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ELF
MINUTEN
von PAULO COELHO
Gebundene Ausgabe
285 Seiten
Diogenes
ISBN: 3257063733
EUR 19,90
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bei amazon.de
-
KURZBESCHREIBUNG
es war einmal eine prostituierte namens maria... so beginnt paulo
coelhos neuer roman. maria ist eine junge stoffverkäuferin aus
einem brasilianischen dorf. ihre ersten unschuldigen flirts lassen sie
mit gebrochenem herzen zurück. die liebe ist für sie etwas
schreckliches, das nur unglück bringt, und sie ist überzeugt,
daß sie nie die große liebe finden wird. ein zufall verschlägt
sie nach genf, wo sie von reichtum und einer tanzkarriere als sambatänzerin
träumt, sich schließlich aber als prostituierte in einem
nachtclub durchbringt. sie tut es ohne scham, denn ihr herz ist nicht
dabei, und wie ihre freier verfällt sie mehr und mehr einer dunklen
obsession: sex. da begegnet sie einem jungen maler, der ihre zynische
weltsicht ins wanken bringt und in den sie sich allen vorsätzen
zum trotz verliebt. maria muss sich entscheiden, ob sie den mut hat,
sich ihren vorurteilen zu stellen und über eine intimere, spirituellere
form der erotik die liebe neu zu entdecken und ein anderes leben zu
wagen.(klappentext)
-
MEINUNG
paulo coelho erzählt in seinem neuen buch von einem mädchen namens maria.
und um es gleich vorweg zu nehmen, dieses buch ist es nicht wert, gelesen
zu werden. für mich jedenfalls. der autor wollte über sex schreiben.
nun gut, warum nicht? doch für mich hat er dieses ziel leider verfehlt,
denn das ganze liest sich so spröde, wie wenn ein pfarrer einen aufklärungsbericht
für die bravo schreibt...
nun gut, mehr dazu später. das buch beginnt mit maria's kindheit. und
schon hier strotzt das ganze schon von klischees. eigentlich hätte ich
die lektüre schon nach wenigen seiten wieder weglegen sollen. doch ich
war interessiert, ob das ganze vielleicht zu anfangs ein ausrutscher
war... doch die zeit hätte ich mir sparen können, denn am ende weiß
man, dieses buch ist ein 280 seiten langes, kitschiges, prüdes klischee.
nun aber zurück zur handlung. es geht also um maria's kindheit. sie
lebt in eher armen verhältnissen in brasilien. dies aber nur am rande.
schließlich haben wir ein buch vor uns, welches von sexualität handelt.
also - ganz klar - wir lesen über marias erste menstruation und dass
sie denkt, sie würde daran sterben. nun gut, wollen wir dem autor dieses
erste klischee einmal verzeihen. schließlich kann er sich herausreden,
indem er sich hinter der unwissenheit eines elfjährigen mädchen versteckt.
es geht weiter... die erste verpasste liebe, weil sie sich nicht traut,
"ihn" anzusprechen. doch sie hat natürlich sehr bald
einen festen freund, den sie allerdings verliert, weil sie noch zu unerfahren
in sachen liebe ist. um genau zu sein: sie öffnet beim küssen nicht
den mund, dem freund ist das natürlich zu dumm, er verlässt sie und
tröstet sich sogleich mit maria's freundin, die bereits weiß, "was sache
ist".
schon jetzt glaubt maria nicht mehr an die liebe, was wir im weiteren
verlauf des buches noch öfter hören werden... trotzdem ist ihr traum
(nämlich den mann fürs leben zu finden) natürlich die ganze
zeit über da. warum schon wieder solch ein langweiliges klischee? ein
mädchen ist enttäuscht und verbannt die liebe aus ihrem leben. ach bitte
- JEDER hatte in zeiten von liebeskummer wohl solche gedanken. kann
uns der autor nicht einmal etwas neues erzählen? und nicht etwa, dass
maria ins kloster gehen möchte (ach wie grausam) ...
doch dann kommt alles anders (wirklich???) - maria macht urlaub
in rio. das unerfahrene mädchen in der fernen, großen stadt. und was
passiert? ein reicher schweizer verspricht ihr eine große karriere als
tänzerin (ach wie süß). maria fällt natürlich drauf rein. wie
oft konnte man solch eine geschichte schon lesen, im fernsehen sehen
etc.. was weiterhin geschieht, kann sich wohl jeder an dieser stelle
schon denken, oder? maria geht natürlich in die schweiz und landet in
einem nachtclub. und dort ist natürlich nichts so, wie es ihr versprochen
wurde. keine 500$ gage pro woche. nein, das geld reicht gerade mal für
die unterkunft. ein rückflugticket in die heimat kann sie sich nicht
leisten. sie sitzt fest! (ach wie neu und grausam das ganze doch
ist.) egal. man hätte was aus der sache machen können, hätte beschreiben
können, wie sehr sie unter dem strengen schweizer nachtclubbesitzer
leidet.
