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FREDY
NEPTUNE
von LES MURRAY
Gebundene Ausgabe
500 Seiten
Ammann
ISBN: 3250104752
EUR 29,90
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bei amazon.de
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KURZBESCHREIBUNG
Friedrich Boettcher, alias Fredy Neptune, der australische Seemann aus
einer deutschen Immigrantenfamilie, wird während des Ersten Weltkriegs
Zeuge der türkischen Greueltaten gegen die Armenier. Als er sieht, wie
eine Gruppe von Frauen bei lebendigem Leib verbrannt wird, ist das der
Schock seines Lebens. Er merkt, daß er von nun an keine Empfindungen mehr
wahrnimmt, allerdings fortan zu immensen Kraftleistungen im Stande ist.
Fredy versucht, nach Australien zurückzukehren, doch seine deutsche Herkunft
wird ihm zur Last gelegt, womit kaum mehr ein Ort existiert, wohin er
heimkehren könnte. Und so wird Fredy ins kalte Wasser der Geschichte geworfen
und kämpft darum, den Kopf oben zu behalten. Die Umstände führen ihn nach
Amerika, wo er sich als Hobo durchschlägt und in Hollywood kleine Filmrollen
übernimmt, und nach Deutschland. Er verkehrt in den verschiedensten Kreisen,
ist gleichwohl mit Pennern wie mit der Elite zu sehen, wird als deutscher
Held bejubelt, um dann wieder in Vergessenheit zu geraten. Als Zeuge des
Entsetzens der beiden Weltkriege im 20.Jahrhundert, versucht Fredy (erfolglos)
sich zurückzuziehen, um ein möglichst einfaches Leben zu führen. Doch
erst am Ende ist es ihm vergönnt, sein menschliches Empfindungsvermögen
zurückzugewinnen.
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MEINUNG
Fredy Neptune ist in jeder Hinsicht ein außergewöhnliches Buch. Das fängt
schon mit dem Format an: groß, schwer und unhandlich! Doch dies ist dann
auch schon der einzige Kritikpunkt, den ich über dieses Buch äußern kann!
Nahezu jede Kritik, die ich bisher lesen konnte, äußert sich positiv über
dieses Werk. Zurecht, denn, man erlaube mir zu zitieren: "... Fredy
Neptune ist jedenfalls eines der größten und schönsten Abenteuer, die
im Moment zwischen zwei Buchdeckeln auf uns Leser warten." Besser
kann man es kaum beschreiben! Was ist aber so besonders?
Natürlich erst einmal die fantastische Geschichte. Les Murray beschreibt
uns dreißig Jahre aus dem Leben von Friedrich Boettcher. Friedrich, Fred,
Fredy, wie auch immer man ihn nennen möchte, lebt in Australien und ist
Sohn einer deutschen Immigrantenfamilie. Und gleich zu Anfang begleiten
wir ihn auf eine große Reise. Eine Reise, die uns zusammen mit dem Helden
in die unterschiedlichsten Länder führt und somit auch zu unglaublich
vielen Abenteuern ...
Fred ist Seemann und muss bei einem Landgang in der Türkei mit ansehen,
wie einige von Frauen mit Kerosin übergossen und bei lebendigen Leib verbrannt
werden. Seit diesem Erlebnis ändert sich sein Leben schlagartig. Denn
von nun an hat Fredy keine Empfindungen mehr. Er fühlt weder Schmerz noch
Lust, was ihn zu einem sehr bemitleidenswerten Menschen macht.
Doch hat diese "Krankheit" auch seine Vorteile für unseren Hauptdarsteller.
Denn sie macht ihn unheimlich stark. Ja, man kann schon fast ein wenig
übertreiben und behaupten, von nun an ist Fredy Neptune einer der stärksten
Männer der Welt. Und diese Fähigkeit verschafft ihm auch wiederum die
äußergewöhnlichsten Jobs. Und die braucht Fredy auch, um in diesen schweren
Zeiten überleben zu können. Beispielsweise arbeitet er einige Zeit in
einem Zirkus, was ihm zu dem Künstlernamen "Neptune" verhilft ...
Es ist sehr schwierig, die Handlung dieses Buches zu beschreiben. Denn
entweder man erzählt Schritt für Schritt, was Fredy alles erlebt oder
man gibt sich schweigend und lässt alle Leser selbst die unglaublichen
Abenteuer von Fredy miterleben. Und ich denke, dies ist nur fair. Man
darf einfach nicht zu viel von dieser Geschichte verraten. Denn sie ist
so unheimlich spannend, an vielen Stellen erschreckend, traurig, unbegreiflich.
