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![]() DER AUGENBLICK DER LIEBE von MARTIN WALSER Gebundene Ausgabe 253 Seiten ROWOHLT ISBN: 3498073532 EUR 19,90 bestellen bei amazon.de - KURZBESCHREIBUNG Gottlieb Zürn, Privatgelehrter mit Domizil am Bodensee, erhält Besuch von einer Doktorandin. Sie interessiert sich für seine Aufsätze über den französischen Philosophen LaMettrie und überreicht ihm eine Sonnenblume. Sie könnte, wie er sieht, seine Enkelin sein. Und doch vernimmt er sofort das Klirren erotischer Möglichkeiten. Trotzdem, und weil er mit seiner Frau Anna längst im selben Wortschatz untergeht, folgt er ihr kurz darauf nach Kalifornien zu einem Kongress. Dort erfüllt sich seine Prophezeiung - auf eine Weise, die gleich in mehrfacher Hinsicht zum Eklat führt. Sobald er drüben ist, wird in ihm Anna übermächtig, also zurück zu ihr. Sobald er zurück ist, muss er wieder hinüber. Aber das gestattet ihm das Buch nicht. Eros, Ehe und Erlebnishunger sind die äußeren Markierungspunkte dieses Romans, das Verhältnis von Leben, Literatur und Todeslust ist sein geheimes Motiv. - MEINUNG martin walser ist für mich ein äußerst unsympathischer mensch. ich kann nicht recht beschreiben warum, ist einfach so ein gefühl. bisher habe ich noch nichts von walser gelesen. "ein springender brunnen" hatte ich damals angefangen, musste allerdings feststellen, dass dies eine literatur ist, mit der ich nicht viel anfangen kann. aber egal, es geht hier nicht um seine alten werke sondern um seinen neuen roman "der augenblick der liebe". ich weiß nicht, warum ich dieses buch überhaupt gekauft habe. vielleicht lag es an der literatursendung, die ich zuletzt sah. in der über eine stunde lang über das buch diskutiert wurde, ich aber kein wort von dem gesprochenen verstand. von nun an war ich sehr interessiert daran ob das buch wirklich so "schwer" zu verstehen sei, oder ob die kritiker mal wieder auf dick, wichtig und intelligent machen wollten. schwer zu sagen, denn walsers buch ist nicht unbedingt etwas für mich. ich denke, dass ich womöglich nur das vorrangige, einsichtige thema begreifen konnte, während alle andeutungen, die wohl "zwischen den zeilen" zu finden sind, für mich unentdeckt bleiben werden. und so bin ich ein wenig hin und her gerissen. auf der einen seite ist das buch wunderbar geschrieben, es gibt aber auch viele stellen, die ich mehr oder weniger mit unverständnis gelesen habe. hier hatte ich den eindruck, ich wäre womöglich zu blöde für walsers text. und gebe dies auch zu, ohne mich zu schämen. nicht jede art von literatur ist auch für jeden leser zugänglich. die hauptgeschichte des buches ist eine liebesgeschichte. und zwar eine, die ich aus der sicht einer frau nicht unbedingt begreifen mag. was bringt eine junge frau dazu, sich in einen 40 jahre älteren mann zu verlieben? für mich war solch ein altersunterschied schon immer ungegreiflich. doch wie sagt man so schön? wo die liebe hinfällt ... und so trifft also eines tages die junge beate, welche in den usa studiert, auf gottlieb zürn. dieser hatte vor langer zeit einige aufsätze über den französischen philosophen la mettrie verfasst. ein thema, welches beate sehr interessiert. und nach diesem besuch sind beide ungemein voneinander angezogen. leider können sie ihre affäre anfänglich nur "fernmündlich" vollziehen. also per telefon und durch briefe, die sie sich schreiben. ich sah in gottlieb zürn auch leider immer die person martin walser mit seinen buschigen augenbrauen vor mir, was das ganze noch ein wenig unbegreiflicher machte. gerade am anfang hatte ich den eindruck, hier möchte ein alter autor nochmal über liebe und sex schreiben. also altmännerphantasien. und was sucht sich ein in die jahre gekommener mann aus? natürlich ein junges, knackiges ding. was natürlich kein vorwurf sein soll, denn wenn es denn funktioniert und die junge frau mitmacht, um so besser... zweigeteilt ist meine meinung zu diesem buch. denn allzu oft hatte ich den eindruck, walser fülle all die zeilen nur, um des schreibens willen. als wolle er allen beweisen, wie toll er mit sprache umgehen kann. und hier sehe ich für mich auch die einzigen positiven aspekte des romans. walsers unglaubliche sprachliche raffinesse. das kann er wirklich, dass muss man ihm lassen. hier einige beispiele: - an ihrem leinenkleid - rostrot mit gelblichen blumen - hatte sie die drei oberen knöpfe offen gelassen. man sah ihren körper beginnen. - gottlieb hörte das wie aus weiter ferne. die konnte jetzt einfach so gehen. und er, der immerschonidiot, blieb verblutend zurück. - könnte es sein, glutet sie sich jetzt vor, daß er der zartestaufmerksamstegefühlsvollste mensch ist, den sie bis jetzt getroffen hat? - am telephon seine stimme! sie möchte am ganzen körper ohren haben! doch die handlung dieses buches ist eigentlich nicht wirklich etwas besonderes. alter mann verliebt sich in junges mädchen und kehrt am ende wieder sehnsüchtig in die arme seiner frau zurück. dies alles hat man schon einmal gelesen. beispielsweise in zeruya shalev's "liebesleben". doch vergleicht man diese bücher, so muss man von walsers interpretation des themas schon fast ein wenig enttäuscht sein. ihm fehlt einfach shalev's wucht. und so ist sein roman schon fast als langweilig zu bezeichnen ... die ersten beiden kapitel fand ich noch ganz gut. der besuch der jungen beate, gottliebs erwachen der sehnsüchte nach einem jungen menschen. auch das zweite kapitel war noch sehr lesenswert, wenn mich auch die ständigen englischsprachigen textteile gestört haben. nun gut, ich kann verstehen, was walser damit erreichen wollte, doch erschien mir das ganze oftmals ein wenig als angeberei. "schaut mal alle her, ich kann sogar englisch!!" dann gottliebs besuch in amerika. vorher noch seitenlang sein aufsatz über la mettrie, der mich leider überhaupt nicht interessieren wollte. aber wie schon gesagt, nicht alles in der literatur ist auch für jedermann gedacht. für mich waren diese stellen jedenfalls äußerst langweilig. der rest des buches war für mich dann doch sehr, sehr klischeehaft. aber dies sollte jeder selbst beurteilen ... am ende war ich doch etwas enttäuscht. die geschichte, ganz nett, aber letztendlich ohne große wucht erzählt. teilweise mit vollkommen "zähen" stellen. es bleibt dabei, mich konnte leider lediglich walsers sprachliche raffinesse überzeugen, alles andere ist ein eher durchschnittlicher liebes- bzw. eheroman. würden die kritiker dieses buch auch so gut besprechen, wäre es nicht von einem der bekanntesten deutschen autoren geschrieben worden? wohl kaum ... [bs | august 2004] - BEWERTUNG: ***** |
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