doch was geschieht? maria kommt ohne jegliche probleme aus dem ganzen
schlamassel heraus. weil sie an einen abend nicht zur arbeit erscheint,
wird sie entlassen. (ach, so schnell geht das?) und anstatt das
(wie es wohl im richtigen milieu gewesen wäre) der typ maria
aufs übelste verprügelt, leidet er auch noch, der arme kerl. weil er
jetzt schon wieder nach brasilien muss um "nachschub" für maria zu besorgen.
und wir als leser, wir leiden regelrecht mit dem armen burschen! doch
das dummerchen (welcher eigentlich ein knallharter geschäftsmann sein
sollte, der arme ausländische mädchen ausbeutet), was macht er, er zahlt
maria auch noch eine abfindung von 5000 franken, nur weil sie ihm mit
einem anwalt droht!(- lächerlich!!)
spätestens zu diesem zeitpunkt wurde mir bewusst, dass es sich hier
wohl wirklich um ein märchenbuch für erwachsene handelt und ich hätte
es zurück in den schrank stellen sollen. oder bin ich nun
womöglich das dummerchen? weil ich es doch eigentlich schon auf
der ersten seite des buches erklärt wird, was passieren wird:
es war einmal eine prostituierte namens maria. moment mal. "es war
einmal" ist die beste art, ein märchen für kinder zu beginnen, während
"prostituierte" nach etwas klingt, was für erwachsene gedacht ist
als ob sich
der autor schon mit der ersten zeile für den nun folgenden quatsch entschuldigen
möchte...
naja, egal. maria wird auf jeden fall eine hure. ein bisschen was kann
man über ihre arbeit schon lesen, doch beschränkt es sich auf sätze
wie "ich machte die beine breit, danach ging ich duschen". sorry, ich
hatte hier ein erotisches buch erwartet, aber dieses ist geschrieben,
als ob ein pfarrer über sex schreibt und sich dafür auch noch schämt.
hatte colheo angst vor einer zensur? hat er sich nicht getraut, einmal
das wort "ficken" zu verwenden?
man sollte mich an dieser stelle nicht falsch verstehen. ich habe natürlich
keine pornografie erwartet. doch wenn man einen roman über das milieu
der prostitution schreibt, dann sollte man vielleicht doch nicht worte
wie "penetration", "penis" oder "mein geschlecht wurde feucht" verwenden.
das passt in ein aufklärungsbuch für pupertierende mädchen, aber
nicht in ein werk für erwachsene. und wenn sich dann auch noch der besitzer
des bordells, also quasi der zuhälter der mädchen denkt: "werden die
beiden wohl liebe machen?", dann hört für mich leider der spaß auf.
ziel und thema verfehlt!
in einem review
konnte ich lesen: coelho beherrscht es perfekt, sich auf dem schmalen
grat zwischen sexualität und obszönität zu bewegen. oder er überschreitet
nie die grenze des guten geschmacks. hier stellt sich mir die frage:
in welch prüder welt leben wir eigentlich?
am rande des guten geschmacks? hier braucht sich der autor nun wirklich
keine gedanken machen, diese gefahr ist für ihn nicht einmal in sichtweite.
dass es auch anders geht, beweist beispielsweise gianluigi melega mit
seinem buch "von
den fortschreitenden übertretungen des major aebi". hier kann man
anmerken, dass es der autor versteht, gerade noch noch die kurve vor
der pornografie zu kriegen. dies ist ein erotisches buch. es hat fabelhafte
szenen über erotische fantasien. colheo ist leider meilenweit davon
entfernt!
doch nun nochmal zurück zur eigentlichen geschichte. wäre "pretty woman"
noch nicht verfilmt worden, dieses buch wäre die ideale romanvorlage
gewesen. (wobei - es tut mir schon fast etwas leid, nur negatives zu
schreiben - die geschichte der "pretty woman" noch tausendmal interessanter
und romantischer ist als die unserer maria). jedenfalls hatte ich schon
bald den gedanken, wann kommt er denn nun endlich der "richard gere",
der retter der armen hure? es dauerte nicht lange, auf seite 105 trifft
sie ihn endlich, in der gestalt eines reichen (natürlich!) und
berühmten (ganz klar!) malers. ich denke, ich kann an dieser
stelle meinen bericht über den inhalt getrost beenden, obwohl ich gerne
noch alle anderen klischees verraten hätte. zum beispiel das maria
noch nie durch einen mann zum orgasmus gekommen ist (na, wer dies
wohl ändern wird?) und so weiter und so fort...
