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DIE NACHTRÄGLICHEN MEMOIREN DES BRAS CUBAS
von JOAQUIM M. MACHADO DE ASSIS
Gebundene Ausgabe
380 Seiten
Manesse
ISBN: 3717520180
EUR 19,90
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KURZBESCHREIBUNG
Ein gewitzter Fabulant und Fallensteller, ein liebenswerter Querkopf und Spötter ist dieser Bras Cubas, darin aufs engste verwandt einem Tristram Shandy oder einem Don Quijote. Selten las sich in der hohen Literatur die Summe eines Lebens so amüsant wie in diesem fiktiv-autobiographischen Schelmenstreich. Exotische Landstriche, Brasilien, Rio de Janeiro geben die Bühne für Bras Cubas illusionslosen Lebensrückblick aus dem Jenseits ab, der wahre Schauplatz aber ist das menschliche Herz. Ob es sich um Heiratsabsichten oder berufliche Ambitionen dreht, um Liebeshändel oder Erbstreitigkeiten, um politische oder geschäftliche Großtaten in launiger Nonchalance werden die Wirrnisse des Lebens verhandelt. Die satirische Rückschau auf Verfehlungen und Triumphe balanciert meisterlich auf dem schmalen Grat zwischen Komik und Tragik. Trotz bitterer Erfahrungen bleiben Selbstverklärung und biederer Lebensernst dem Helden fremd. Das macht die Leichtigkeit des Buches aus: Wo das Sentiment naht, ist der Schwank nicht weit. «Die nachträglichen Memoiren des Bras Cubas», erschienen 1881, sprühen vor Geist und Witz, und auch der Leser bleibt von den Buffonerien des Erzählers nicht verschont. «Dieses Buch zu lieben heißt, etwas weniger provinziell zu werden», urteilt Susan Sontag und bezeichnet den Roman als «eines der unterhaltsamsten unprovinziellen Bücher, die je geschrieben wurden».
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MEINUNG
es gibt sie noch, verlage, die sich neben einer fantastischen auswahl an werken der weltliteratur auch noch um eine perfekte aufmachung ihrer bücher kümmern. in zeiten, in denen bücher oftmals als minderwertige massenware produziert werden, erfreut man sich doch umso mehr an hochwertig hergestellten werken. und so sind alle im manesse-verlag erschienenen bücher in leinen gebunden, mit einer fadenheftung versehen, haben ein lesebändchen, sind auf perfektem papier gedruckt und haben außerdem eine gut zu lesende typo. für alle, denen das noch nicht genügt, von allen büchern gibt es außerdem noch eine ausgabe in leder gebunden. diese jahr wird der manesse-verlag 60 jahre alt. an dieser stelle herzlichen glückwunsch und: "weiter so!"
natürlich kommt es nicht nur auf gute ausstattung an, das ist klar. trotzdem gehören die bücher aus dem manesse-verlag für mich zu den schönsten, die man derzeit erwerben kann. nun aber endlich zum buch selbst. "die nachträglichen memoiren des bras cubas" werden von einigen seiten als meisterwerk angesehen. so weit würde ich jetzt nicht unbedingt gehen. "meisterwerk" ist dann doch ein wenig übertrieben. was nicht heißen soll, dieses buch wäre schlecht. nein - im gegenteil. warum nicht einmal einen klassiker zur hand nehmen? auch vor über hundert jahren konnte man schreiben. vielleicht konnten es einige sogar besser, als viele autoren in unserer zeit. ich muss gestehen, dass ich oftmals eine gewisse berührungsangst zu sog. klassikern habe. denn allzu oft muss man sich an die damalige art zu schreiben erst einmal gewaltig gewöhnen. nicht so in diesem fall. denn assis schreibstil ist ganz und gar zeitgemäß. man hat selten den eindruck, dass dieses buch das erste mal im jahre 1881 veröffentlicht wurde. um was geht es? es geht um bras cubas. er ist soeben gestorben. und von der anderen seite möchte er dem leser seine lebensgeschichte erzählen. dieses buch ist quasi eine autobiografie aus dem jenseits. für den ich-erzähler bietet diese art zu schreiben nur vorteile. denn er muss sich nicht mehr zurückhalten. er kann alles so berichten, wie er möchte. er muss nichts verschönigen, im gegenteil, er kann seinen gedanken freien lauf lassen. es kann ihm nichts mehr passieren, nichts mehr schlechtes nachgesagt werden. schließlich ist er ja bereits tot.
und so erzählt uns bras cubas also sein leben. teilweise ein gelungenes, im großen und ganzen allerdings ein eher trauriges. wenigstens wenn man das ganze aus der sicht der liebe aus betrachtet. denn bras hatte zwar viele liebschaften und über lange zeit auch eine verbotene affäre, zur heirat hat es leider nie gereicht. und so ist bras cubas bis zu seinem tod im gewissen sinne ein einsamer junggeselle... auch sein restliches leben will nicht so recht funktionieren. aber all das möchte ich hier nicht erzählen, es gibt so viel zu entdecken bei bras cubas, dass jedes zu viel gesagte wort fehl am platz wäre...
es hat mir unheimlich viel freude bereitet bras cubas, über vierundsechzig jahre hinweg, bis zu seinem tod zu begleiten. dies ist ein wirklich unterhaltsames buch, in einer wunderbar zugänglichen, einfachen und dennoch überaus anspruchsvollen sprache verfasst. dieses werk ist ungeingschränkt empfehlenswert!
[bs | juni 2004]
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BEWERTUNG: *****
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