnell wie unserer heldin
mona, man bekommt „fortschreitende herzschmerzen ...“
[bs | november 2004]
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BEWERTUNG: *****
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