selbst der versuch des autors, plötzlich eine kleine sadomaso nummer
einzubauen, missglückt ihm auf ganzer linie. es passt einfach nicht,
über fesseln, schmerz und peitschen zu schreiben, wenn das ganze erzählt
wird wie ein märchen der gebrüder grimm (wobei auch diese noch brutaler
sind... aber vergessen wir einfach den vergleich!) es wundert mich immer
noch, wie ich es geschafft habe, die letzten seiten dieses buches zu
lesen. bis hin zum grandiosen sexuellen finale (???) in dem unsere
hauptperson einen orgasmus nach dem anderen hat, in dem geschrien und
gebrüllt wird, sie aus ihrem körper heraustritt und ein licht in ihr
explodiert! ach wie wunderschön.
ich hatte meiner freundin diese stelle vorgelesen, weil ich dachte,
ich würde es als mann vielleicht nicht begreifen. doch auch sie hat
nur darüber gelacht und meinte, so einen quatsch könne nur ein mann
schreiben.
vielleicht stört mich auch der ständige religiöse unterton des romans.
all diese erkenntnisse und vergleiche mögen interessant sein, aber nicht
in bezug auf das eigentliche hauptthema des buches. aber vielleicht
war das thema einfach nicht für mich gedacht. vielleicht habe ich einfach
kein interesse daran, über den "heiligen sex" zu lesen.
es passt meiner meinung nach auch nicht zu den personen, dass sie ständig
philosophieren. maria - auf der einen seite das dummchen, absolut weltfremd
- auf der anderen seite spricht sie mit solch großen und gescheiten
worten, dass man sich fragt, ob der autor nicht vielleicht hätte merken
sollen, welche unpassenden worte er seinen helden in den mund gelegt
hat?
hätte er ihnen lieber andere dinge in den mund gelegt, dann wäre
dies am ende womöglich doch noch ein erotischer roman geworden.
man verzeihe mir den ungehorsamen vergleich ;o)
nun gut, wie hat marcel reich-ranicki einmal gesagt: alle schriftsteller
schreiben schlechte bücher! nur ab und zu ist auch mal ein gutes dabei!
ich denke das "gute" buch ist es in diesem fall für coelho nicht geworden!
aber was soll's, er hat etwas versucht und es ist meiner meinung nach
mißglückt! andere leser werden wohl ganz anders darüber denken, bezugnehmend
auf einige lobeshymnen, die ich zu diesem werk schon gelesen habe.
auch kann man dem verlag nichts vorwerfen. was wäre gewesen, hätten
sie diesen band nicht veröffentlicht? nein, das ist natürlich unmöglich!
wenn ein berühmter autor ein neues buch schreibt, muss man dieses natürlich
ins programm aufnehmen, ganz klar. stellt sich vielleicht nur die frage,
was hätte ein verlag mit diesem manuskript gemacht, stände nicht ein
solch bekannter autor auf dem titel?
oftmals ist eine schlechte kritik auch ein garant dafür, dass bücher
gekauft werden und somit auf der bestsellerliste landen. vielleicht
war es auch in diesem fall so. vielleicht werden sich viele leser auch
aufgrund meiner meinung das buch kaufen, weil sie denken - es kann doch
nicht sein, was dieser typ da verzapft. schön, dann verdient der autor
wenigstens geld und hat somit zeit, sich wieder einem besseren buch
zu widmen.
abschließen möchte ich diese kritik noch mit einem auszug aus einem
interview mit coelho. "Ich war sehr überrascht, weil ich nie an die
Reaktionen denke, wenn ich schreibe. Zu keinem Buch habe ich bisher
soviel E-Mails bekommen. Kurz vor dem Ende von "Elf Minuten" traf ich
einen alten Mann auf der Straße, der mir sagte, wie sehr er meine Bücher
liebt, wie sehr sie ihn träumen lassen. Und ich dachte: Oh Gott, was
wird er wohl von "Elf Minuten" halten, wo ich von Sadomasochismus und
Prostitution schreibe? Aber zu aller erst muss ich mit mir selbst im
Reinen sein. Meine Leser mögen mir vielleicht ein schlechtes Buch verzeihen,
aber kein unehrliches."
ich denke, der autor braucht sich keine gedanken machen, er braucht
sich auch nicht für seine prüden sexuellen gedanken in diesem buch schämen.
doch den letzten satz hätte ich mir anders gewünscht. denn ich verzeihe
ihm lieber ein unehrliches buch, aber kein schlechtes!!
zu guter letzt, doch noch 1 stern in der bewertung? ja, denn man muss
zugeben, erzählen kann er, dieser coelho. er kann auch mit der
sprache umgehen, welche wirklich sehr poetisch ist. nur passt sie in
diesem fall leider absolut nicht zum thema...
[bs | februar 2004]
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BEWERTUNG: *****
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