Dann aber wieder absolut interessant und faszinierend. Die gesamte Handlung
ist einfach wahnsinnig komplex. Es passiert so unendlich viel, dass man
nach dem Ende der Lektüre schon fast wieder von vorne anfangen möchte,
mit dem Wunsch, alle Abenteuer nochmal zusammen mit Friedrich Boettcher
zu erleben ....
Gibt es überhaupt noch etwas zu sagen, außer dass dieses Buch zu den besten
gehört, die ich jemals gelesen habe? Ja, das gibt es, eine Kleinigkeit,
die man nicht verschweigen sollte. Denn "Fredy Neptune" ist ein Versroman.
Das ganze Buch besteht aus über 10.000 Versen. Und das wird wohl so manchen
Leser von vorne herein abschrecken. Auch ich habe mir die Frage gestellt:
"Warum soll ich mir das antun?" Zurecht, denn einfache Literatur ist dies
wahrlich nicht. Man muss sich viel Zeit nehmen. Dies ist kein Buch, das
man mal so schnell vor dem Einschlafen lesen kann. Dafür ist es schlichtweg
nicht geeignet, man muss dran bleiben. Denn hat man einmal ein paar Seiten
gelesen, so vergisst man sehr schnell die außergewöhnliche Schreibweise.
Legt man den "Roman" aber für einige Stunden zur Seite, braucht man wieder
eine gewisse "Einlesephase". Jedenfalls ging es mir so.
Trotzdem ist dies kein unleserlicher Text. Im Gegenteil, eigentlich ist
die Sprache von Les Murray fantastisch. Ich habe mich oft gefragt, warum
der Autor die "Verse" zum Erzählen seiner Geschichte ausgewählt hat. Letztendlich
muss man ihm diesen Stil einfach erlauben, vor allem weil es für ihn wohl
das einfachste Mittel ist, seine Gedanken zu Papier zu bringen. Hier sollte
man anmerken, dass Murray bisher ausschließlich Gedichte veröffentlicht
hat.
Es ist unschwer zu erkennen, dass ich von diesem Buch begeistert bin.
Ich wünschte, jeder würde es lesen. Vielleicht nimmt sich ja demnächst
Frau Heidenreich in ihrer Sendung "Lesen" diesem Meisterwerk an. Denn
dies wäre wohl die einzige Möglichkeit, dieses Werk richtig bekannt zu
machen. Ich mit meiner kleinen, unbekannten Internetseite hoffe trotzdem,
dass ich wenigstens ein paar Leser von "Fredy Neptune" überzeugen kann.
In diesem Fall hätte ich ehrlich gesagt gerne mehr "Einfluss", hier würde
ich mir wünschen, dass dieses fabelhafte Buch auf Platz eins der Bestsellerliste
erscheint. Denn bisher ist es auf dieser noch nicht einmal aufgetaucht.
Und so etwas stimmt mich sehr traurig und zeigt, dass es weniger bekannte
Romane einfach nicht schaffen, mit hohen Verkaufszahlen belohnt zu werden.
Stattdessen tummelt sich derzeit immer noch ein vollkommen langweiliger
Krimi an der Spitze.
Zu guter Letzt noch ein großes Lob an den Ammann Verlag, der sich getraut
hat, dieses Buch hierzulande zu veröffentlichen. Und das noch dazu in
einer sehr lobenswerten zweisprachigen Ausgabe. Und dieses Lob gilt natürlich
auch der fabelhaften Übersetzung von Thomas Eichhorn. Es war bestimmt
keine leichte Aufgabe, dieses Werk ins Deutsche zu übersetzen. Und Eichhorn
gibt allen Lesern auch noch die Möglichkeit, seine Arbeit zu beurteilen.
Dies erfordert sehr viel Mut. Andererseits kann man sich aber auch selbst
davon überzeugen, welch brillante Arbeit er geleistet hat.
Und ganz am Schluss kann ich nur noch einmal jedem dieses Meisterwerk
zeitgenössischer Literatur ans Herz legen!
Hier noch ein Link zu einer Leseprobe
...
[bs | mai 2004]
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BEWERTUNG: *****
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