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NIEMAND DENKT AN GRÖNLAND
von JOHN GRIESEMER

Gebundene Ausgabe
334 Seiten
Mare Buchverlag
ISBN: 3936384444
EUR 19,90
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KURZBESCHREIBUNG

1959. Rudy Spruance, ein junger Corporal, wird auf eine US-Militärbasis nach Grönland versetzt. In der arktischen Einöde geht’s munter zu: Eisbärjagd, Flirts mit dem weiblichen Personal und Gelage sind der Zeitvertreib. Doch auf dem Stützpunkt unterhält die Army ein geheimes Lazarett: Verwundete des Koreakriegs, der vor Jahren beendet wurde, fechten hier einen letzten Kampf. Wie schon in seinem Nummer-eins-Bestseller „Rausch“ entfaltet Griesemer eine Geschichte, in der Menschen mit Gewalten konfrontiert werden, die alles Maß übersteigen. In „Niemand denkt an Grönland“ ist es der Krieg, dessen Wahnsinn Griesemer subversiv und unerbittlich entlarvt. (marebuch.de)

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MEINUNG

manchmal macht es ja so viel spaß sich über etwas aufzuregen. und in diesem fall muss ich leider mal wieder meinen widerwillen gegen die umschlaggestaltung dieses buches loswerden. warum müssen heutzutage so viele cover derart lieblos und nichtssagend gestaltet werden? kann man sich nicht wenigstens ein bisschen mühe geben? für mich wäre dieser schmutzumschlag jedenfalls ein todesurteil zum thema verkaufsförderung. hätte ich den autor nicht gekannt, ich hätte dieses hässliche buch im laden niemals wahr genommen. dabei geht es doch auch anders. die gestaltung von "rausch" fand ich zum beispiel sehr ansprechend. natürlich ist solch ein empfinden letztendlich aber auch geschmacksache.

außerdem muss man das cover während des lesens ja nicht anschauen. umso mehr hatte ich dann auch gehofft, dass mich der inhalt des buches weniger enttäuschen würde. was soll ich sagen, "niemand denkt an grönland" ist kein schlechtes buch, von einem meisterwerk ist es allerdings meilenweit entfernt. hierzulande erscheint griesemer's roman recht verspätet. geschrieben wurde er jedenfalls zwei jahre vor dem überraschungserfolg "rausch". und vergleicht man beide texte miteinander, so hat der autor sichtlich dazu gelernt. "rausch" hat mich sehr begeistert, ein interessanter, durchwegs gelungener roman, ein perfekter schmöker. das könnte ich von "niemand denkt an grönland" leider nicht behaupten. am ende bleibt ein fader nachgeschmack.

dabei ist das grundthema gar nicht so schlecht. ein verlassener militärstützpunkt, wie sagt man so schön: am arsch der welt. oder genauer ausgedrückt in grönland. dorthin wird ein junger corporal versetzt und im laufe der handlung muss er entdecken, was es mit der ganzen geheimnistuerei, die hier herrscht, aufsich hat. dieser ganze stützpunkt ist nämlich nichts anderes als ein geheimer abschiebeplatz für verwundete soldaten, die hier auf ihr ende wartend, dahinvegetieren. doch griesemer schafft es meiner meinung nach nicht, diesem traurigen, furchtbaren thema leben einzuhauchen. es fehlt dem ganzen roman schlichtweg an "kraft". man liest das ganze, findet einiges hier und da ganz nett, aber im grunde ist es einem vollkommen egal, was hier eigentlich gespielt wird. in einigen kritiken wird das buch mit "mash" verglichen. dies kann ich leider nicht nachvollziehen. zwar ist das buch stellenweise ein wenig satirisch und komisch, aber richtig entfalten will sich das ganze dann doch irgendwie nicht. die handlung plätschert so dahin, die liebesgeschichte, die griesemer einbaut, ist weder romantisch noch berührt sie. im gegenteil, das ganze entfaltet sich als abgebrühtes klischee.

ich glaube, der autor hätte sich mehr zeit nehmen sollen. vielleicht hätten dem roman ein paar seiten mehr gut getan. hier hat man jedenfalls den eindruck, die handlung wird schlichtweg heruntergespult, bis wir zu einem ende gelangen, das in keinster weise so schockieren kann, wie es womöglich sollte. man kann das buch ruhig lesen, es ist wahrlich keine schlechte literatur. es ist sogar durchgehend recht unterhaltsam. doch genauso schnell wie man es gelesen hat, hat man es auch wieder vergessen. somit ist der titel vielleicht gar nicht so schlecht gewählt: "niemand denkt (mehr) an grönland" ...

[bs | oktober 2004]

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BEWERTUNG: *****